«Niemand kann sagen, wie lange das noch gut geht»: Die KI-Skepsis kehrt an die Finanzmärkte zurückAm Dienstag haben die Aktienkurse von Technologieunternehmen in Asien und den USA stark verloren. Anleger müssen sich darauf einstellen, dass es volatil weitergeht.24.06.2026, 13.44 Uhr4 LeseminutenDer Chiphersteller Micron hat am Dienstag rund 13 Prozent an der Börse eingebüsst. Für Investoren hängt viel davon ab, wie sich bei dem Unternehmen die Nachfrage weiterentwickelt.Maxim Shemetov / ReutersEs braucht derzeit nicht viel, um das Vertrauen der Investoren zu erschüttern. Besonders sensibel reagieren sie auf kleinste Anzeichen von Unsicherheiten in der Technologiebranche. Vor allem in Asien und den USA haben die Börsen am Dienstag deswegen nachgegeben.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Am stärksten betroffen war Südkorea. Der Leitindex Kospi brach am Dienstag um 10 Prozent ein. Der Handel wurde für eine kurze Zeit sogar ausgesetzt. Nicht zum ersten Mal: Samsung und der Halbleiterhersteller SK Hynix haben gemeinsam einen Anteil von 45 Prozent am Kospi – jede Nachricht hat potenziell grosse Auswirkungen auf den Aktienmarkt. Am Dienstag waren es Medienberichte, wonach SK Hynix die Herstellung von Chips drosseln will, die für KI-Anwendungen genutzt werden.Die weitere Entwicklung von künstlicher Intelligenz (KI) ist mittlerweile zur alles entscheidenden Frage für viele Anleger geworden – fast mehr noch als die weitere Entwicklung im Nahen Osten. Sie fürchten, dass sich rund um KI eine Blase gebildet hat, die platzen könnte. So setzte sich der Ausverkauf der Technologietitel am Dienstag in den USA fort. Der technologielastige Nasdaq 100 verlor mehr als 3 Prozent an Wert. Die höchsten Verluste gab es bei Halbleiterunternehmen wie Micron, Intel und Applied Materials.Schweizer Börse entzieht sich der KorrekturAm Mittwoch erholte sich der Handel jedoch wieder etwas. In Südkorea holte der Kospi mit einem Plus von etwas mehr als 3 Prozent zumindest einen Teil seiner Verluste wieder auf. Die Schweizer Börse kann sich der jüngsten Korrektur bei den Tech-Aktien entziehen. Dank seiner defensiven Ausrichtung mit Titeln wie Nestlé, Roche und Novartis handelt der Leitindex SMI am Mittag 0,75 Prozent im Plus.Anleger sollten gemäss Fabienne Hockenjos, Leiterin Financial Services bei der Privatbank Rahn+Bodmer, die momentane Korrektur bei den Technologietiteln nicht isoliert betrachten, sondern in einen Kontext stellen: «Vor allem die Halbleiterunternehmen haben sich in diesem Jahr sehr gut entwickelt. Der entsprechende Index hat sich seit Januar verdoppelt», sagt sie.Fabienne Hockenjos.PD / NZZ–BildredaktionDas Interesse an Technologieaktien sei nach wie vor hoch. Laut Hockenjos würden Investoren etwa Kursrückschläge dazu nutzen, um bestimmte Aktien nachzukaufen. Sie folgen laut ihr auch nicht einfach blind einem Hype. Die Anleger würden differenziert entlang der Wertschöpfungskette für KI investieren. «Vor einem Jahr floss das meiste Geld in die globalen Cloud-Infrastrukturanbieter wie Amazon, Microsoft oder Alphabet», sagt sie.Das hat sich seit damals geändert. Während die Aktien von Amazon in diesem Jahr nur leicht im Plus liegen und die Wertpapiere von Microsoft fast einen Viertel ihres Wertes verloren haben, hat etwa der Chiphersteller Micron vor den jüngsten Verlusten seinen Aktienkurs gut verdreifacht. Damit gehören die Wertpapiere von Micron zu den renditestärksten Titeln im S&P-500-Index.Chiphersteller als GradmesserAls Risiko für die weitere Entwicklung der Technologieaktien erweist sich zudem die US-Notenbank. Unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh hat das Fed die Zinsen unverändert gelassen, selbst eine Erhöhung des Leitzinses in diesem Jahr ist nicht ausgeschlossen. Für Technologieunternehmen sind steigende Zinsen Gift. Um wachsen zu können, müssen sie Geld aufnehmen. Müssen sie dafür mehr bezahlen, können sie weniger rasch wachsen.Das ist mit ein Faktor, weshalb Anleger vorsichtig bleiben sollten. «Niemand kann sagen, wie lange das noch gut geht», sagt Hockenjos. Vor allem in den Vereinigten Staaten haben sich die Investitionen in KI zu einem grossen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Die Analysten von Lombard Odier schätzen alleine die Investitionen in KI-Infrastruktur für dieses Jahr auf rund 700 Milliarden Dollar. Das sind 2,3 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes.Bis jetzt gibt es keine Anzeichen, dass die Konzerne ihre Investitionen in dem Bereich zurückfahren. Doch die Anleger wollen dafür auch Gewinne sehen. Für Hockenjos ist daher entscheidend, wie rasch es den grossen Tech-Konzernen gelingt, ihre massiven Investitionen in KI zu Geld zu machen. So ist etwa noch unklar, wie hoch der Bedarf von Kunden an KI-Dienstleistungen in Zukunft tatsächlich sein wird und ob diese dafür bezahlen oder lieber kostenlose Modelle nutzen wollen.Ein nächster Gradmesser für die Anleger folgt bereits am Mittwoch. In den USA veröffentlicht nach Börsenschluss der Chiphersteller Micron seine Quartalszahlen. Besonders wichtig sind Aussagen zum künftigen Bedarf nach den leistungsfähigen Speicherchips von Micron, die in KI-Rechenzentren eingesetzt werden. Gibt das Unternehmen einen positiven Ausblick, könnte dies laut Analysten die Investoren beruhigen. Enttäuscht Micron, folgt möglicherweise gleich der nächste Ausverkauf.Passend zum Artikel
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