Nach der bundesweiten Störung im Bahnverkehr durch Probleme mit dem digitalen Bahnfunk fordern Politiker und Interessensverbände grundlegende Verbesserungen bei der Bahn. Unionsfraktionsvize Stephan Stracke sagte der „Rheinischen Post“: „Ich erwarte von Frau Palla, dass Lösungen gefunden werden.“ Der Vorfall zeige abermals, „wie dringend die Bahn auf Vordermann gebracht werden muss“, sagte der Verkehrsexperte. „Das gilt nicht nur für marode Schienen und Anlagen, sondern auch für die Technik, die für den Betriebsablauf wichtig ist.“ Sie müsse modern und zugleich resilient sein. „Es kann nicht sein, dass der Ausfall eines Funksystems den Schienenverkehr in ganz Deutschland lahmlegt“, hob Stracke hervor.Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach forderte von der Deutschen Bahn (DB) eine „lückenlose Aufklärung“. „Für Reisende und Beschäftigte im Schichtdienst sind solche Komplettausfälle mehr als eine Unannehmlichkeit – sie gefährden Verlässlichkeit und Vertrauen in die Schiene“, sagte der SPD-Politiker laut Mitteilung seines Ministeriums. Der Minister sagte, Bund und Bahn seien „jetzt in der Pflicht, die Störung technisch umfassend aufzuarbeiten und die Infrastruktur so zu ertüchtigen, dass sich ein solcher Totalausfall nicht wiederholt“.Der Fahrgastverband Pro Bahn hält Konsequenzen beim DB-Konzern für unausweichlich. Pro-Bahn-Ehrenvorsitzender Detlef Neuß sagte der „Rheinischen Post“: „Die Bahn muss endlich besser werden, auch technisch.“ Neuß verlangte mehr Ausfallsicherheit beim Zugfunk. „So ein Ausfall ist schon das zweite Mal passiert“, sagte er. Es könne nicht sein, dass womöglich ein Update eine derart massive Störung auslöse: „Das muss eine Selbstverständlichkeit sein.“ Auch müssten Zugführer endlich Diensthandys erhalten, forderte er.Software-Update als mögliche ProblemquelleEine deutschlandweite Störung des digitalen Bahnfunksystems GSM-R hatte bei der Deutschen Bahn am späten Dienstagabend für rund zwei Stunden Stillstand gesorgt. Gegen 0.30 Uhr fuhren die ersten Züge wieder.Nach Angaben aus Sicherheitskreisen könnte ein fehlerhaftes Software-Update die Störung verursacht haben. Hinweise auf einen Cyberangriff gebe es nicht, wie die dpa berichtet. Die Deutsche Bahn habe einen Angriff schon früh für sehr unwahrscheinlich gehalten, hieß es. Bahn-Chefin Evelyn Palla sagte der „Bild“-Zeitung, die Lage sei mit einem Notfallsystem stabilisiert worden.Um 06.30 Uhr gab das Unternehmen bekannt, dass der Bahnverkehr am Morgen wieder „reibungslos“ angelaufen sei. Es könne noch vereinzelt zu Einschränkungen kommen.Kaum Auskünfte für ReisendeViele Reisende saßen durch den Ausfall fest. Zwar wurden laut einem Bahnsprecher Taxi- und Hotelgutscheine ausgegeben – in Frankfurt am Main berichteten Menschen aber zum Beispiel, es gebe in der ganzen Stadt gar kein Hotelzimmer mehr. Und: Ein ICE nach Mannheim und Stuttgart fuhr dort nahezu ohne Passagiere los. Niemand hatte den vielen Wartenden vor der Abfahrt Bescheid gegeben. Unter anderem am Berliner Hauptbahnhof beklagten Fahrgäste, dass es keine Auskünfte gab. Aber die Bahn-Mitarbeiter seien freundlich und ansprechbar gewesen, hieß es.Menschen warten in Berlin am Hauptbahnhof nach einer bundesweiten Störung bei der Deutschen Bahn.Daniel Pilar/FAZAuch S-Bahnen, Privatbahnen und Güterverkehr betroffenVon der Störung betroffen waren nicht nur Fern- und Regionalverkehrszüge, sondern auch S-Bahnen, die von der DB betrieben werden, und Privatbahnen. In Berlin etwa war der Verkehr im gesamten S-Bahn-Netz eingestellt, ebenso in Stuttgart. In Hamburg hingegen fuhr die Hochbahn.Still stand außerdem der Güterverkehr, der vor allem abends und nachts unterwegs ist. Der Verband der privaten Güterbahnen forderte deshalb eine genaue Aufarbeitung des zweistündigen Ausfalls. Die Ursache für den Ausfall am späten Dienstagabend dürfe „nicht allein durch eine „Selbstauskunft“ der DB InfraGo als Betreiberin beantwortet werden“, sagte Verbandsgeschäftsführer Peter Westenberger der dpa. Es brauche eine bessere Überwachung und Steuerung des Schieneninfrastrukturbetriebs.