Große Teile Europas leiden unter einer Hitzewelle, die die Temperaturen tagsüber weit über 30 Grad treibt und nachts selten unter 20 Grad sinken lässt. In Teilen Deutschlands warnt der Deutsche Wetterdienst am Montag vor einer extremen Wärmebelastung. Man solle die Hitze vermeiden und Innenräume kühl halten. Doch gerade für Bewohner von Wohnungen in höheren Stockwerken ist dies ohne die entsprechende technische Ausstattung kaum möglich. Um diesen Umständen zu begegnen, blicken viele Eigentümer zunehmend nicht nur auf klassische Klimaanlagen, sondern auch auf Wärmepumpen.Die Geräte wurden in den vergangenen Jahren immer wieder als Lösung für energetisch effizientes Heizen im Winter angepriesen. Doch kann sie auch im Hochsommer das Haus kühlen?Diese Frage, stellen sich immer mehr Deutsche. Wenn das Thermometer Richtung 35 Grad klettert, häufen sich bei Installateuren wie Alexander Stamos die Anfragen nach Kühlung. „Das kann ich mittlerweile schon fast am Klingelton hören“, scherzt der Heizungsbaumeister und Chef eines 50-Mitarbeiter-Betriebs aus Grevenbroich. „Sobald es heiß wird, will wieder einer wissen, ob er mit einer Wärmepumpe denn auch kühlen könnte.“ Die Antwort klinge wie in den alten Ostblock-Witzen mit Radio Eriwan: „Im Prinzip schon. Aber es kommt darauf an.“Erstmals mehr Wärmepumpen als GasheizungenDie Grundvoraussetzung für kühlere Wohnräume schaffen sich gerade viele Haus- und Wohnungsbesitzer indirekt: Die Wärmepumpe wird in Deutschland immer beliebter. 2025 wurden fast 300.000 der Geräte verkauft, ein Plus von über 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Neubau ist die Wärmepumpe schon länger die dominante Heizungsform, inzwischen dominiert sie auch den Altbau: 80 Prozent der 300.000 neuen Geräte 2025 gingen in den Bestand, wo sie meist eine Öl- oder Gasheizung ersetzen.Grundsätzlich können Wärmepumpen ihren Kältekreis umkehren und somit im Sommer auch kühlen. Doch nicht jede Pumpe ist dafür gleich gut geeignet. Der Teufel steckt mitunter im Detail. Am einfachsten ist das Kühlen mit Erdwärmepumpen. Die holen im Winter mittels tiefer Bohrungen Umweltenergie zum Heizen aus dem Erdreich oder dem Grundwasser. Dort herrschen ganzjährig konstante Temperaturen von zehn bis zwölf Grad Celsius. Während die Erdwärmepumpe im Winter diese Umweltwärme auf 35 bis 55 Grad anheben muss, damit die Temperatur für das Beheizen von Wohnhäusern ausreicht, zirkuliert im Sommer lediglich die natürliche Kühle aus der Tiefe im Heiz-Kreislauf des Hauses.Wärmepumpe im Altbau Der Wärmepumpen-Revoluzzer aus Berlin ist am Ziel Zwei Jahre kämpfte ein Chemiker gegen überteuerte Wärmepumpen. Ein Lehrstück über Oligopole, falsche Stammtischweisheiten und fehlgeleitete staatliche Förderung. von Stefan HajekNur die Umwälzpumpen der Heizung arbeiten dann und verbrauchen eine recht überschaubare Menge Strom. Der Kompressor der Wärmepumpe selbst bleibt aus. Das Verfahren wird deshalb auch als „passives Kühlen“ bezeichnet. „Das passive Kühlen ist sehr energiesparend und mit Blick auf die Betriebskosten die günstigste Kühl-Variante“, erklärt Joel Grieshaber, gelernter Heizungsinstallateur und Ingenieur für Gebäudetechnik beim Fachverband BWP.Allerdings sind Erdwärmepumpen in der Anschaffung teuer, nicht zuletzt wegen der nötigen Bohrarbeiten. In Deutschland herrschen daher mit mehr als 90 Prozent Marktanteil Luft-Wasser-Wärmepumpen vor: Bei dieser Bauform entzieht das Kältemittel der Anlage der Außenluft über Ventilatoren Umweltenergie. Denn selbst bei Minusgraden ist noch ausreichend Wärmeenergie in der Luft vorhanden, die sich so zum Heizen nutzen lässt. „Bei Temperaturen über dem absoluten Nullpunkt (minus 273 Grad) ist immer Energie im System“, sagt Grieshaber.Mit der Kraft der ThermodynamikDer Kompressor in der Wärmepumpe presst das Kältemittel extrem zusammen. Dabei erwärmt es sich stark. Das nunmehr heiße Kältemittel wird ins Haus geführt, wo es über einen Wärmetauscher die draußen aufgenommene Energie an den Heizkreislauf der Zentralheizung abgibt. Daher Luft-Wasser-Wärmepumpe. Über eine Fußbodenheizung oder klassische Heizkörper gelangt die Wärme dann, wie bei jeder anderen Zentralheizung, an die Raumluft.Das Kältemittel wird über ein Expansionsventil wieder ausgedehnt. Dabei kühlt es stark ab und kann draußen erneut Umweltenergie aus der Luft ziehen. Damit der Kreislauf funktioniert, braucht der Verdichter der Wärmepumpe natürlich Strom. Je größer der Unterschied zwischen Wunschtemperatur innen und Winterluft draußen, und je schlechter die Dämmung des Hauses, desto mehr.Dahinter steckt das physikalische Prinzip der Thermodynamik: Gase, die man unter Druck setzt, werden heiß. Dehnen sie sich wieder aus – wie im Expansionsventil der Wärmepumpe –, kühlen sie ab. Das Kältemittel einer guten Wärmepumpe ist so beschaffen, dass es draußen möglichst viel Umweltenergie aufnehmen kann und sich stark genug komprimieren lässt, damit die Zentralheizung innen warm wird.Kühlen mit dem Wasserkreislauf: Vorsicht, KondesatGrundsätzlich, sagt Marek Miara, Ingenieur für Heiztechnik beim Fraunhofer Institut in Freiburg, lasse sich die Funktionsweise der Wärmepumpe einfach umdrehen: Im Sommer kann dieselbe Wärmepumpe, die im Winter heizt, auch kühlen. Ein paar kleine technische Voraussetzungen müssten dazu erfüllt sein. „Ein Vierwege-Ventil etwa ist Pflicht, damit man den Kreislauf im Sommer umkehren kann, aber bei weit über 90 Prozent der heutigen Luft-Wasser-Wärmepumpen auf dem Markt ist das verbaut“, erklärt Miara.Erneuerbare Energien „Wir müssen fest­stellen: Der Patient droht, auf dem OP-Tisch zu sterben“ Die grüne Transformation der Industrie steht auf der Kippe. In vielen Betrieben wachsen ­Zweifel – wieder hoffen sie auf den Steuerzahler. von Florian Güßgen und Clara ThierWird die Richtung der Luft-Wasser-Pumpe umgedreht, fließt gekühltes Wasser im Heizkörper oder der Fußbodenheizung. Wenn es kälter als die Raumluft ist, kann es dem Haus ungewünschte Wärmeenergie entziehen und sie über einen Wärmetauscher nach draußen abgeben – nichts anderes macht ein Kühl- oder ein Gefrierschrank.Soweit die physikalische Theorie. In der Praxis gibt es ein paar Fallstricke: „Ohne spezielle Zusatzgeräte sollte man mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe seine Räume nicht allzu weit kühlen“, sagt Heizungsmeister Stamos. „Sonst kann sich an den Heizkörpern, auf den Böden über der Fußbodenheizung oder schlimmstenfalls in den Wänden Kondenswasser bilden.“Schimmelrisiko WärmepumpeFabian Schulz erinnert sich ungern an eine Ferienwohnung im Sommer 2024 in der Nähe von Wien, in der sich jeden Morgen ein Wasserfilm auf den Böden bildete – und auf dem Schulz am ersten Tag prompt ausrutschte. Damals konnte er sich das Phänomen nicht erklären; inzwischen weiß er: „Der Airbnb-Vermieter hatte seine Wärmepumpe viel zu kalt eingestellt.“Während auf einem Fliesenboden dann nur Rutschgefahr besteht, könnte ständige Kondenswasserbildung an und um Heizungsrohre in den Wänden zu Schimmel führen. Schuld ist wieder die Physik: Warme Luft kann weitaus mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte. Kühlt die Wärmepumpe einen Raum unter den Taupunkt, der wiederum von Temperatur und Luftfeuchte im Zimmer abhängt, kondensiert die in der Luft gespeicherte Luftfeuchte aus und lagert sich an den kühlsten Flächen des Raums ab. Im Fall der niederösterreichischen Ferienwohnung war das der Boden über der Fußbodenheizung – oder in dem Fall: Fußbodenkühlung.Es gibt kleine Geräte wie Taupunktwächter, die theoretisch solche Unannehmlichkeiten verhindern. Sie funktionieren aber nur, wenn sie exakt an den kühlsten Ecken des Raums verbaut und korrekt kalibriert sind. „Die Taupunktberechnung selbst ist recht komplex, man muss dazu zum Beispiel die relative Luftfeuchte im Raum genau ermitteln“, sagt Ingenieur Miara. „Aber als Faustregel gilt, dass man das Wasser im Heizkreislauf nicht auf unter 18 Grad Celsius kühlen sollte.“Die Heizleistung reicht nicht zum starken KühlenDas wiederum schränkt die Kühlleistung einer Wärmepumpe dann in der Praxis erheblich ein. „Denn die Leistung der Wärmepumpe und der Heizkörper oder Fußbodenheizungen sind in der Regel auf das Heizen im Winter ausgelegt“, sagt Joel Grieshaber. „Für starkes Kühlen im Sommer sind sie damit meist zu gering dimensioniert.“Das liegt an den unterschiedlichen Temperaturgefällen beim Heizen und beim Kühlen: Während im Winter das Delta zwischen ungeheizter Raumluft (beispielsweise zehn Grad) und der Vorlauftemperatur der Heizung (35, 40 Grad oder mehr) schnell 30 Grad und mehr beträgt, liegt das Temperaturgefälle beim Kühlen mit 18 Grad kühlem Heizwasser im Sommer gegenüber einem 28 Grad warmen, stickigen Schlafzimmer nur bei 10 Grad. „Für ein effektives Kühlen mit so wenig Temperaturdifferenz sind die meisten Heizkörper zu klein“, sagt Gebäudetechnikingenieur Grieshaber.Deswegen sprechen Experten bei dieser Art der Wärmepumpennutzung auch nicht von „Klimaanlage“ oder „Kühlen“, sondern nur von „Ankühlen“ oder „Antemperieren“. „Kühlen nach der Norm bedeutet: Wenn ich 19 Grad an der Klimaanlage einstelle, muss der Raum auch irgendwann 19 Grad haben. Das geht mit einer umgedrehten Luft-Wasser-Wärmepumpe in aller Regel nicht“, sagt Grieshaber. Ein weiterer, zumindest subjektiver, Nachteil ergibt sich, wenn die Luft-Wasser-Wärmepumpe mit einer Fußbodenheizung betrieben wird: „Viele unserer Kunden empfinden es als unangenehm, wenn die Kühle im Sommer von unten kommt“, sagt Heizungsunternehmer Stamos.Heizung In Deutschland ist die Wärmepumpe doppelt so teuer Im Streit um die Stromsteuer steht die Wärmepumpenförderung zur Disposition. So verheerend eine pauschale Senkung wäre: Eine Anpassung ergibt Sinn, wie der Blick ins Ausland zeigt. von Stefan HajekKleine Zusatzelemente mit großer WirkungWer neu baut oder kernsaniert und seine Heizung ohnehin auf Flächenheizungen wie Fußboden- oder Wandheizungen umbaut, „sollte zumindest in den wichtigsten Räumen zusätzliche Deckenelemente einbauen“, rät Stamos. Das sind Bauplatten mit integrierten wasserführenden Heizungsröhrchen, ähnlich wie man sie auch für Fußboden- oder Wandheizungen verwendet. Ihr Einbau ist meist einfach, da in den Deckenelementen dasselbe Wasser zirkuliert wie im Rest der Heizung. „Im Winter im Heizbetrieb kann man einfach die Ventile der Deckenelemente zudrehen, wenn man keine Wärme von oben möchte“, so Stamos. Im Sommer aber ist die Kühlung von oben durch die Decke sehr effizient. Zudem wird sie meist als angenehm empfunden.Wer nicht so viel umbauen kann oder will, dem helfen zusätzliche Konvektionsgeräte. Die gibt es als Decken- und Konsolen-Bauform; sie sehen aus wie die Innenelemente klassischer Klimaanlagen. „Sie sind aber wesentlich günstiger als eine richtige Klimaanlage“, sagt Fraunhofer-Ingenieur Marek Miara. Sie werden mit dem Heizkreislauf des Hauses verbunden. In ihrem Inneren aber sorgen unzählige filigrane Metalllamellen für eine optimale Kälteübertragung an die warme Raumluft; Ventilatoren verstärken zusätzlich die Konvektion, indem sie die von den Lamellen abgekühlte Luft effizient in den Raum pusten.„Solche Geräte sind schon ab rund 700 Euro von namhaften Herstellern erhältlich“, sagt Miara. „Sie können die Kühlleistung einer Luft-Wasser-Pumpe erheblich verbessern.“ Ihr Nachteil: Wie bei einer richtigen Klimaanlage müssen Zu- und Ableitungen diffusionsdicht isoliert sein, damit sich an ihnen kein Kondenswasser bildet. Und wie bei einer richtigen Klimaanlage „muss eine Kondensatabführung verbaut sein, damit der Taupunkt schadensfrei unterschritten werden kann“, merkt Gebäudetechnikingenieur Grieshaber an. Ein anderer Nachteil der Zusatzkonvektoren ist, dass man für jeden Raum einen eigenen Konvektor installieren muss. „Die meisten unserer Kunden schreckt das nicht ab, da sie ohnehin nur ihr Schlaf- und Kinderzimmer kühlen wollen, nicht das ganze Haus“, sagt Heizungsmeister Stamos.Eine Luft-Luft-Wärmepumpe geht immerSoll hingegen eine ganze Etage gekühlt werden, lohnt sich eventuell eine separate Luft-Luft-Wärmepumpe für den Sommer. Statt einen Heizwasserkreislauf erwärmt diese Wärmepumpenbauform im Winter nur Luft und pustet sie in die Räume. In vielen Ländern, etwa China, den USA, Frankreich und Skandinavien, sind Luft-Luft-Wärmepumpen die dominierende Heizungsart. „Luft-Luft-Wärmepumpen kühlen aber auch effizienter als Luft-Wasser-Geräte“, sagt Joel Grieshaber. Sie sind zudem in der Anschaffung deutlich günstiger, oft inklusive Einbau schon für unter 5000 Euro zu haben. „Der Nachteil ist, dass man dann zwei Systeme warten lassen muss“, wendet Praktiker Stamos ein.Für viele, eher schlecht gedämmte Einfamilienhäuser kann sich der Aufwand aber lohnen. „Da meist nur einzelne Räume gekühlt werden sollen, meist das Büro und die Schlafzimmer, reicht schon ein dezentrales Luft-Luft-Gerät mit geringer Leistung, die Kosten halten sich dann sehr in Grenzen“, sagt Grieshaber. Wer hingegen neu baut, kernsaniert oder einen Umbau seiner Zentralheizung auf Fußboden- oder Wandheizungen vorhat, sollte lieber größere Flächenheizungen verbauen und ein, zwei zusätzliche wasserführende Deckenelemente in den wichtigsten Räumen. „Die gibt es fertig in Modulform, der Trockenbauer baut die einfach mit ein und wir schließen sie nur an den Heizkreislauf an; insgesamt kostet die Deckenkühlung kaum 1000 Euro mehr“, sagt Installationsmeister Alexander Stamos.Damit schlage man zwei Fliegen mit einer Klappe, sagt Stamos: „Im Sommer kann man mit der Luft-Wasser-Pumpe schön von oben kühlen, und im Winter dank der größeren Heizflächen die Vorlauftemperatur niedriger fahren.“ Dadurch heizt die Wärmepumpe dann noch effizienter.Hinweis: Dieser Beitrag erschien erstmals am 9. August 2025 bei der WirtschaftsWoche. Wir haben ihn aktualisiert und zeigen ihn aufgrund des Leserinteresses erneut.