PfadnavigationHomeRegionalesHamburgArtikeltyp:MeinungAus für die Fregatte F126Ein Ende mit SchreckenStand: 17:11 UhrLesedauer: 3 MinutenOlaf Preuß ist Wirtschaftsreporter in Hamburg und Kenner der norddeutschen Werften – zivil wie militärischQuelle: Bertold FabriciusDas Aus für die Fregatte F126 ist ein schwerer Rückschlag für den Konzern Rheinmetall. Insgesamt werden sich die Gewichte im deutschen Marineschiffbau dadurch verschieben.Rheinmetall hatte sich siegessicher gegeben: Voraussichtlich im Frühsommer werde man den Generalauftrag für den Bau der neuen Fregatte F126 bekommen, bekräftigte der größte deutsche Rüstungskonzern im Frühjahr immer wieder. Das niederländische Schiffbauunternehmen Damen Naval hatte in mehrjähriger Arbeit dabei versagt, das bislang größte Rüstungsprojekt der Deutschen Marine und der Bundeswehr insgesamt zu realisieren. Rheinmetall wollte den Bau der sechs auf die U-Boot-Jagd spezialisierten Fregatten als Generalunternehmer fortsetzen.Am Mittwoch wurde bekannt, dass das Bundesverteidigungsministerium den Bau der F126 beenden lässt. Ein Ende mit Schrecken, nachdem das Projekt bereits etwa vier Jahre verspätet ist und rund 2,3 Milliarden Euro Kosten verschlungen hat. Stattdessen soll nun Rheinmetall-Konkurrent TKMS acht kleinere Fregatten des Typs Meko A-200 DEU bauen und sie von 2029 an abliefern. TKMS baut die Meko-Fregatte seit Jahren für den Export und will sie auf den neuesten Stand der Technik bringen. Die Schiffe werden weniger leistungsfähig sein als die F126, doch Rheinmetall hätte frühestens 2031 liefern können – zu spät, offenbar auch aus Sicht der Deutschen Marine. Zudem kosten acht Meko A-200 DEU einige Milliarden Euro weniger als sechs F126.Lesen Sie auchIm März hatte Rheinmetall die Marinesparte NVL von Lürssen übernommen, inklusive der Hamburger Werft Blohm+Voss. Die F126 sollte das erste große Marine-Prestigeprojekt in der Regie von Rheinmetall werden. Nun steht der Sinn der gesamten NVL-Übernahme infrage. Und bei Blohm+Voss könnten Arbeitsplätze im dreistelligen Bereich verloren gehen – denn im Herzen des Hamburger Hafens sollten die sechs F126 nach den Plänen von Rheinmetall in den kommenden Jahren endausgerüstet und abgeliefert werden.TKMS gewinnt nun als führender deutscher Marinerüstungskonzern weiter an Dominanz. Auch das ist schlecht. TKMS, Weltmarktführer beim Bau nicht nuklearer U-Boote, hätte sich in einem Bipol mit einer starken Rheinmetall-Marinesparte für Überwasserschiffe ideal ergänzt. So kommt eine starke Unwucht in die deutsche Marinerüstung hinein. Den Stahlbau für die deutschen Meko-Fregatten will TKMS an Rönner in Bremerhaven vergeben. Rheinmetall hat nun zunächst keine Möglichkeit, erstmals in eigener Regie ein Großkampfschiff zu bauen. Um die Fertigung der nächsten Fregattengeneration F127 bewirbt sich Rheinmetall in einem Konsortium – gemeinsam mit TKMS.Auswirkungen dürfte das Ende der F126 auch auf die angestrebte Übernahme der Kieler Werft German Naval Yards haben – sowohl TKMS als auch Rheinmetall wollen die Großwerft übernehmen. Unmittelbaren Nutzen hätte das bislang vor allem für Rheinmetall gehabt. German Naval Yards, das derzeit dem französischen Unternehmen CMN Naval der Familie Safa gehört, war von Beginn an – noch unter Regie von Damen Naval – als Zulieferer in den Bau der F126 eingebunden. Der fast fertige Stahlbau für die erste F126 steht bereits in Kiel. Ob TKMS wiederum die direkt angrenzende Weft German Naval Yards nach einer möglichen Übernahme in den Bau der deutschen Meko-Fregatten einbinden würde, ist unklar.Lesen Sie auchKlar ist allerdings: Die Vergabe des Generalauftrags im Jahr 2020 für die F126 an Damen Naval war im Bundesverteidigungsministerium auch als ein Signal für einen stärker europäisch integrierten Marineschiffbau begrüßt worden. Das Erreichen des Ziels ist schon im vergangenen November krachend gescheitert, als Damen Naval vom Verteidigungsministerium der Generalauftrag für die Fregatten entzogen wurde.Das endgültige Aus für die F126 am Mittwoch war in dieser Hinsicht nur noch der Epilog.Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als 30 Jahren über die maritime Wirtschaft, über Schifffahrt, Häfen und Werften. Einer seiner Schwerpunkte ist norddeutsche Rüstungsindustrie.
Aus für die Fregatte F126: Ein Ende mit Schrecken - WELT
Das Aus für die Fregatte F126 ist ein schwerer Rückschlag für den Konzern Rheinmetall. Insgesamt werden sich die Gewichte im deutschen Marineschiffbau dadurch verschieben.














