Botschaften flammen auf. Noch bevor Zucchero ins Rampenlicht getreten ist, schreibt in der ausverkauften Frankfurter Festhalle eine mechanische Schreibmaschine eine Weisheit von Fernando Pessoa auf den LED-Bildschirm. Der Dichter sei ein Fälscher, heißt es da, und so perfekt in dem, was er tue, dass er sogar noch die Schmerzen fälsche, die er tatsächlich verspüre. Weitere Slogans folgen, von „Fuck le système“ über „United in diversity“ bis „Wherever I lay my hat (that’s my home)“.Gepflegt Konterrevolutionäres passt zu Zucchero, schließlich kam der italienische Singer-Songwriter 1955 zur Welt. Obwohl er in Frankfurt nicht allzu gesprächig wirkt, schwärmt er zwischen seinen knapp zwei Dutzend Songs gelegentlich von der Jugendzeit, mal auf Italienisch, mal auf Englisch. Da erfüllten James Brown, Marvin Gaye, Aretha Franklin, Wilson Pickett, die Beatles und die Rolling Stones das einsame Herz des Teenagers in der Provinz von Roncocesi bei Reggio nell’Emilia.Auch die Musik von Zucchero, bürgerlich Adelmo Fornaciari, atmet diesen längst zeitlosen Geist. Der Vollblutperformer liefert auf seiner Tour, die ihn noch bis Oktober um die Welt führt, Pop, Rock, Blues, Soul, Gospel, Funk, Swing, Boogie-Woogie, italienisches Lied und Lateinamerikanisches. Sein Repertoire ist wie eine Jukebox voller Welthits.Sein exzellentes Ensemble heizt einMit Hut und langem Schal startet der in den vergangenen Jahren schlanker gewordene Sänger wohltemperiert durch. Dramaturgisch optimal austariert wechseln Uptempo-Nummern mit Balladen. Wenn das Genre in Richtung Tanzbares verweist, stehen die Besucher von ihren Plätzen auf, um dezent mitzuwippen und rhythmisch zu klatschen. Solistische Kabinettstückchen des exzellenten Ensembles aus mehr als einem Dutzend Begleitmusikern werden mit Applaus honoriert. Heraus stechen die beiden Harmoniesängerinnen Oma Jali und Keba Williams, die diverse Soloauftritte hinlegen dürfen. Und damit auch jeder eine gute Sicht auf die Einlagen hat, ist das Geschehen auf gleich drei Bildschirmen zu sehen, der größte von ihnen hat die Form einer von Flammen umflorten riesigen Sonne.Zucchero beherrscht jede Auftrittsspielart, auch das intime Akustikset. Er lässt lockeres Italo-Flair auf Amerikanisches treffen, Virtuosität und Spielfreudigkeit addieren sich zu souveränem Entertainment. Im flott arrangierten „Partigiano Reggiano“ spielt er nicht nur im Piano-Intro gewieft auf Joe Cockers Version von Julie Londons Jazz-Klassiker „Cry Me A River“ an. Gelegentlich greift er auch selbst zur E- oder Akustikgitarre.Bei diversen Coverversionen überlässt er das Rampenlicht seinem Orchester: „Nutbush City Limits“, ein Klassiker von Ike und Tina Turner, heizt ein wie anno 1973 das Original. Als temporeicher instrumentaler Boogie-Woogie erklingt „Honky Tonk Train Blues“ von Meade Lux Lewis. Da ist die Stimmung längst auf dem Siedepunkt. Zwischengestreute Balladen helfen, die Gemüter abzukühlen. Auf die Zielgerade stürmen Zucchero und sein Ensemble leidenschaftlich mit „Il volo“, „X colpa di chi?“ und „Diavolo in me“. Um die Wette glühen die Handylichter dann beim Abschied mit dem heiß ersehnten „Senza una donna“.