Für das Nationalteam geht es gegen Kanada um mehr als den Gruppensieg – gewinnt es nicht, drohen Reisestress und wenig ErholungDie Schweizer Fussballer absolvieren am Mittwoch das letzte WM-Vorrundenspiel. Sie spielen auch um zusätzliche Ruhe.23.06.2026, 07.47 Uhr4 LeseminutenDie Schweizer Nationalspieler würden nach dem letzten Gruppenspiel gerne nochmals länger ins Base-Camp in San Diego zurückkehren – hier fühlt sich das Team von Murat Yakin (rechts) wohl.Peter Klaunzer / KeystoneEine Weltmeisterschaft fordert die teilnehmenden Nationalteams nicht nur auf, sondern auch neben dem Fussballplatz heraus. Für die WM in den USA, Mexiko und Kanada gilt das ganz besonders. Das Megaturnier erstreckt sich über drei Länder und vier Zeitzonen, die 16 Spielorte sind teilweise Tausende Kilometer voneinander entfernt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das hat für die Fussballer unterschiedliche Anspielzeiten, erschöpfende Reisen und einen Mehraufwand für die körperliche und mentale Regeneration zur Folge. Vor diesem Hintergrund ist an dieser WM erst recht jeder erholsame Tag mehr äusserst wertvoll.Newsletter «Sport – WM-Spezial»Das Wichtigste von der Fussball-WM auf einen Blick: Unser Spezial-Newsletter liefert Ihnen Eindrücke aus Nordamerika sowie Einordnungen und Hintergründe zu den entscheidenden Entwicklungen.Jetzt kostenlos abonnierenWenn das Schweizer Nationalteam am Mittwoch in Vancouver auf Kanada (21 Uhr MESZ) trifft, so spielt es, rein sportlich betrachtet, um den Gruppensieg. Aber für die Equipe des Trainers Murat Yakin geht es im Duell mit dem Co-Gastgeber noch um mehr. Nämlich darum, ob sie sich im BC-Place-Stadion etwas zusätzliche Ruhe und Regeneration für die nächsten Tage erspielt. Oder danach Reisestress, grosse logistische Herausforderungen und eine kurze Vorbereitungszeit für den nächsten Gegner zu gewärtigen hat.Der SFV möchte zusätzliche Strapazen möglichst vermeidenDie Ausgangslage ist simpel: Beide Teams haben vier Punkte, Kanada aber das bessere Torverhältnis. Nur mit einem Sieg schliesst die Schweiz die Gruppe als Erster ab; bei einem Remis oder einer Niederlage qualifiziert sie sich als Zweiter hinter Kanada für die nächste Runde.Zwar könnte das Nationalteam theoretisch sogar noch Dritter werden, doch dafür benötigte Katar ein Fussballwunder: Die Schweiz müsste in Vancouver hoch verlieren, und der Wüstenstaat zugleich sehr hoch gegen Bosnien-Herzegowina siegen. Ziemlich unwahrscheinlich. Und auch die Bosnier können nicht mehr vorbeiziehen, selbst bei einer Schweizer Niederlage, da sie das Direktduell verloren haben.Die Kanadier werden vor dem euphorisierten Heimpublikum alles dafür tun, um Gruppenerster zu werden. Denn nur dann geht der Weg für sie auf heimischem Boden vor den eigenen Fans weiter.Sergio Affuso, Media Officer im Schweizerischen Fussballverband (SFV), sagt: «Sollten wir die Gruppe als Zweiter abschliessen, wäre das logistisch höchst anspruchsvoll.» In dem Fall müssten die Schweizer bereits vier Tage nach der Partie in Kanada zu ihrem Sechzehntelfinal antreten, nämlich am Sonntag, 28. Juni, um 12 Uhr Ortszeit im SoFi-Stadion in Los Angeles, wo die Schweiz gegen Bosnien gewonnen hat.Für den SFV-Tross wäre das mit zusätzlichen Strapazen verbunden: Spiel in Vancouver am Mittwoch, Rückkehr ins WM-Camp nach San Diego am Donnerstag. Und Aufbruch noch am gleichen oder spätestens nächsten Tag nach Los Angeles. Denn so sieht es der Weltfussballverband (Fifa) vor: Die Teams müssen jeweils zwei Tage vor Anpfiff am Spielort eintreffen.Der SFV hat sich natürlich für alle Szenarien vorbereitet. Aber es ist klar: Der dichte Reiseplan als Gruppenzweiter wäre ein Nachteil. Affuso sagt: «Wir prüfen die Option einer Ausnahmebewilligung, ob wir in diesem Fall erst einen Tag vor dem Sechzehntelfinal anreisen könnten.» Die Wege wären schliesslich kurz, von San Diego gelangt das Team mit dem Bus in weniger als zwei Stunden nach Los Angeles. So hätten die Spieler immerhin einen Tag mehr Erholung am Ort, an dem sie in den letzten drei Wochen fast ein bisschen heimisch geworden sind.Mehr Entspannung könnte den Schweizer Fussballern ironischerweise aufgrund einer Bestimmung vorenthalten bleiben, die der Weltverband eigentlich ersonnen hat, um die Gesundheit der Spieler zu schützen. So sieht die Fifa für die K.-o.-Phase des strapaziösen WM-Turniers in Nordamerika ein sogenanntes «Venue Hopping» vor: Die Teams sollen ihr Base-Camp nach der Vorrunde auflösen und sich von da an jeweils in einem von der Fifa zugewiesenen Hotel am nächsten Spielort vorbereiten. So können die Reisen der Spieler auf ein Minimum beschränkt werden. In der Theorie jedenfalls.Vom «Venue Hopping» ausgenommen sind nur Teams, die während der ganzen Turnierdauer im gleichen Base-Camp bleiben. So wie es etwa das deutsche Nationalteam handhabt. Es residiert bis zum Ausscheiden in Winston-Salem und reist mit Charterflügen an die jeweiligen Spielorte. Das ist jedoch mit hohen Kosten verbunden. Für das Schweizer Nationalteam kam diese Option «aus finanziellen Gründen» nicht infrage, wie Affuso sagt.Auch der Schweizer Achtelfinal fände in Vancouver stattSollten die Schweizer Gruppenzweiter werden, wird es für sie also nervenaufreibend. Insbesondere für die Staff-Mitglieder um den Materialwart Roger Kaspar sowie die medizinische Abteilung.Mehr als sieben Tonnen Material haben sie von der Schweiz ins Base-Camp nach San Diego mitgebracht. Trikots, Trainingsutensilien, Bälle. Der Plotter für die Beflockung der Match-Shirts, Physio-Liegen und -Equipment. Drohnen, mobile Kameras und weitere Geräte für die Videoanalyse sowie diverse Materialien zur medizinischen Rundumbetreuung der Nationalspieler. All das müssten Kaspar und seine Mitarbeitenden innert kürzester Zeit demontieren und verstauen. Und kurz darauf in Los Angeles wieder einrichten.Für die Spieler würde dieses Szenario primär mehr Reisestress bedeuten. Und damit verbunden weniger Zeit für die Regeneration und die Spielvorbereitung.Deshalb ist ein Sieg am Mittwoch doppelt wichtig. Dann absolvieren die Schweizer Fussballer ihre nächste Partie erst acht Tage nach dem letzten Gruppenspiel, und zwar wiederum in der Metropole im Südwesten Kanadas. Die Equipe könnte noch einmal nach San Diego zurückkehren, dort in Ruhe regenerieren, sich in der gewohnten Umgebung auf den Gegner vorbereiten und zwei Tage vor dem Anpfiff zurück nach Kanada reisen. Und im Fall eines Sieges dann gleich in Vancouver bleiben. Denn dort fände auch der Schweizer Achtelfinal statt.Aber zuerst muss das Nationalteam jetzt Kanada schlagen.Passend zum Artikel