PfadnavigationHomeICONISTTrendsSonnenbadenDie Body-Positivity sollte einen gewissen Rahmen nicht sprengenStand: 07:11 UhrLesedauer: 8 MinutenPrinzessin Pia Ruspoli, Tochter eines sizilianischen Eisenbahnarbeiters und Miss Sizilien. Fotografiert auf Capri, 1980Quelle: Slim Aarons/Getty ImagesDieser Sommer wird heiß: 16 „Sun-Facts“ zum unbeschwerten Sonnenbaden. Und die Antwort auf die Frage: In welchem Pool-Outfit wird man nicht nur von allen gesehen, sondern auch bewundert?In ihrem 1972 in The Saturday Review erschienenen Aufsatz „The Double Standard of Aging“ beschreibt die Kulturkritikerin und Schriftstellerin Susan Sontag das Altern als „kriechende Angst“. Für ein Gesicht sei es wichtig, schön zu sein, kritisiert sie die strengen Maßstäbe vor allem an Frauen. 54 Jahre später schöpft die Kosmetikindustrie mehr denn je von diesem Druck – mit Anti-Aging-Produkten aus immer abstruseren Zutaten wie Lachssperma, Plazenta oder Schweinekollagen. Nicht ewige Jugend, sondern gesunde Haut sollte das Ziel sein, betont Timm Golüke, Dermatologe aus München. Gut gecremt heißt gut geschützt, das ist hinreichend bekannt. Aber wissen Sie auch, was Sie sich zum Beispiel von der Wüsten-Silberameise abschauen können? 16 Sun-Facts zur schönsten Zeit des Jahres Unbeschwertes SonnenbadenWährend „Sunfluencer“ in den sozialen Medien die Sonne zum Erzfeind Nummer 1 der Haut erklären (80 Prozent der sichtbaren Hautalterung wird angeblich durch UV-Strahlung verursacht), ist auf vielen Tradwife-Alternativ-Medizin-Kanälen ein gegenteiliges Bild zu beobachten: Sonne wird hier, bei den Romantikerinnen mit Schürze, als natürlichstes Heilmittel der Welt angepriesen, mit dem man Depressionen, Ängste, Stress und all die anderen Großstadtkrankheiten der Moderne loswerde. So wird selbst ein bisschen Wärme zum kulturkämpferischen Politikum. gold 2-Euro-TeintLesen Sie auchNichts erscheint verdächtiger als Bräune. Zwischen knusprigem Côte-d’Azur-Teint und nobler Emily-in-Paris-Blässe liegt eine dritte Möglichkeit: Selbstbräuner. Den mühsamen Feldversuch durch die Drogerieregale können Sie sich sparen. Der Überraschungssieger kostet nicht 50 Euro, sondern knapp zwei: das Selbstbräunungs-Spray von Sundance, der Eigenmarke von dm. Mal wieder der Beweis dafür, dass Luxus und Preis nicht zwangsläufig miteinander korrelieren. Die wichtigste Regel lautet ohnehin nicht, welches Produkt man verwendet, sondern wie. Am besten direkt nach dem Duschen sprühen – ohne Angst vor Streifen, die sich bei Selbstbräunern ohnehin nie vollständig ausschließen lassen. Bei diesem Spray treten sie allerdings so selten auf, dass man ihnen fast eine gewisse Exklusivität zuschreiben möchte. Das Ergebnis ist vor allem eines: glaubwürdig. Keine überreife Aprikose, stattdessen ein Teint, als hätte man den Nachmittag bei milder Frühlingssonne durch die Straßen Roms flanierend verbracht: dezent gebräunt, gesund und beneidenswert erholt. magsLichteinfall Der amerikanische Künstler James Turrell hat der Sonne ein Zimmer gebaut. In Arizona verwandelte er einen erloschenen Vulkan in ein Observatorium. Durch ausgetüftelt gesetzte Tunnel und Öffnungen fällt zu bestimmten Zeiten und immer wieder auf andere Art und Weise Licht ein. Bislang durften nur ausgewählte Besucher in den bis heute im Bau befindlichen Roden Crater. Kanye West war so begeistert, dass er sofort zehn Millionen Dollar spendete. Der Rapper, wie die Sonne selbst, hatte keine Ahnung, wie großartig die Sonne ist, bis ihr Licht auf diese Wände fiel. Lichtkünstler Turrell eröffnete am Freitag seinen bislang größten Skyspace „As Seen Below – The Dome“ im ARoS Aarhus Kunstmuseum in Dänemark. dvtLesen Sie auchHut ab Nicht nur Männer, auch Frauen haben lichtes Haar. Aber darum geht es gar nicht. Im Prinzip sollte jeder, wenn die Sonne scheint, eine Kopfbedeckung tragen, außer man ist von Natur aus ausgestattet wie die Sahara-Silberameise. Die kühlt sich in der Wüstenhitze durch ein spezielles Haarkleid, welches das Sonnenlicht wie ein Spiegel reflektiert. Jede tolle Modefirma bietet inzwischen wirklich schöne Fischer- oder Sonnenhüte, die einen nicht mehr wie einen depperten Woody Allen aussehen lassen. SRMittelmeerzauberIn den meisten bekannten Pool- und Meerfilmen brutzeln die Helden zwar genüsslich in der französischen oder italienischen Sonne, Sonnencreme aber sucht man vergeblich. Außer in der deutschen Urlaubssatire „Man spricht deutsh“ von 1988. Danach weiß man, warum viele Liebesfilme, die am flirrenden Wasser spielen, auch ganz gut ohne Lichtschutzfaktor auskommen. Bräunungsstreifen bleiben dabei nicht als Schönheitsfehler zurück, sondern als geheimnisvolle Topografie des Sommers und Fantasie vieler süßer Fragen – der eigentlich allerschönste Glow. goldShowstopperMan kommt in diesem Sommer nicht an den Bikinis von Eres vorbei. Modell Sunscreen im Farbton Solaire Citron erinnert an das unbekümmerte St. Tropez, als man schon mittags zwei Flaschen Rosé glucken konnte, und danach wurde Wasserski gefahren. Der Facekini von Golovejoy ist ein echter Showstopper und eine atmungsaktive Sonnenschutzmaske fürs Gesicht. Elegant und sehr lässig für den Übergang vom Pool an die Negroni-Bar sind die handgewebten usbekischen Kaftane der Berliner Designerin Aleksandraviktor. Übrigens, Männer: Eine gut sitzende Bermuda ist die bessere Badehose. Die Body-Positivity sollte einen gewissen Rahmen nun auch nicht sprengen. dvtLesen Sie auchZumutung vor dem GlückMan wollte endlich ins Wasser hüpfen, die bojenroten Schwimmflügel kniffen aufgepumpt in den Oberarmen. Und dann kamen die Hände der Mutter mit der dicken, pappig-weißen Creme, die nach Tonerde und Apotheke roch. Es brannte in den Augen – wie ein weiß lackiertes Clown-Gesicht wurde man entlassen. Heute gibt es angenehmerweise geschmeidigere Alternativen. Mineralisch oder chemisch, 30 oder 50, Milch oder Gel? „Lassen Sie sich nicht verrückt machen“, sagt der Münchner Dermatologe Timm Golüke: „Der beste Schutz ist der, den man regelmäßig nimmt, weil man ihn gern riecht und aufträgt, sonst benutzt man nämlich gar keinen.“ Rose-Marie Swift, Visagistin der Stars, hat das Tiroler Nussöl der Neuzeit erfunden, eine Paste, die bewirkt, dass man geschützt harmonisch braun wird – aus ausschließlich Produkten wie zum Beispiel Kokosnüssen, die eine ebenso harmonische Reise genießen durften, vom Baum bis in den Bottich. Das koreanische Unternehmen Missha setzt auf Maulbeerrinde, Lakritz und – Gletschermilch! Mineralreiches Schmelzwasser soll die Zellerneuerung der Haut anregen. dvtKendall Jenners TippDas US-Supermodel mit L’Oréal-Vertrag und 280 Millionen Instagram-Fans verriet kürzlich einen simplen Schönheitstrick: „Niemals mit den Fingern ins Gesicht fassen!“ Schließlich reisen an Händen gern Schmutzpartikel und Bakterien mit, die auf der Haut Unreinheiten verursachen können. Marken wie Sun Matters, La Roche-Posay, Caudalie, Dr. Jart+ oder Typology bieten Sonnenschutz als Stick. Sehr praktisch, vor allem für unterwegs. afrSonnenpillenVitamin D gehört zu den wenigen Nahrungsergänzungsmitteln, die selbst Menschen schlucken, die Nahrungsergänzungsmittel eigentlich für eine Art legalisierte Esoterik halten. Der Grund, weshalb so viele Frauen es nehmen, ist denkbar simpel: Sie verbringen ihr Leben nicht auf sizilianischen Zitronenhainen, sondern in Büros, und zwar auch im Sommer. Der Körper produziert Vitamin D mithilfe von Sonnenlicht. Entsprechend sind die Werte das ganze Jahr über im Keller. Dann beginnt die Karriere der berühmten Sonnenpillen. Erst die harmlosen Varianten aus der Drogerie. Und wer wirklich Mangel hat, steigt irgendwann auf die verschreibungspflichtigen 40.000-I.E.-Kapseln um. Eine einzige davon verspricht mehr Sonnenenergie als ein durchschnittlicher November. magsDas Meersalzmärchen Am Strand, heißt es, bräunt man stärker. Nicht wirklich. Nach dem Meerbad bleibt ein Salzfilm auf der Haut, der sie lediglich sonnenempfindlicher machen und röten kann. Sand ist kein großer Reflektor (um 15 Prozent), Neuschnee indes reflektiert bis zu 90 Prozent UV-Strahlung, Gras etwa 3 und Wasser weniger als man denkt: 10 bis 30 Prozent. SRErfrischungIm „Haus des Meeres“ in einem Flakturm des Zweiten Weltkriegs in Wien kann man wie durch den Atlantik spazieren, zu den giftigsten und größten Echsen der Welt, und 10.000 Tiere bewundern. Klar zieht auch mal ein Hai vorbei – Angriffe sind aber nicht bekannt. Das Meer hält hier noch genug Fischfutter bereit, da muss keiner hungrig auf Touristen los. dvtKorallenfreundlichDer gefährlichste Tauchgang der Welt ist das Durchtauchen des sogenannten „Arch“ im Blue Hole bei Dahab in Ägypten. Der unterirdische Tunnel liegt in etwa 56 Metern Tiefe. Die Gefahren: Tiefenrausch, Orientierungsverlust, Strömungen. Wer Abkühlung sucht, muss es ja nicht gleich so extrem betreiben. Wichtig in natürlichen Gewässern aber ist: Auch deren Leben gilt es zu schützen. Korallen können chemische UV-Filter zusetzen. Bei mineralischen wie Zink oder Titan auf den Packungshinweis „non-nano“ achten. Zu kleine Partikel gefährden die Organismen. Vorsicht: Versprechen wie „riffsicher“ oder „korallenfreundlich“ sind rechtlich nicht geschützt. SRGlossy KüsseSeit sich die Schönheitschirurgie um vollere Lippen bemüht, hat die Sonne dort auch mehr Angriffsfläche, warnt Hautarzt Timm Golüke. „Besonders die Unterlippe wird zur kleinen Sonnenterrasse des Gesichts.“ Er beobachtet zunehmend Vorstufen von weißem Hautkrebs. „Lippen haben kaum eigenen UV-Schutz – sonst würden sie ja mitbräunen, was vermutlich auch nicht schön wäre.“ Dr. Emi Arpas „Sheer Shield“ zaubert glossy Küsse – und schützt zugleich. Wichtig: einmal im Jahr zum Hautcheck – und: die Fußsohlen nicht vergessen. SRLesen Sie auchKlimaanlagenForscher prophezeien: Die Sommer werden immer heißer und länger. Bleiben Sie cool. Jedes Problem, das der Menschheit begegnet, bringt ja dann auch neue Produkte hervor. Die Industrie wartet dankbar auf Katastrophenszenarien, denn dann kann sie mit neuen Gegenmitteln kommen. Allein der Segen der Papier-Jalousien, mit denen sich die Fenster abblenden lassen! Für Balkone gibt es Schirme in allen Formen, die man in alle Richtungen schwenken kann. Mit Querlüften werden wir es langfristig nicht mehr schaffen. Klimaanlagen müssen her. Bloß, wer baut sie ein, wer stellt sie her, was macht das mit dem Strompreis? Kreativität und Ingenieurs-Spirit sind gefragt. Das ganze Thema hat so viel Potenzial für neue Ideen. Und dann das Quallen-Dilemma. Das Wachstum nimmt zu, auch in Nord- und Ostsee. Nur wenige Fische fressen hierzulande Quallen. Das heißt, sie können sich ungehemmt vermehren, weil sie kaum Fressfeinde haben. Da müssen dringend nützliche Verwendungsmöglichkeiten gefunden werden! dvtSommerlustDas Parfüm heißt Day und duftet nach Sommer und frisch geschnittenem Gras. Zitrus-Extrakte halten zugleich lästige Mücken ab. SRTattoos verblassenWas aber mit uns genau passiert, wenn wir in der Sonne dösen und plötzlich einschlafen, hat uns erst kürzlich Pietro Lombardi krass vor Augen geführt: Der Sänger erlitt einen so schweren Sonnenbrand, dass selbst seine Tattoos verblassten, weil sich die Haut schälte. Fast zeitgleich postete Katy Perry ein Selfie, auf dem der Popstar stolz sein trainiertes Sixpack zeigte, aber auch krebsrote Arme. „Watch it burn“ heißt ihr neuer Song. Es gibt auch Rauchzeichen, die Gefahr verheißen. Dann: mit Aloe vera, Joghurt oder antientzündlichen Salben beruhigen; mit Gurken- oder Apfelscheiben kühlen. Nur keine Eiswürfel, die trocknen die entzündete Haut nur aus. SRafr, dvt, gold, mags,SR