PfadnavigationHomePanoramaTod von Serkan ÇalarProzess um getöteten Zugbegleiter gestartet – Mann wird nach Tumult aus Gericht verwiesenStand: 17:09 UhrLesedauer: 3 MinutenFast fünf Monate nach dem Angriff auf einen Zugbegleiter nahe Landstuhl hat in Zweibrücken das Verfahren gegen einen 26-Jährigen begonnen. Der Mann soll den Schaffner so heftig geschlagen haben, dass dieser an einer Hirnblutung verstarb. Thorsten Kremers berichtet.Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter hat der Angeklagte erstmals Bedauern geäußert. Vor dem Landgericht Zweibrücken bat der 26-Jährige die Angehörigen des Opfers um Verzeihung. Im Saal kam es zu emotionalen Reaktionen, als ein Video der Tat gezeigt wurde.Zum Auftakt des Prozesses gegen den Beschuldigten im Fall des getöteten Zugbegleiters Serkan Çalar ist es zu einem Tumult unter den Zuschauern gekommen. Als im Landgericht im westpfälzischen Zweibrücken ein Tatvideo präsentiert wurde, das zeigt, wie der Angeklagte mehrfach auf Çalar einschlägt, äußerte sich ein Zuschauer lautstark, wie Gerichtssprecherin Corinna Zellmann sagte. Justizbeamte schritten ein, die Verhandlung wurde unterbrochen. Der Mann wurde des Saales verwiesen, gegen ihn verhängte das Gericht ein Bußgeld und für die Dauer des Prozesses ein Hausverbot. Außerdem war lautes Schluchzen und Weinen im Saal zu hören. Nach Angaben der Nebenklage ist auf dem Video zu sehen, wie der Angeklagte insgesamt zwölf Mal zuschlägt.Während des ersten Prozesstags hatte der Angeklagte die Angehörigen um Verzeihung gebeten. „Aus der Tiefe meines Herzens möchte ich eine große Entschuldigung aussprechen für eine nicht zu entschuldigende Tat und einen Moment blinder Wut“, versicherte Ioanni V. durch seine Verteidigerin, die im Landgericht Zweibrücken eine entsprechende Mitteilung verlas.Es sei ihm bewusst, dass seine Worte das Geschehen nicht rückgängig machen könnten. „Ich übernehme die volle persönliche Verantwortung“, hieß es in der Mitteilung. „Auch wenn ich weiß, dass meine Worte Ihren Schmerz nicht erleichtern können, möchte ich mich noch einmal entschuldigen.“Lesen Sie auchDer Angeklagte – in weißem Hemd und dunklem Sakko, die Haare zum Dutt gebunden – gibt ruhig und kontrolliert Auskunft. Er habe Business studiert, sei einige Zeit in England gewesen und habe zuletzt in der Buchhaltung gearbeitet. Kampfsport wie Boxen habe er nie betrieben, beteuert er.Lesen Sie auchDer Vorwurf gegen den Griechen, der zuletzt in Luxemburg gemeldet war, lautet Körperverletzung mit Todesfolge. Der Anklage zufolge soll der 26-Jährige Anfang Februar den zehn Jahre älteren Zugbegleiter Serkan Çalar bei einer Fahrkartenkontrolle nahe Landstuhl mehrfach so heftig mit den Fäusten gegen den Kopf geschlagen haben, dass dieser zwei Tage später an einer Hirnblutung starb. Der Fall löste bundesweit eine Debatte über mangelnde Sicherheit im Bahnverkehr aus. „Das war für mich keine aufrichtige Entschuldigung“Der Verteidiger der Familie Çalar als Nebenklägerin reagierte auf die Einlassung des Angeklagten mit Skepsis. „Das war für mich keine aufrichtige Entschuldigung. Es war überhaupt gar keine Entschuldigung“, sagte Yalçın Tekinoğlu. Die Worte seien „komplett ichbezogen“ gewesen.„Was hier den Angehörigen helfen würde, ist, wenn der Angeklagte, und das hat er ja verweigert, Angaben zur Tat machen würde. Das ist zwar sein gutes Recht“, meinte Tekinoğlu. „Aber wenn dort eine aufrichtige Entschuldigung beabsichtigt wäre, wäre es für die Angehörigen hilfreich, wenn die Tat aufgeklärt würde. Und das hat leider der Angeklagte verweigert.“Lesen Sie auchAm Mittag sagte auch der Vater des Getöteten aus. Als ihn die Nachricht vom Tod seines Sohnes erreichte, habe er einen Herzinfarkt erlitten, schilderte Erdal Çalar. Sein Sohn habe als Alleinerziehender zwei Kinder im Alter von zehn und zwölf Jahren großgezogen. „Was sollen sie schon sagen? Sie haben ihren Vater verloren.“ Besonders bewegt schilderte er, dass die Nachricht ihn an seinem Geburtstag erreichte. „Für mich gibt es keinen Geburtstag mehr.“Tekinoğlu kritisierte zudem, dass der Angeklagte bislang keine Angaben zum eigentlichen Tatgeschehen gemacht habe. Für die Familie wäre eine Aufklärung der Tat wichtiger als eine Entschuldigung. „Das ist zwar sein gutes Recht“, sagte der Anwalt. Für die Angehörigen sei es jedoch schwer nachzuvollziehen. Insgesamt sind acht Verhandlungstage geplant. Mit einem Urteil wäre am 9. Juli zu rechnen.epd/dpa/jra/jho