Als gegen 18 Uhr die Ludwig- und die Leopoldstraße in Schatten getaucht sind und die Sommerhitze ein wenig nachlässt, füllt sich die gut zwei Kilometer lange Achse zwischen Odeonsplatz und Münchner Freiheit. An diesem Wochenende gehört sie wieder den Menschen und nicht den Autos. In der Ludwigstraße findet das „Zamanand Festival“ statt, das für Umweltschutz und Nachhaltigkeit steht, aber schon vom Namen her auch für Gemeinsamkeit und Teilnahme. Nördlich des Siegestors steigt das Kulturfestival „Corso Leopold“. Die beiden Veranstaltungen gehen fließend ineinander über, die Menschen flanieren vorbei an Bühnen, Gastronomie- und Infoständen. Nichts kostet Eintritt, hier gibt es Münchner Lebensgefühl und Abwechslung komplett gratis.Auf dem Zamanand präsentieren sich zahlreiche Vereine und Organisationen aus den Bereichen Wissenschaft, Umwelt und Soziales. Es geht vor allem um Nachhaltigkeit. Und die Besucher können an den Ständen eine Menge lernen, bevor sie sich vor dem nächsten Foodtruck niederlassen.Die Atmosphäre ist auf beiden Festivals lässig. Die Besucher laufen teilweise in fantasievollen Kostümen umher, manche nur in Badehose, viele tragen Fußballtrikots der deutschen Nationalmannschaft, die am späten Abend gegen die Elfenbeinküste antritt. Niemand muss etwas konsumieren. Die sonst so teure Stadt München zeigt sich von ihrer freundlichsten Seite.Auf den Bühnen gibt es mal Hip-Hop, mal Techno, mal südamerikanische Folklore. Johannes SimonDie Stimmung ist ausgelassen, die Temperaturen sind: hoch. Gut, wer da einen Fächer bei sich hat. Johannes SimonVon den Bühnen hört man mal Hip-Hop, mal Techno, mal südamerikanische Folklore. Es wird viel getanzt. An vielen Pavillons geht es um Mitmachen. Inlineskater können in einem Parcours kleine Kunststückchen vollführen, während dort ein Mensch im Panda-Kostüm die Stimmung anheizt, am Stand der Polizei dürfen Kinder sich in einen Streifenwagen und auf ein Motorrad setzen, an anderen Ständen wird gebastelt, gemalt und gequizt.Doch bei aller Feierlaune geht es den Menschen an den Infoständen darum, ihr Anliegen mit allem gebotenen Ernst zu präsentieren. So zeigt etwa ein großer Infobildschirm, wie sich die Erde aufheizen wird, wenn der Klimawandel im derzeitigen Tempo voranschreitet, über drei Grad könnten es schon in wenigen Jahrzehnten sein.Dass man lokal und regional dagegen etwas tun muss und kann, lernt man zum Beispiel am Pavillon der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Bayern, die sich unter anderem für nachhaltige Aufforstung einsetzt. Wortreich erklärt etwa SDW-Geschäftsführer Simon Tangerding, wie wichtig die Wälder rund um München für dessen Stadtklima sind. Gäbe es sie nicht, erfährt man, würde die Innenstadt mit viel zu heißer Luft geflutet. Die fast baumlose Ludwigstraße, die sich an diesem Samstag bis an die Grenzen der Erträglichkeit aufgeheizt hat, unterstreicht die Argumentation der Waldschützer. Auch hier kann man übrigens an einem Quiz teilnehmen und anhand von Baumrinden die Baumart erraten.Ernster geht es beim Infostand der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald zu: Hier bekommt man erklärt, wie wichtig die Wälder rund um München für die Stadt sind. Johannes SimonWeiter nördlich, auf dem Corso Leopold, wuselt es etwas mehr. Wer an den Foodtrucks zu viele Burger, Empanadas oder sonstiges erwischt hat, kann an diversen Ständen Gewichte stemmen oder ein Fitness-Abo abschließen. Auf einem kleinen Fußballfeld der Initiative „Bunt kickt gut“ zeigen Jugendliche in gemischten Teams, wie gut sie mit dem Ball umgehen können. Am Stand des Neuen Kunstforums München trifft man den Künstler Martin Blumöhr, der für die Aktion „Spiel Mich“ ein altes, in der DDR gefertigtes Klavier in kunstvollen Blautönen gestaltet hat. Dass er die japanische Pianistin Masako Ohta für einen Auftritt gewinnen konnte, freue ihn außerordentlich, sagt der Künstler.Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite und die Menschen strömen auf die Ludwig- und die Leopoldstraße. Johannes SimonAuf einem kleinen Fußballfeld zeigen Jugendliche der Initiative „Bunt kickt gut“ ihr Können. Johannes SimonWährend Blumöhr erzählt, gesellt sich SPD-Stadtrat Lars Mentrup dazu, der auch Veranstaltungsleiter des Corso Leopold ist. Mit dem Andrang sei er wieder sehr zufrieden, sagt Mentrup. Zu früheren Ausgaben des Corso Leopold kamen teils mehr als 200 000 Menschen. Auch diesmal dürften es wegen des Sommerwetters ähnlich viele werden.