PfadnavigationHomeGeschichteArchäologie-FundMaya-Stadt mit mysteriöser Henkerszene im mexikanischen Dschungel entdecktStand: 16:09 UhrLesedauer: 3 MinutenMit Macheten mussten sich die Archäologen den Weg nach Minanbé bahnenQuelle: Daniel Santaella/INAH Mexico/dpaIm Urwald der Halbinsel Yucatán haben Archäologen eine Maya-Stadt entdeckt. Ihre Ruinen werden in die Epoche der Spätklassik zwischen 600 und 900 datiert. Die Darstellung auf einer Stele könnte sich auf ihren Untergang beziehen.Dass der Dschungel der Halbinsel Yucatán in Mittelamerika noch erstaunliche Überraschungen für Archäologen bereithält, erfuhr jetzt ein Team slowenischer und mexikanischer Forscher. Über ein Dutzend Kilometer hinweg bahnten sie sich mühsam mit Macheten einen Weg durch den dichten Urwald – und stießen auf zahlreiche Ruinen der Maya-Zivilisation. Die Abgeschiedenheit des Ortes im Biosphärenreservat Calakmul im mexikanischen Bundesstaat Campeche inspirierte die Archäologen zu dem Namen Minanbé, was in der Sprache der einheimischen Maya „Es gibt keinen Pfad“ bedeutet. Das Team um den slowenischen Archäologen Ivan Šprajc entdeckte einen Pyramidentempel, Altäre, palastartige Gebäude, Plätze, Wasserkanäle sowie einen Stein mit einer eingravierten Enthauptungsszene. Daten aus luftgestützter Laserscanning-Technik (LiDAR) lassen auf eine rund 15 Hektar große Stadt schließen. Zum Vergleich: Der Kernbereich der Maya-Metropole Calakmul wird mit 3000 Hektar angegeben. „Im Vergleich zu anderen Orten, an denen wir Oberflächenbegehungen durchgeführt haben, war der Zugang hier viel schwieriger; dennoch ist dies der erste Ort in den letzten drei Jahren, den wir unberührt vorgefunden haben – es gibt keine Spuren von Plünderungen“, wird Šprajc zitiert: „Das war eine große Überraschung für uns.“ Die Ruinen von Minanbé werden in die Zeit der Maya-Spätklassik von 600 bis 900 n. Chr. datiert, wie die mexikanische Kulturbehörde INAH mitteilt.Damals wurde die Region von dem mächtigen Calakmul dominiert, das zeitweise auch die weiter südlich gelegene Metropole Tikal im heutigen Guatemala kontrollierte. Wie zahlreiche Bauwerke in Calakmul trägt auch der noch 13 Meter hohe Pyramidentempel von Minanbé Merkmale des Rio-Bec-Stils, wie der Archäologe Vitan Vujanović ausführt. Dazu gehören feines Mauerwerk, glatte Platten an der Fassade, eine steile Treppe und Zierleisten im oberen Bereich. Ob Minanbé mit einem Ort identisch ist, der in schriftlichen Maya-Quellen überliefert wird, müssen weitere Forschungen klären. Ein Hieroglyphentext auf einem Altar, auf dem die Figur eines Herrschers mit Federkopfschmuck, Brustschild und Arm- und Halsschmuck prangt, verweist auf ein Datum der „Langen Zählung“, das wahrscheinlich auf einen Zeitpunkt gegen Ende des 7. Jahrhunderts hinweist. Damals stand Calakmul auf dem Höhepunkt seiner Macht. Vorstellbar ist, dass Minanbé – wie viele der mehr als 400 Maya-Städte – eine Art abhängiges Fürstentum war, das für die Versorgung der großen Zentren zu sorgen hatte. Allein im Tiefland von Yucatán wird für die Spätklassik eine Bevölkerung von neun bis elf Millionen Menschen angenommen. Um 700 n. Chr. konnte Tikal sich aus der Oberherrschaft Calakmuls befreien und begann, die Vasallen des Rivalen zu unterwerfen. Welche Rolle Minanbé in diesen Machtspielen einnahm, ist unklar. Ein weiteres Datum fanden die Archäologen auf einer prominent platzierten Reihe von Denkmälern, darunter eine Stele, auf der eine Figur zu sehen ist, die eine Art Messer oder Axt schwingt, um einen Menschen zu enthaupten. Ein Kalenderzeichen trägt die Datumsangabe 5 ajaw (849 n. Chr.). „Wir können davon ausgehen, dass die gesamte Monumentengruppe oder zumindest ein Teil davon zu diesem Zeitpunkt der Spätklassik errichtet wurde, kurz bevor die Städte in der Region aufgegeben wurden“, sagt der Epigrafiker des Projekts, Octavio Esparza Olguín. Lesen Sie auchEine Stele in Tikal bezeugt das Ende der dortigen Dynastie im Jahr 869. Schwindende Ressourcen, Hunger und Kriege werden für das Ende der spätklassischen Maya-Zivilisation verantwortlich gemacht. Vielleicht verweise die Monumenten-Reihe von Minanbé auch auf das Auftauchen neuer Gruppen aus dem Norden, wie es für das Ende der Spätklassik angenommen wird, sagt Ivan Šprajc. Aber auch das müssen weitere Untersuchungen klären.Schon in seiner Geschichts-Promotion beschäftigte sich Berthold Seewald mit Brückenschlägen zwischen antiker Welt und Neuzeit. Als WELT-Redakteur gehörte die Archäologie zu seinem Arbeitsgebiet.
Archäologie-Fund: Maya-Stadt mit mysteriöser Henkerszene im mexikanischen Dschungel entdeckt - WELT
Im Urwald der Halbinsel Yucatán haben Archäologen eine Maya-Stadt entdeckt. Ihre Ruinen werden in die Epoche der Spätklassik zwischen 600 und 900 datiert. Die Darstellung auf einer Stele könnte sich auf ihren Untergang beziehen.












