Der andere BlickWer Deutschkenntnisse im Freibad einfordert, ist kein Rassist. Ein gutes Zusammenleben gibt es nur mit gemeinsamer SpracheIn Halle wird einem Badchef Rassismus vorgeworfen, weil er von den Badegästen Mindestkenntnisse der deutschen Sprache einfordert. Dabei hat das mit Diskriminierung nichts zu tun.25.06.2026, 04.30 Uhr3 LeseminutenDer Templiner See in Potsdam: Eine von vielen Badestellen in Deutschland, an denen Rettungsschwimmer arbeiten.Friedrich Bungert / ImagoSie lesen einen Auszug aus dem Newsletter «Der andere Blick am Morgen», heute von Nathan Giwerzew, Redaktor NZZ Deutschland. Abonnieren Sie den Newsletter kostenlos. Nicht in Deutschland wohnhaft? Hier profitieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Manche Badeseen können selbst für erfahrene Schwimmer gefährlich sein. Das Heidebad im sachsen-anhaltischen Halle, ein geflutetes Braunkohle-Restloch, ist ein solcher Ort. Laut dem Badchef und Rettungsschwimmer Mathias Nobel hat es eine steile Uferkante, und es ist bis zu 13 Meter tief. Droht dort jemand zu ertrinken, dann kann es ihm mitunter das Leben retten, wenn er der deutschen Sprache mächtig ist und Nobels Anweisungen versteht.Nachdem es laut Nobel mehrfach vorgekommen war, dass die Gäste seine Anweisungen nicht verstanden hatten, verschärfte er die Einlassregeln: Hinein darf nur, wer über ein Mindestmass an Deutschkenntnissen verfügt. Das ist ein vernünftiger Schritt, der mit Rassismus nichts zu tun hat. Doch seither ergiesst sich ein Sturm der Entrüstung über Nobel. Nach ersten Berichten über die neuen Einlassregeln bat ihn die Stadt Halle darum, die Regel zurückzunehmen. Sie könne in der Öffentlichkeit «als ausländerfeindlich wahrgenommen» werden, so die Begründung.Zuvor hatte die linksalternative «taz» über das Heidebad getitelt: «Rassismus in Ostdeutschland». Die stramm linke Tageszeitung «Neues Deutschland» unterstellte Nobel kurzerhand fremdenfeindliche Motive. Vermutlich werde er bei der Wahl zum Landesparlament im September die AfD wählen, mutmasste sie. Und die bundesdeutsche Antidiskriminierungsstelle teilte mit, Sprachkenntnisse seien für die Einhaltung der Badeordnung gar nicht nötig; Piktogramme täten es auch.In der Schweiz gehen Badi-Betreiber noch weiterSie alle haben Nobel falsch verstanden, und man muss annehmen: ganz bewusst. Wer Sprachkenntnisse einfordert, damit sich alle Gäste an die Baderegeln halten können, diskriminiert in Wahrheit gerade nicht nach der Herkunft. In Deutschland lernt jedes Kind, dass es an tiefen Stellen ohne Schwimmnudel oder -flügel nicht schwimmen darf. Wenn es das nicht weiss und wenn nicht einmal seine Eltern die Anweisungen des Bademeisters verstehen, dann ist das ein Problem, über das man nicht einfach hinwegsehen kann. Schliesslich geht es hier um Menschenleben.Nobel ist nicht einmal besonders weit gegangen. Die Schweiz zum Beispiel kennt noch härtere Massnahmen. In Pruntrut im Kanton Jura sperrte die Gemeinde alle Gäste aus ihrer Badi aus, die nicht in der Schweiz leben, arbeiten oder Ferien machen. Damit reagierte sie auf schwierige Gäste aus dem Ausland, junge französische Männer mit nordafrikanischem Migrationshintergrund, die in der Badi Frauen belästigt und Personal angegriffen hatten.Deutsche Boulevardmedien berichteten irreführend von einem «Ausländer-Verbot». Das entsprach so nicht den Tatsachen, denn nicht alle Ausländer waren gleichermassen vom Zugangsverbot betroffen. Doch das grosse Interesse deutscher Medien an dem Thema lässt sich leicht erklären: Es ist auch in deutschen Freibädern ein Problem, dass dort manche Migranten randalieren oder Frauen belästigen.Kein «Ausländer-Verbot», aber klare RegelnVor knapp einem Jahr machte ein Freibad im südhessischen Gelnhausen Schlagzeilen, weil Syrer mehrere Mädchen am ganzen Körper berührt haben sollen. Der dortige Bürgermeister von der CDU versprach «Nulltoleranz», erklärte aber auch, bei hohen Temperaturen lägen «ja auch die Gemüter manchmal blank». Später bat er für die Formulierung um Entschuldigung.Mit den Bädern in Gelnhausen und Pruntrut verglichen, nimmt sich die Situation im Hallenser Heidebad fast schon idyllisch aus. Übergriffe, die von Migranten ausgehen, sind bislang nicht bekannt. Das könnte aber auch an den strengen Kontrollen liegen, die der Badchef Mathias Nobel nach eigenen Angaben durchsetzt. Dem Portal «Focus Online» sagte Nobel, er weise alle ab, die die Baderegeln nicht einhalten könnten oder wollten: «Es geht nicht darum, ob jemand Ausländer ist, sondern um das Benehmen.»Damit brachte er es auf den Punkt. Weder in Freibädern noch an anderen öffentlichen Orten braucht es Zugangsverbote für Migranten. Sie haben genauso das Recht, am öffentlichen Leben teilzunehmen, wie Deutsche. Für ein gelingendes Zusammenleben aber ist es das Mindeste, dass sie deutsche Sprachkenntnisse besitzen und die Bereitschaft mitbringen, sich an die Verhaltensregeln der Mehrheitsgesellschaft zu halten.Passend zum Artikel
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In Halle wird einem Badchef Rassismus vorgeworfen, weil er von den Badegästen Mindestkenntnisse der deutschen Sprache einfordert. Dabei hat das mit Diskriminierung nichts zu tun.










