Den Ton setzte bei diesem Spiel der Stadion-DJ. Als finaler Song vor dem offiziellen Prozedere zum Anpfiff hallte „Life is a Highway“ durch den BC Place von Vancouver. In Kanada ist das eine überaus beliebte Roadtrip-Hymne, die von der Unberechenbarkeit des Lebens handelt. Was wunderbar zu diesem dritten Gruppenspiel zwischen Kanada und der Schweiz passte, einem echten Highway-oder-nicht-Spiel. Der Spielplan der Fifa nämlich besagt: Der Sieger der Gruppe B bleibt auch für die kommenden zwei Spielrunden in Vancouver, der Verlierer muss in die USA reisen.Nun war die gute Nachricht, dass sich beide Teams bereits für das Sechzehntelfinale qualifiziert hatten, dank vier Punkten aus den ersten beiden Spielen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, wie die Statistiker informierten. Es ging mit anderen Worten um den Gruppensieg, in Vancouver, dessen sportliche Konsequenzen auch nur teilweise relevant waren: Im weiterhin völlig offenen WM-System mit unsicheren Gruppendritten gab es vor Anpfiff noch 495 mögliche Spielkombinationen. Aber inmitten dieser ganzen sportlichen Unsicherheit reifte für das kanadische Team und sein Heimpublikum im Lauf der Partie eine logistische Gewissheit: Das Leben ist ein Highway. Den Gruppensieg sicherte sich mit einem 2:1-Sieg die Schweiz, Kanada wird sich auf den Weg zu seinem großen Nachbarn machen müssen. Dritter der Gruppe B mit guten Chancen aufs Sechzehntelfinale ist nach einem 3:1 gegen Katar die Mannschaft von Bosnien-Herzegowina.Das Publikum in Vancouver wird sich ab sofort mit dem Sound der vereinzelten Kuhglocken vertraut machen müssen, die schon am Mittwoch durch den BC Place hallten. Die Schweizer Anhängerschaft passte mit ihren roten Trikots hervorragend ins durchgehend rote Stadionbild. Aber fußballerisch machte sie sich nicht allzu beliebt in Kanada.Eine kontrollierte Vorstellung gelang der Mannschaft von Trainer Murat Yakin in der ersten Halbzeit, die zwischendurch immer mal wieder in Gefahr geriet, als Nichtangriffspakt durchzugehen: Beiden Teams fehlte der entscheidende Zug zum Tor, die letzte Konsequenz im Kampf um einen Verbleib in Vancouver war nicht immer zu sehen. Die beste Chance hatte in der elften Minute Breel Embolo, dessen Abschluss Kanadas Torhüter Maxime Crépeau allerdings genauso parierte wie den Nachschuss von Johan Manzambi. Den einzigen wirklich kämpferischen Akzent setzte Granit Xhaka, der einen Freistoß ausführen wollte und dabei von Cyle Larin gestört wurde. Xhaka trat nicht gegen den Ball, sondern gegen Larins Schienbein, beide bekamen gelbe Karten und konnten ihre sehr dezenten Angriffe fortsetzen. Zumindest bis zur Halbzeit.Weltmeisterschaft in Mexiko, Kanada und den USA:Spielplan der Fußball-WM 2026: Alle Gruppen, Spiele und TermineDie Fußball-WM 2026 läuft, der letzte Gruppenspieltag steht an. Welche Entscheidungen sind bereits gefallen? Der Spielplan mit allen Spielen, Terminen und Gruppen.Manzambi rechtfertigt seine Startelf-NominierungEs wird Aufklärung brauchen, was genau die Schweizer in der Halbzeitpause motivierte, womöglich hatten sich die Flugpreise nach Los Angeles noch einmal erhöht. Jedenfalls: Mit viel Energie kamen sie aus der Halbzeitpause und setzten den ersten Akzent. In der 46. Minute spielte Manzambi sich auf der rechten Seite frei und legte für den mitgelaufenen Ruben Vargas in der Mitte vor, der zum 1:0 traf. Elf Minuten später bekam wiederum Manzambi die Vorlage von Embolo: Der Freiburger Offensivspieler traf zum 2:0 und rechtfertigte damit seine Startelf-Nominierung nach einem Joker-Einsatz samt Tor gegen Bosnien-Herzegowina.Unter dem geschlossenen Dach des BC Place kehrte mit dem 2:0 eine beachtliche Ruhe ein: Wie auf einer gemütlichen Schweizer Weide waren zwischenzeitlich nur die Kuhglocken zu hören. Doch gerade als das kanadische Publikum dabei war, sich mit dem Abschied seiner Heim-Mannschaft abzufinden, kam mit der Trinkpause der Wandel.Kanadas Trainer Jesse Marsch brachte in der 75. Minute nicht etwa Alphonso Davies, der weiterhin auf seinen ersten WM-Einsatz warten muss, sondern den Stürmer Promise David. Der brauchte keine Minute, um das Stadion aufzuwecken: Nach einer Flanke von Nathan Saliba flog David im Strafraum heran und traf zum 2:1, das die Kanadier noch einmal hoffen ließ. Eine Flanke nach der anderen flog nun in das letzte Drittel der Schweizer, die schon zum WM-Auftakt einen späten Gegentreffer kassiert hatten. Kanada hingegen entfachte noch einmal die offensive Energie, die das Team schon gegen Katar gezeigt hatte: In der Nachspielzeit kamen die Kanadier zu mehreren Torgelegenheiten, scheiterten allerdings an Torwart Gregor Kobel.Mit einer wilden Schlussoffensive also verabschiedeten sie sich von ihrem frisch euphorisierten Heimpublikum, das die erstmalige Reise Kanadas in der K.-o.-Runde nun aus der Distanz verfolgen muss. Den Schlusspunkt setzte wieder der Stadion-DJ: Bei Kanadas Ehrenrunde nach dem Spiel lief „Everywhere“ von Fleetwood Mac mit der passenden Zeile: „Ich möchte überall mit dir zusammen sein.“
WM 2026: Manzambi trifft, Schweiz schlägt Kanada und wird Gruppenerster
Die Schweiz sichert sich mit einem etwas schmeichelhaften 2:1 gegen Co-Gastgeber Kanada den Gruppensieg.










