Wie BMW aus der Traditionsmarke Alpina eine Luxuslinie formtDer bayrische Autobauer richtet die Sportwagenmarke neu aus – mit dem Risiko, den diskret-dynamischen Charakter zugunsten einer neuen Edel-Lounge auf Rädern zu verschieben.Fabian Hoberg22.06.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenWie in Stein gemeisselt: Der Vision BMW Alpina ist eine Fahrzeugstudie, die Käufer auf den Geschmack neuer Luxusmodelle unter der Traditionsmarke bringen soll.PDBMW übernahm 2022 die Marke Alpina von der Familie Bovensiepen. Ausschlaggebend für die Übernahme waren unter anderem die gegenwärtigen Veränderungen in der Automobilindustrie: Das Aufkommen der Elektromobilität, strenge Emissionsvorgaben und hohe Entwicklungskosten machen es für kleine Hersteller schwieriger, eigenständig zu bleiben. Die Familie entschied sich für die Weitergabe der Marke Alpina an BMW, da die beiden seit Jahrzehnten eng zusammenarbeiteten. Und bei Bovensiepen verbleiben Wartung und Ersatzteilversorgung bei den bisherigen Alpina-Modellen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Seit Januar 2026 besitzt BMW alle Markenrechte an Alpina und zeigt nun den ersten Ausblick auf die neue Submarke: einen 5,20 Meter langen Gran Turismo. Das passt zu Alpina. Kaum eine Marke verkörpert die Idee des Gran Turismo seit fast 50 Jahren wie Alpina. Während viele Sportwagen auf maximale Härte des Fahrwerks und reine Sportleistung setzen, verfolgte Alpina einen anderen Ansatz: Gran-Turismo-Fahrzeuge – gebaut für die lange Reise, für hohe Geschwindigkeiten, ohne dabei auf Komfort zu verzichten.So interpretiert BMW sein neues Konzeptauto: den neuen Vision BMW Alpina. Er ist ein Gran Turismo alter Schule, gibt sich zurückhaltender als ein Supersportwagen und zeigt eine eigene Präsenz: lange Motorhaube, V8 und ein Innenraum, der eher an eine luxuriöse Lounge erinnert als an ein Sportwagen-Cockpit.Als schnelles Reisecoupé verfügt der Alpina über zwei Türen, aber vier Sitze.PDDie Alpina-Wurzeln finden sich im AllgäuBurkhard Bovensiepen gründete Alpina 1965 in Kaufbeuren. Als Anfang der 1960er Jahre die Begeisterung für sportliche Automobile wuchs, entstand in einer kleinen Werkstatt in Buchloe im Allgäu eine Marke, die später Kultstatus erreichte: Alpina. Alles beginnt mit einer vergleichsweise unscheinbaren Idee: Bovensiepen entwickelt einen Doppelvergaser für den BMW 1500, der Leistung und Fahrverhalten deutlich verbessert. Die hohe Qualität überzeugte selbst BMW davon, dass die Werksgarantie des Modells trotz Umbau erhalten blieb – ein ungewöhnlicher Schritt, der den Grundstein für die Verbindung zwischen den beiden Marken legte.Was als Tuningbetrieb begann, entwickelte sich zum erfolgreichen Team im Tourenrennsport unter anderem mit Niki Lauda und Derek Bell. Ab 1978 etablierte sich Alpina zu einem eigenständigen Hersteller exklusiver Hochleistungsfahrzeuge. Das Alpina B7 Turbo Coupé (E24) machte die Marke in den 1970er Jahren weltweit bekannt, kombinierte es doch hohen Komfort mit mehr Leistung. Feine Dekorstreifen, markante Mehrspeichenfelgen und ein edler Innenraum machten die Fahrzeuge zu besonderen Automobilen. Gerade diese Kombination machte Alpina über Jahrzehnte zu einer festen Grösse unter Kennern – irgendwo zwischen Manufaktur, Motorsport und feinem Grand Touring.Ein neues Kapitel beginnt mit einem LuxusdesignerDie Ausrichtung auf mehr Luxus ist auch auf den neuen Alpina-Designer zurückzuführen: Alex Innes arbeitete rund 16 Jahre als Designer bei Rolls-Royce, bevor er vor 2024 den Job bei BMW Alpina in München annahm. Mit dem Vision BMW Alpina gestaltete er einen Gran Turismo für die entspannte Reise, inspiriert vom B7 Coupé E24. Unter der langen Haube des Konzeptfahrzeugs auf Basis des M850i steckt ein 4,4-Liter-V8 mit mindestens 530 PS. Vier schmale LED-Scheinwerfer zieren die Front, die stark ausgeprägte Haifischnase reckt sich weit nach vorne, dazwischen leuchtet die Doppelniere indirekt. «Der Vision BMW Alpina steht für Understatement. Auf den zweiten Blick werden Wert, Tiefe und Qualität deutlich, ohne dominant zu wirken», sagt Alex Innes.Die Formgebung der Front dürfte in künftigen Serienmodellen von BMW identisch sein.PDLediglich zwei BMW-Logos zieren das Konzeptfahrzeug, sonst überwiegt der Alpina-Schriftzug. Die Alpina-Signatur an der Seite, inspiriert vom Fischer-Ski C4 des Olympiasiegers Franz Klammer, bringt ein Mitarbeiter per Hand auf. An den Seiten symbolisiert eine ab der A-Säule sechs Grad aufsteigende Kante bis zum Heck eine hohe Geschwindigkeit.Unter den breit ausgestellten Radhäusern fusst das Fahrzeug vorne auf 22-Zoll- und hinten auf 23-Zoll-Rädern mit den neu interpretierten markentypischen Alpina-Felgen mit 20 Speichen. Am Heck zitieren vier ovale Auspuffendrohre das historische Ski-Modell, darüber funkeln die schmalen LED-Rückleuchten in Kristalloptik.Innen kommt in der grossen Kabine feines Leder mit Steppnähten in Alpina-Optik zum Einsatz. Indirekte Beleuchtung in den Türen und am Dachhimmel sorgt für eine wohnliche Atmosphäre. Vor den Rücksitzen fahren mittig auf Knopfdruck Kristallgläser aus einem beleuchteten Schacht.Die klassischen Alpina-Farben Grün und Blau zeigen sich innen bei der Skalierung des Drehzahlmessers und in kleinen Stickereien. Informationen erhalten Passagiere über das Display und das schmale Anzeigenband «Panoramic iDrive» unterhalb der Frontscheibe. Für das Umschalten der Fahrprogramme setzt Alpina auf einen Speedschalter. Damit lässt sich die Höchstgeschwindigkeit auf über 300 km/h hinaus erweitern – als Hommage an Burkhard Bovensiepen. Er soll einst gesagt haben, ein komfortabel ausgestatteter Fahrer werde zu einem schnellen Fahrer.Im Interieur wird besonders deutlich, dass die Neuinterpretation von Alpina vor allem auf Luxus setzt.PDBMW will die Lücke zur Konzerntochter Rolls-Royce füllenBMW positioniert Alpina oberhalb von BMW und unterhalb von Rolls-Royce. Das überrascht Stefan Bratzel, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. «Bei Alpina geht es um Sportlichkeit, begründet in der Historie. Deshalb ist Alpina für mich eher sportlich als luxuriös konnotiert. Wahrscheinlich plant BMW die Submarke Alpina oberhalb von BMW-Modellen zu positionieren, da besonders sportliche BMW-Modelle von der M-GmbH stammen», sagt Bratzel.Trotzdem schätzt BMW das Wachstum der Bevölkerungsschicht wohlhabender Menschen weltweit auf jährlich 9 Prozent – und rechnet entsprechend mit einer steigenden Nachfrage nach luxuriösen Fahrzeugen. Kunden, denen ein gut ausgestatteter BMW zu profan und ein Rolls-Royce zu opulent erscheint, sollen sich künftig bei einem BMW Alpina mit mehr Understatement und «Quiet Luxury» bedienen können.Was dies für die Preise von künftigen Modellen bedeutet, sagt BMW noch nicht. Doch neue Alpina-Fahrzeuge dürften oberhalb von BMW-Modellen liegen. Beim 7er wären das mehr als 182 000 Euro, und damit erreicht Alpina das Preisniveau der Luxusklasse von Aston Martin, Bentley und Mercedes-Maybach. Experten sehen in dieser Klasse Margen von rund 20 Prozent. Bisher stellte Alpina rund 2000 Fahrzeuge pro Jahr in Buchloe her, künftig sollen es bei BMW deutlich mehr werden. Bentley setzte 2025 rund 10 000 Einheiten ab, Aston Martin rund 5500.Mit dem Vision BMW Alpina gibt der bayrische Hersteller auch einen Ausblick auf künftige Sportcoupés der Kernmarke.PD«Ich bin skeptisch, ob es sich für BMW lohnt, eine Submarke für ein begrenztes Segment kostenintensiv über viele Jahre aufzubauen und mit entsprechenden Modellen zu füllen», sagt Stefan Bratzel. «Denn der Name ist noch nicht in allen Märkten bekannt. Genauso gut hätte BMW auch die Kernmarke höher positionieren oder das Angebot von Rolls-Royce nach unten erweitern können.»Zur detaillierten Produktplanung neuer Alpina-Modelle hat BMW sich zwar noch nicht geäussert. Doch immerhin ist bekannt, dass nächstes Jahr mit dem Alpina B7 das erste Serienmodell auf Basis des 7ers folgt. Auch grosse SUV wie der X7 dürften von der Veredlung profitieren. Zur Vorbereitung auf ein grosses Produktportfolio hat sich BMW bei der World Intellectual Property Organization (Wipo) eine ganze Reihe von Modellbezeichnungen eintragen lassen. Ob der legendäre B3 auf Basis der kompakten 3er-Baureihe einen Nachfolger erhält, ist jedoch ungewiss. Luxus hat offenbar seine Grenzen bei der Fahrzeuggrösse.Passend zum Artikel
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Der bayrische Autobauer richtet die Sportwagenmarke neu aus – mit dem Risiko, den diskret-dynamischen Charakter zugunsten einer neuen Edel-Lounge auf Rädern zu verschieben.









