Die Stadtbewohner ächzen unter einem Hitzedom, an Abkühlung ist erst nach dem Wochenende zu denken. Neben den Menschen, die im Freien arbeiten, gibt es sogenannte vulnerable Gruppen, die besonders unter den extremen Temperaturen leiden: Kinder, Schwangere, Senioren, Obdachlose. Steigt ihnen die Hitze zu Kopf, kann der Kreislauf kollabieren und ein Hitzeschlag folgen. In Krankenhäusern werden schon die ersten Hitzepatienten behandelt, in Pflegeheimen müssen die Mitarbeiter auf die Bewohner achten. Doch ältere Menschen, die allein wohnen, oder Familien mit Migrationshintergrund, die ausgerechnet in besonders heißen Stadtteilen leben, sind wegen der Sprachbarriere schwer zu erreichen. Ihnen allen soll auf vielfältige Weise in Frankfurt geholfen werden.Das Gesundheitsamt Frankfurt bildet seit dem vergangenen Jahr „Klimalotsen“ aus, die ihr Wissen und praktische Tipps an ihre Stadtbewohner weitergeben, wie man sich auf steigende Temperaturen und andere Folgen des Klimawandels einstellen kann. Sie sind Multiplikatoren in den Stadtteilen und können, da sie teils selbst einen Migrationshintergrund haben, auch Menschen erreichen, die kein oder wenig Deutsch sprechen. Daneben bietet das Gesundheitsamt Informationen auf seiner Internetseite an, darunter auch eine Übersicht über kühle Orte in der Stadt.In den Notaufnahmen der Krankenhäuser sind bereits Opfer der großen Hitze eingetroffen, wenngleich nicht so viele wie befürchtet. Im Krankenhaus Nordwest und im Hospital zum Heiligen Geist wurden Patienten nach kurzen Ohnmachtsanfällen eingeliefert, weil ihr Blutdruck abgefallen war oder weil sie zu wenig getrunken hatten. Betroffen waren vor allem Hochbetagte, wie ein Sprecher berichtet. In der Notaufnahme der Uniklinik sind „hitzebedingte Erkrankungen mit schweren Ausprägungen“ registriert worden, sagte Simon Meier, Leiter des Zentrums für Notfall- und Akutmedizin der Universitätsmedizin Frankfurt. Diese Patienten gehörten überwiegend den vulnerablen Gruppen an: Obdachlose, alte Menschen oder Kinder. Die Zahl der Hitzepatienten übersteigt bislang aber in keiner Klinik das erwartbare Maß.Roter Kopf als WarnzeichenAuch im Klinikum Höchst mussten bereits Patienten wegen Überhitzung und Hitzschlag behandelt werden, teilt eine Sprecherin mit. Sie nennt auch die typischen Symptome, die gerade bei Jüngeren zu beobachten sind: ein roter Kopf, stärkere Atmung, Benommenheit, verminderte Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit.Bei alten Menschen seien die Anzeichen einer Überhitzung oft nicht so eindeutig erkennbar. Dabei setzen gerade ihnen die hohen Temperaturen besonders zu, weil sie weniger schwitzen und sich dadurch der Körper schlechter abkühlt, während das Durstgefühl nachlässt. Außerdem nehmen sie häufig mehrere Medikamente ein, deren Dosierung bei Hitze durch einen Arzt überprüft werden sollte, damit etwa der Blutdruck nicht zu weit absinkt oder das Schwitzen zusätzlich verstärkt wird.In Seniorenwohnanlagen und Pflegeheimen achten daher die Mitarbeiter besonders darauf, wie es den Bewohnern geht. Wie in den meisten Privatwohnungen fehlt es dort an Klimaanlagen, so auch im Pflegewohnstift am Wasserturm in Frankfurt. Dabei sei es besonders wichtig, in allen Zimmern auf die Temperatur zu achten, sagt Heimleiterin Christina Abel. Nachts werde gelüftet, um 8 Uhr morgens würden die Fenster geschlossen und die Rollläden heruntergelassen. Damit die Senioren dann nicht den ganzen Tag im dunklen Zimmer sitzen müssen, gebe es auch Unterhaltungsangebote in Gemeinschaftsräumen, „aber nur solche, die den Kopf anstrengen“, sagt Abel. Kegelrunden und Gymnastik fielen aus.Überhaupt achte man darauf, Aktivitäten nur in kleineren Gruppen anzubieten, damit sich Räume mit vielen Personen nicht weiter aufheizten. Der Speisesaal werde nur zur Hälfte besetzt, die andere Hälfte bekomme ein Tablett aufs Zimmer gebracht. Beim Essen würden leichtere Mahlzeiten angeboten, statt Kartoffeln und Braten zum Beispiel Suppe und Salat. Außerdem schaue mehrmals am Tag ein Mitarbeiter in den Zimmern vorbei, der neben Getränken und Wassermelone auch kühlende Hand- oder Fußbäder anbiete. Alles in allem reagieren die hochbetagten Bewohner aber meist gelassen auf die hohen Temperaturen, wie Abel beobachtet hat: „Die sagen einfach: Im Sommer war es schon immer warm – und finden sich damit ab.“
Sommer wird gefährlich: Erste Hitzepatienten in Kliniken
Nach einer Woche mit Temperaturen deutlich über 30 Grad behandeln Kliniken erste Hitzepatienten. In Seniorenheimen müssen die Älteren besonders geschützt werden.












