Die gute Nachricht zuerst: Zumindest von ernsthaften Erkrankungen durch die hohen Temperaturen der vergangenen Tage scheint München – vorerst – verschont geblieben zu sein. Eine Stichprobe unter Kliniken und Seniorenheimen ergab, dass zumindest keine Behandlungen wegen Sonnenstich oder Hitzschlag notwendig waren, zwei im schlimmsten Fall lebensbedrohliche Krankheiten, die durch die Überhitzung des Kopfes oder des ganzen Körpers entstehen.Das könnte zum einen daran liegen, dass sich Bewohner von Alten- und Pflegeheimen ebenso wie Klinikpatienten eher selten tagsüber draußen in der prallen Sonne aufhalten. Zum anderen auch daran, dass die Einrichtungen die Zeichen der Zeit erkannt haben und sich sowie ihr Personal darauf einstellen, wie mit der Hitze umzugehen sei.Erste Priorität bei allen befragten Institutionen: trinken, trinken, trinken. So gibt es in den Einrichtungen des Augustinums kostenloses Wasser, auch für die Mitarbeiter. Bei Münchenstift werden neben kühlen Getränken auch Obst und Eiscreme bereitgehalten, und in den Häusern der München-Klinik gibt es Eistee oder Getränke mit Fruchtgeschmack, „damit das Trinken leichter fällt“.Die München-Klinik reklamiert zudem für sich, schon bei Bau und Sanierung an den Hitzeschutz zu denken. Dabei geht es um Fassadenisolierung, um die Begrünung von Dachflächen, und um Sonnenschutzsegel. Bei Neubauten außerdem auch um Betonkernaktivierung. Dabei werden in massive Betonbauteile wasserführende Rohre verlegt, die im Sommer kühlend wirken und im Winter zum Heizen benutzt werden können. Zudem verfügten die Häuser zum Teil über „parkähnliche Flächen“, etwa in Schwabing, die auch bei hohen Temperaturen angenehmen Schatten bieten.Auf ebenso quasi natürlichen Hitzeschutz verweist Münchenstift: Bei den Vorkriegsbauten schütze die „thermische Masse“ vor Überhitzung, also die massive Bauweise mit dicken Wänden. Klimatisierung sei dort nachträglich kaum möglich, aber man versuche einerseits, sich mit Ventilatoren und Sonnenschutz zu behelfen, andererseits bestimmte Bereiche wie Wohngruppenküchen durch mobile Klimageräte kühl zu halten. Diesen Weg gehen auch die Häuser des Augustinums: Nicht alle Bereiche sind klimatisiert, aber immer wieder gibt es kühle Zonen, „um sich bei Bedarf von der Wärme zu erholen“, wie ein Sprecher mitteilt.Manche Alkoholvergiftung knallt nun noch mehr reinIm Klinikum Großhadern liegt ein Großteil der Zimmer nach Süden, sie sind so ganztägig dem gnadenlosen Angriff der Sonne ausgesetzt. Raimund Kutter/Imagebroker/ImagoIn Krankenhäusern bestehen natürlich noch einmal erhöhte Anforderungen an den Hitzeschutz. Im LMU-Klinikum sind Intensivstationen und OP-Säle selbstverständlich klimatisiert – letztere in bestimmten Fällen sogar ganz besonders, weil bei manchen Operationen die Körpertemperatur des Patienten künstlich herabgesetzt wird. In Krankenzimmern hingegen sieht das schon anders aus – im Klinikum Großhadern etwa liegt ein Großteil der Zimmer nach Süden und ist so ganztägig dem gnadenlosen Angriff der Sonne ausgesetzt. Die Klimaanlage hilft da oft relativ wenig – und der Einsatz von Ventilatoren ist aus Hygienegründen nicht erlaubt. So bleibt es dabei, Jalousien und Vorhänge zuzuziehen und erst abends zu lüften.Im Altbestand des LMU-Klinikums – also hauptsächlich die Häuser in der Nussbaumstraße – hingegen kann Klimatisierung „bau- und kostentechnisch nicht einfach nachgerüstet werden“. Die München-Klinik weist außerdem darauf hin, dass hohe Temperaturen nicht nur ein Problem der Bequemlichkeit sind: Die deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene empfiehlt für Patientenzimmer eine Temperatur von 22 bis 26 Grad. Liegt der Wert dauerhaft höher, kann das auch die Therapien beeinflussen: Medikamente wirken stärker oder weniger stark, je nachdem wie hoch der Wasseranteil im Körper des Patienten ist; warme Haut wird stärker durchblutet, sodass medizinische Pflaster mehr ihres Wirkstoffs abgeben.Auf all das sind die Münchner Kliniken und Pflegeheime offenbar gut eingestellt. Sie berichten über einige Fälle von Schwindel und Übelkeit, meistens ausgelöst durch Flüssigkeitsmangel. Andere Patienten hatten das genau entgegengesetzte Problem: Sie hätten nach einer Alkoholintoxikation „wegen der Hitze wohl auch eine stärkere Beeinträchtigung erfahren“. Zu Deutsch: Da hat der Rausch wegen der Sonne noch mehr reingehauen.