PfadnavigationHomePolitikDeutschlandAus für Fregatten-Projekt„Teure Blamage“ – Dietmar Bartsch geht Boris Pistorius anStand: 17:19 UhrLesedauer: 3 MinutenVerteidigungsminister Boris Pistorius hat das Marineprojekt zum Bau von F-126-Fregatten gestoppt. Die Rheinmetall-Aktie sackte daraufhin deutlich ab. „Das ist mehr als heftig“, so Börsenexperte Daniel Saurenz im Gespräch mit Dietmar Deffner.Scharfe Kritik an Boris Pistorius: Das Aus für das Fregatten-Projekt F126 wird von der Linken angeprangert. „Fass ohne Boden ‌für die Steuerzahler“ nennt es Dietmar Bartsch.Der Linken-Haushälter Dietmar Bartsch hat das Aus für das Fregatten-Projekt F126 als „teure Blamage“ für die Industrie und das Verteidigungsministerium kritisiert. „Mindestens 2,3 Milliarden für nichts!“, sagte Bartsch der Nachrichtenagentur Reuters. Seit Jahren seien bei dem Projekt die Probleme gewachsen und die Kosten explodiert. Warnungen seien ignoriert worden. Das Verteidigungsministerium habe bis zuletzt an dem Vorhaben festgehalten, das ein „Fass ohne Boden ‌für die Steuerzahler“ sei. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) müsse eine überfällige Reform des Beschaffungswesens auf den Weg bringen.Pistorius hatte am Mittwoch das Ende des Projekts bekannt gegeben und unterrichtete am Nachmittag den Haushaltsausschuss des Bundestages. Auf Nachfrage sprach er im Ausschuss nach Angaben eines ‌Teilnehmers von bereits angefallenen Kosten in Höhe von 2,3 bis 2,5 Milliarden Euro. Aktie von Rheinmetall brach einDie Regierung begründete den Schritt mit erheblichen Verzögerungen und einer drohenden Kostenexplosion beim Bau der sechs Fregatten vom Typ F126 durch den niederländischen Generalunternehmer ‌Damen. Nun sollen insgesamt acht kleinere Fregatten vom Typ „Meko-200“ der Thyssenkrupp-Marinetochter TKMS bestellt werden. Diese begrüßte die Pläne. Konkurrent Rheinmetall dürfte nun leer ausgehen. Die TKMS-Aktien kletterten daraufhin um gut 14 Prozent, die Papiere von Rheinmetall brachen dagegen um 19 Prozent ein.Lesen Sie auchUrsprünglich sollten die sechs F126-Fregatten rund zehn Milliarden Euro kosten. Nachdem der niederländische Generalunternehmer Damen Schelde Naval Shipbuilding (DSNS) den Zeit- und Kostenrahmen nicht einhalten konnte, wurde im Ministerium ein Wechsel geprüft. Dieser hätte die Gesamtkosten jedoch auf über 18 Milliarden Euro ansteigen lassen. Zudem hätte der Bund laut Ministerium auf mögliche Schadenersatzansprüche gegenüber DSNS verzichten müssen, was das Ministerium als nicht verantwortbar abgelehnt habe. Die Beschaffung der nun geplanten acht MEKO-Fregatten soll insgesamt rund 11,6 Milliarden Euro kosten.Lesen Sie auchMit der Umstellung wolle die Regierung die der Nato zugesagten Fähigkeiten zur seegestützten U-Boot-Jagd schnellstmöglich realisieren, erklärte das Ministerium. Rheinmetall stand nach eigenen Angaben kurz vor der Unterzeichnung eines Vertrags zur Übernahme des F126-Fregattenprogramms vom niederländischen Schiffsbauer DSNS. Lesen Sie auchDie Entscheidung fällt in einen verschärften Wettbewerb zwischen Rheinmetall und TKMS im Marine-Geschäft. Beide Konzerne wollen die Werft German Naval Yards Kiel übernehmen und haben unverbindliche Angebote abgegeben. Rheinmetall will seine Marine-Kapazitäten ausbauen, während TKMS die Übernahme als „Opportunität, aber kein Muss“ bezeichnet.Nachdem sich die Hoffnungen auf einen Fregatten-Großauftrag zerschlagen haben, geht es für den einstigen Börsen-Überflieger Rheinmetall bergab. Noch im Herbst war ein Anteilsschein der Düsseldorfer Waffenschmiede gut 2000 Euro wert gewesen und damit circa 20 Mal so viel wie vor Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022. Danach aber ging es schrittweise nach unten – manch Finanzanalyst fragte sich, ob sich der Rüstungskonzern mit seinen prallvollen Auftragsbüchern in diversen Bereichen nicht übernommen hat. Nun drückte eine Nachricht aus dem hinzugekauften Schiffsbereich die Aktie weiter nach unten. Noch Anfang Oktober war der Kurs auf 2008 Euro geklettert, inzwischen sind es nur noch circa 950 Euro. Reuters/coh