In Katar kommt es zu einer Explosion an einer Gasanlage: 13 Personen sind tot, Dutzende verletzt, die Regierung spricht von einem «technischen Unfall»Die Anlage von Ras Laffan ist eine der weltweit grössten Produktionsanlagen für Flüssiggas. Seit einem iranischen Luftangriff im März sind Teile ausser Betrieb. Nun verursacht eine Explosion weitere Probleme.23.06.2026, 12.19 Uhr3 LeseminutenDer katarische Energieminister und Geschäftsführer von Qatar Energy, Saad Sherida al-Kaabi, informiert am Montag über die Explosion in Ras Laffan.ImagoAm Sonntagabend stieg über dem Industriekomplex von Ras Laffan in Katar ein riesiger Feuerball auf. Videos in den sozialen Netzwerken dokumentieren den Lärm, und Bilder zeigen, wie sich der Himmel über Ras Laffan orange färbt. Die Explosion war bis ins 80 Kilometer entfernte Zentrum von Doha zu spüren und löste einen grossen Brand aus – mit tragischen Folgen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Laut Angaben der katarischen Behörden sind bei der Explosion 13 Personen ums Leben gekommen, 66 weitere wurden verletzt. Bei den Todesopfern handelt es sich um Gastarbeiter aus Indien und Pakistan. Die Verletzten stammen laut Angaben der Behörden aus Katar, Indien, Pakistan, Bangladesh, Kenya, Ghana, Tansania, Nepal und Nigeria. Keine der verletzten Personen schwebe in Lebensgefahr, hiess es. Insbesondere Arbeiter aus Indien bilden in Katar die grösste Gruppe von Gastarbeitern. Meist arbeiten sie zu prekären Bedingungen.Der Industriekomplex von Ras Laffan in Katar wird von der staatlichen Ölfirma Qatar Energy betrieben und ist eine der grössten Produktionsanlagen für verflüssigtes Erdgas (LNG) weltweit. Vor dem Krieg zwischen Iran und den USA exportierte kein anderer Hafen derart viel Flüssiggas. Die Anlage ist zentral für die globale Versorgung mit diesem Gas. Katar ist nach den USA der zweitgrösste LNG-Produzent.Laut ersten Informationen ist es am späten Sonntagabend an einer Anlage zu einer Explosion und einem Grossbrand gekommen. Auch Satellitendaten bestätigten dieses Bild. Die Anlage versorgt lokale Unternehmen mit Gas und wird von der Firma Barzan Gas betrieben, die zu Qatar Energy gehört. Der katarische Energieminister Saad Sherida al-Kaabi sprach von einem «technischen Unfall», der weiter untersucht werde. Er betonte, es handle sich bei dem Vorfall weder um Sabotage noch um einen feindlichen Angriff. Auch bestehe nach ersten Erkenntnissen keine Gefahr für die Umwelt. Saad Sherida al-Kaabi ist als Energieminister gleichzeitig der Geschäftsführer von Qatar Energy.Ein iranischer Angriff beschädigte die Anlage schwerDie beschädigte Anlage war erst vor wenigen Tagen nach umfangreichen Wartungsarbeiten wieder in Betrieb genommen worden. Die Behörden vermuten, dass die Inbetriebnahme eine Störung ausgelöst hat. Wann die Anlage wieder funktionsfähig ist, ist unklar. Und: Es ist längst nicht das einzige Problem in Ras Laffan.Zu Beginn des Krieges zwischen Iran, Israel und den USA mussten zahlreiche Golfstaaten ihre Gas- und Ölproduktion herunterfahren. Katar selbst ist in den vergangenen Monaten wiederholt Ziel iranischer Raketen- und Drohnenangriffe geworden. Im März waren bei einem Luftangriff erhebliche Schäden an einer LNG-Anlage entstanden. Nach einem ersten Angriff im März hiess es, es dauere vier Wochen bis zu einem Neustart der Produktion. Nach einem weiteren Angriff sagte Saad Sherida al-Kaabi Mitte März der Nachrichtenagentur Reuters, die Reparatur dürfte drei bis fünf Jahre dauern. Die Angriffe haben die Exportfähigkeit der Anlage langfristig um rund 17 Prozent reduziert.Bei den Angriffen von Mitte März war auch ein Komplex von Shell getroffen worden. Das Unternehmen teilte mit, es rechne mit einer Reparaturzeit von einem Jahr. Erst dann könne in Ras Laffan wieder Flüssiggas hergestellt werden.Laut dem katarischen Energieminister hat die Explosion vom Sonntag die LNG-Anlagen für den Export nicht weiter beschädigt. Die neusten Schäden werden dementsprechend keine neuen Konsequenzen für die Exportfähigkeit des Hafens haben. Zwar ist wegen des Kriegs zwischen Iran und Israel die Strasse von Hormuz ohnehin schwer passierbar. Doch just in den vergangenen Tagen einigten sich Iran und die USA erst auf einen Waffenstillstand und dann auf eine Roadmap für Verhandlungen. Dies auch mit dem Ziel, die Strasse von Hormuz für den Schiffsverkehr öffnen zu können. Am Dienstagmorgen passierten erste Tanker die Meerenge.Passend zum Artikel