Kritik an ETF und Indexfonds: SpaceX-Börsengang und starke Tech-Konzentration von Börsenindizes polarisierenIm Welt-Aktienbarometer MSCI World oder dem US-Index S&P 500 hat eine kleine Zahl an Technologieaktien ein hohes Gewicht. Beobachter warnen vor Kursverlusten. Was Anleger tun sollten.23.06.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenDie Aktien des Chipherstellers Nvidia sind im Welt-Aktienindex MSCI World sehr hoch gewichtet. Im Bild der Nvidia-Stand auf der Messe China International Supply Chain Expo (CISCE) im Juni in Peking.Florence Lo / ReutersExchange-Traded Funds (ETF) und Indexfonds gelten beim Vermögensaufbau von Sparern und Kleininvestoren als Königsweg. Solche Geldanlagen bilden gängige Marktindizes wie den SMI, den DAX oder den MSCI World ab und ermöglichen Anlegern einen einfachen und günstigen Zugang zum Aktienmarkt. Zudem streuen Anleger mit ihnen die Risiken bei der Geldanlage auf mehrere Titel, was die Verlustrisiken reduziert.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In den vergangenen Jahren haben Investoren mit marktgewichteten ETF und Indexfonds besonders gut verdient. Solche Anlageprodukte setzen auf Börsenindizes, die Unternehmen nach ihrem Börsenwert gewichten. So hat beispielsweise der Welt-Aktienindex MSCI World in Dollar gerechnet in den vergangenen drei Jahren per Ende Mai um 22,4 Prozent pro Jahr an Wert gewonnen. Das amerikanische Standardwerte-Barometer S&P 500 legte im selben Zeitraum um 22 Prozent pro Jahr zu.Trotzdem stehen solche marktgewichteten ETF und Indexfonds nun massiv in der Kritik. Beobachter fürchten, dass am Aktienmarkt eine Blase platzen und dass Anleger dann besonders hohe Verluste einfahren könnten.US-Technologieaktien mit hohem GewichtSie sehen die hohe Gewichtung von US-Technologietiteln in den Indizes als grosses Risiko. Damit sind insbesondere die sogenannten «glorreichen Sieben», bestehend aus Apple, Amazon, der Google-Mutter Alphabet, Microsoft, Nvidia, der Facebook-Mutter Meta und Tesla, gemeint. «Im Moment sind ETF brandgefährlich. Wir haben einen extrem konzentrierten Markt», sagte etwa Georg von Wyss Ende der vergangenen Woche am Finanzmarkt-Roundtable der NZZ.Per Ende Mai hatte etwa Nvidia einen Anteil von 5,6 Prozent an dem Welt-Aktienindex, Apple kam auf 5,1 Prozent und Microsoft auf 3,5 Prozent. Zusammengerechnet kamen Technologietitel auf ein Gewicht von knapp 31 Prozent am MSCI World.Börsengang von SpaceX macht Beobachtern SorgenAuch der jüngste Börsengang von SpaceX, der Weltraum- und Satellitenfirma aus dem Imperium des Unternehmers Elon Musk, hat zuletzt für Kritik gesorgt.Diese entzündet sich daran, dass Indexanbieter die SpaceX-Titel nun rascher in ihre Barometer aufnehmen als früher. Christof Reichmuth, unbeschränkt haftender Gesellschafter der Bank Reichmuth in Luzern, hält die neue «Fast-Entry-Regel» des Nasdaq-100-Indexes in diesem Zusammenhang für besonders bemerkenswert.Er weist darauf hin, dass Unternehmen seit Mai dieses Jahres bereits 15 Handelstage nach dem Börsengang in den Index aufgenommen werden können, wenn ihre Marktkapitalisierung und ihr tägliches Handelsvolumen gross genug sind. Auch andere Indexanbieter haben bekanntgegeben, ihre Regelwerke zu lockern, damit die SpaceX-Aktien rascher in ihre Barometer aufgenommen werden können.Laut Reichmuth kann ein Mega-Börsengang so innerhalb kürzester Zeit Milliarden an erzwungenen Käufen durch ETF, Pensionskassen und Indexfonds auslösen. Frühinvestoren und Gründer würden so «einen strukturell begünstigten Verkaufskanal» erhalten, während Anleger in Indexfonds und ETF faktisch verpflichtet würden, die Aktien von extrem hoch bewerteten Unternehmen wie SpaceX zu kaufen. Dies könne Finanzblasen verstärken und schaffen. Zudem fliesse immer mehr Kapital in wenige Titel.Durch die Entwicklung könnte laut Reichmuth ein Stresstest auf das passive Anlagemodell – also das Investieren in ETF und Indexfonds – zukommen. Starke Verluste bei den Aktien der US-Technologieunternehmen hätten auch erhebliche Folgen für Kleinanleger und Pensionskassen.Das passive Investieren mittels ETF und Indexfonds entwickle sich zunehmend zu einem System, das selbst Marktpreise beeinflusse und zum Risiko geworden sei, sagt der Bankier.ETF und Indexfonds differenziert betrachtenAndere Beobachter halten eine pauschale Kritik am passiven Investieren hingegen für nicht gerechtfertigt. Ueli Mettler, Partner beim Pensionskassen-Beratungsunternehmen C-Alm, weist darauf hin, dass es viele Arten von ETF und Indexfonds gibt – nicht nur solche, die Unternehmen nach ihrem Börsenwert gewichten.Dazu gehören beispielsweise ETF und Indexfonds, die nach dem Value-Ansatz anlegen, die Dividenden- oder Quality-Strategien verfolgen, oder Nachhaltigkeits-ETF. Im Kommen sind auch Produkte, die auf gleichgewichtete Börsenindizes setzen. In solchen Barometern haben alle enthaltenen Aktien die exakt gleiche prozentuale Gewichtung.«Es gibt eine enorme Vielfalt an Indizes», sagt Mettler. Die von den Beobachtern geäusserte Kritik beziehe sich indessen auf die Marktgewichtung als Gewichtungsansatz. «Diese ist allerdings alles andere als neu», sagt Mettler. Als Beispiel nennt er hier die Kritik am Swiss-Market-Index (SMI), in dem die drei Titel Roche, Novartis und Nestlé zusammen rund 48 Prozent der Gewichtung ausmachen.Oft komme die Kritik von Vertretern des aktiven Managements, sagt Mettler. Das Geschäftsmodell ihrer Unternehmen besteht darin, für Anlagefonds die Titel selbst auszusuchen. Da dadurch höhere Kosten, unter anderem für das Fondsmanagement, entstehen, haben solche Produkte in der Regel deutlich höhere Gebühren als ETF und Indexfonds. Gerade für längerfristig orientierte Anleger drücken diese Kosten erheblich auf die Nettorendite.«Zudem zeigt eine Vielzahl an wissenschaftlichen Studien, dass es aktiven Managern auf längere Sicht nicht gelingt, ihre Vergleichsindizes zu schlagen», sagt Mettler. Dies gelte auch für die vielgeschmähten marktgewichteten Börsenindizes.In einem hätten die Kritiker des passiven Investierens indessen nicht unrecht: Wenn alle Anleger der Marktkapitalisierung folgen und in marktgewichteten ETF und Indexfonds anlegen würden, gebe es im Markt keine Informationsverarbeitung mehr, sagt Mettler. Dies sei aber ein theoretisches Konstrukt. Allein die Vielfalt an Indizes und der Wettbewerb unter den Anbietern führten dazu, dass sich Anleger unterschiedlich verhalten und es so zu einem Ausgleich komme. Ausserdem seien weiterhin viele Gelder in aktiven Anlagestrategien investiert.Wie Anleger auf die Konzentration reagieren könnenLaut Vertretern des aktiven Managements zahlt sich dieses vor allem in Märkten mit fallenden Kursen aus. Aktive Fondsmanager könnten in schwierigen Marktphasen Verluste begrenzen.Der Finanzexperte und Buchautor Patrick Eugster glaubt indessen nicht, dass aktiv verwaltete Fonds die Lösung für das Problem des hohen Gewichts von US-Technologietiteln im MSCI World oder dem S&P 500 sind. Die Kosten von aktiven Fonds schmälerten auf Dauer die Rendite zu stark, sagt er.Er empfiehlt Anlegern in marktgewichteten ETF und Indexfonds, die Konzentration in einzelnen Titeln durch den Kauf von Produkten, die auf andere Regionen und Branchen setzen, abzumildern. So könne man beispielsweise neben Produkten auf den MSCI World oder den S&P 500 auch auf ETF und Indexfonds auf SMI, Swiss-Performance-Index (SPI) oder den SMIM setzen. Letzterer Index bildet die Entwicklung der Aktien von mittelgrossen Schweizer Unternehmen ab. Auch Produkte auf europäische Indizes sind eine Variante.Als Beimischung seien auch ETF auf Value- oder Dividenden-Indizes oder gleichgewichtete ETF eine Variante, sagt Eugster. Gleichgewichtete ETF haben indessen etwas höhere Gebühren als marktgewichtete Produkte.Passend zum Artikel
Kritik an ETF und Indexfonds: Boom bei Technologieaktien und SpaceX-Börsengang polarisieren
Im Welt-Aktienbarometer MSCI World oder dem US-Index S&P 500 hat eine kleine Zahl an Technologieaktien ein hohes Gewicht. Beobachter warnen vor Kursverlusten. Was Anleger tun sollten.
Index-ETF konzentrieren 31% des MSCI World in sieben Tech-Titeln (Nvidia 5,6%, Apple 5,1%, Microsoft 3,5%), was Blasenrisiken schafft. SpaceX Fast-Entry-Regeln erzwingen Milliarden-Käufe und destabilisieren passive Anlagemodelle für Kleinanleger und Pensionskassen.








