Es wird keinen ARD-Brennpunkt geben, kein ZDF-Spezial, keine „Bild“-Eilmeldung, wahrscheinlich nicht einmal ein Klopp-Müller-Hihi-Haha-Instagram-Video, was eine Kap Verde gegen Spanien gleichende Sensation wäre, weil es in den ersten Wochen dieser Weltmeisterschaft noch zu allem, wirklich allem, ein Klopp-Müller-Hihi-Haha-Instagram-Video gegeben hat.Aber das alles wird es nach dieser, wie das im Fußball so schön heißt, auf dem Papier nicht einfachen Pressekonferenz eben nicht geben, weswegen man fürs Erste festhalten kann, dass der Bundestrainer und der Bundes-Deniz vor dem dritten Vorrundenspiel der deutschen Nationalmannschaft am Donnerstag alles richtig gemacht haben.Am Mittwochabend sitzen Julian Nagelsmann und Deniz Undav Seite an Seite im Pressepavillon vor dem WM-Stadion in East Rutherford, New Jersey. Genau, der Undav und der Nagelsmann. Der Stürmer, der die Nationalmannschaft schon im März mit einem späten Tor gegen Ghana gerettet hat. Und der Trainer, der seinen Stürmer danach in der Pressekonferenz so schlechtgeredet hat, dass er später um Entschuldigung gebeten hat.Nun durfte man natürlich nicht davon ausgehen, dass diese Undav-Nagelsmann-Pressekonferenz eine Tic-Tac-Toe-Pressekonferenz werden würde, aber wenigstens ein kleines bisschen Tic hier, ein kleines bisschen Tac da? Nein, nichts da. Wenn die Deutschen auf das Spiel gegen Ecuador an diesem Donnerstag (22.00 Uhr MESZ im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM, in der ARD und bei MagentaTV) so gut vorbereitet sind, wie sie es auf diese Pressekonferenz waren, dann dürfte es den dritten Sieg im dritten Spiel geben.Der Auftritt fängt am Mittwoch mit einem einstudierten Spielzug an. Die Sprecherin des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) fragt den Bundestrainer, wie er das dritte Gruppenspiel wegen des schon feststehenden Gruppensieges eigentlich angehen wolle. Und der antwortet, dass das die „berechtigtste Frage von allen“ sei, dass in seinem Trainerteam „viel darüber diskutiert, überlegt, gesprochen“ worden sei, dass er „jegliche Diskussion verstehe, dass ein Deniz sich in die erste Elf gespielt“ habe.Antonio Rüdiger und David Raum rücken in StartelfDann wird die selbst anmoderierte Undav-Debatte aber wieder abmoderiert, indem er sagt, dass er eine Idee habe und es bei dieser Idee erst einmal bleibe, weshalb „wir die Wechsel vornehmen, die wir vornehmen müssen“. Das heißt: Antonio Rüdiger für Nico Schlotterbeck, der wegen eines Innenbandrisses im Sprunggelenk für den Rest der WM ausfällt.Und David Raum für Nathaniel Brown, der wegen Adduktorenproblemen für das Gruppenspiel gegen Ecuador – auf dem Papier der bisher stärkste Gegner der Deutschen – ausfällt, für das Sechzehntelfinale am Montag aber wieder bereit sein soll.Ist das eine kluge Entscheidung? Auf dem Papier wahrscheinlich schon. Aber auf dem Platz?Im Fall Undav kann man einwenden, dass die kluge Entscheidung im Fußball auch die falsche sein kann. Das wird man aber erst nach diesem Spiel sagen können, wahrscheinlich sogar erst nach dem übernächsten oder überübernächsten. Ansonsten ist am Mittwochabend nichts Neues gesagt worden. Als Undav darauf angesprochen wird, ob er fein damit sei, Einwechselspieler zu bleiben, sagt er, dass er nicht bei der WM dabei wäre, wenn er nicht fein damit wäre. Er habe sein „Rollengespräch gehabt“ und seine „Rolle akzeptiert“. Und auch mit dieser Antwort hat er seine Rolle erfüllt.Und sonst so? Gibt es noch zwei erwähnenswerte Antworten. Die erste kommt von Julian Nagelsmann. Als er von einem ausländischen Reporter gefragt wird, was er darüber denke, dass bei diesem Turnier bei Punktgleichheit nicht mehr die Tordifferenz, sondern der direkte Vergleich entscheide, antwortet er: „I have no opinion.“ Ich habe keine Meinung. Dieser Satz wird keinen Brennpunkt, kein Spezial und keine Eilmeldung zur Folge haben, aber auf die nächste Frage, zu der Julian Nagelsmann keine Meinung hat, wird man erst mal kommen müssen.Die zweite erwähnenswerte Antwort kommt von Deniz Undav. Als er von einem deutschen Reporter nach dem Ballermann-Song „Der Zug hat keine Bremse“ gefragt wird, weil dieser „euch ja pusht“, antwortet er: „Ich kenne den Song nicht, ich habe den noch nicht wahrgenommen. Ich habe gerade nur gehört, dass der nach dem Spiel lief – nach zwei Toren mit dem entscheidenden Tor habe ich das nicht im Kopf gehabt, da hatte ich ganz andere Gedanken.“Da kann auch Julian Nagelsmann nicht nicht lachen. Ein paar Sekunden später ist die Pressekonferenz vorbei. Und vielleicht ist es für alle ganz gut, dass Deniz Undav nicht mehr sagen konnte, was genau er eigentlich im Kopf gehabt hat.