Nach Tagen und Wochen der Hitze hatte es rechtzeitig vor dem Wochenende etwas abgekühlt, der Himmel war bewölkt, manchmal wehte auch ein frisches Lüftchen: In München herrschten am Sonntag ideale Bedingungen, um sich zu bewegen – das fanden die Münchnerinnen und Münchner beim Sportfestival der Landeshauptstadt auf dem Königsplatz ebenso wie beim traditionellen Laufevent eines hiesigen Sportgeschäfts mit Start und Ziel am Siegestor und einer Schleife durch den Englischen Garten.„Heute ist perfektes Wetter für das Sport-Festival“, sagte Verena Bentele auf der Bühne vor den Propyläen, wo die mehrmalige Paralympics-Siegerin mit weiteren olympischen Goldmedaillen-Gewinnerinnen für Aktivitäten im Breiten- und vor allem Kindersport warb. „Es war perfektes Laufwetter heute“, bilanzierte auch – wohl stellvertretend für alle Läufer – der 34 Jahre alte Christian noch etwas verschwitzt, nachdem er am Sonntagmorgen die Halbmarathon-Strecke durch den Englischen Garten in einer respektablen Zeit von nur wenig mehr als anderthalb Stunden hinter sich gebracht hatte: „Perfekte Temperatur, bedeckter Himmel, nicht zu windig, das war eher erfrischend“, fasste er zusammen.SZ Good News:Gute Nachrichten aus München – jetzt auf Whatsapp abonnierenMehr positive Neuigkeiten im Alltag: Die Süddeutsche Zeitung verbreitet jeden Tag auf Whatsapp ausschließlich schöne und heitere Nachrichten aus München und der Region. So können Sie ihn abonnieren.Die von Geburt an blinde Verena Bentele kann man ebenfalls immer wieder mal mit einem Begleitläufer durch den Englischen Garten joggen sehen, an diesem Sonntag überließ die 44-Jährige das freilich anderen. Insgesamt 13 621 Menschen rannten dort mehr oder weniger schnell über die drei angebotenen Distanzen Halbmarathon (21,1 Kilometer), zehn und fünf Kilometer; dazu kamen 677 Kinder, die eine Zwei-Kilometer-Runde durch den Englischen Garten drehten.Damit gehört die 1979 erstmals in der Innenstadt organisierte Veranstaltung zu den teilnehmerstärksten Volksläufen Deutschlands. Und zu den schönsten sicher auch. Der Spanier Martín Sabater Navarro, 29, der seit vier Monaten am Münchner Max-Planck-Institut studiert, bekannte jedenfalls, dass ihn vor allem die Aussicht gereizt habe, die Atmosphäre des Englischen Gartens zu inhalieren, um sich für den Zehn-Kilometer-Lauf anzumelden.Vom Siegestor ging es auf diverse Runden unterschiedlicher Länge durch den Englischen Garten. Robert HaasAuf das Ankommen kam es an. Robert HaasVielleicht wird aus dem Nachwuchs-Athleten mal ein großer Cricket-Spieler? Robert HaasWährend die Läufer auf der Leopoldstraße und den Wegen im Park lediglich eine Disziplin des Sports vorführten, wenn auch eine der beliebtesten, war auf dem Königsplatz „sehr eindrucksvoll zu sehen, wie vielfältig der Sport ist“, wie es Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) in seiner Eröffnungsrede formulierte. Etwa 80 Vereine und Organisationen hatten ihre Angebote präsentiert, die Spannbreite reichte vom Kleinfeld im Fußball über Klettermöglichkeiten für die Kleinen und Schwertkämpfe oder Squaredance für die Größeren bis hin zu einer Skimboard-Rutsche.So konnten neben der großen Slackline-Anlage, auf der die Profis ihr Können zeigten, auch Anfänger auf knapp über dem Boden gespannten Bändern ihre Körperbeherrschung und Balance testen. Anderswo durften Kinder messen lassen, auf welche Höchstgeschwindigkeit sie kommen im Vergleich mit dem 100-Meter-Weltrekordler Usain Bolt. Wieder woanders übten die Kleinen, mit dem Hockeyschläger den Ball durch einen Hütchen-Parcours zu bewegen. Und die Fittesten konnten auch noch schauen, wie schnell sie einen aus dem Fernsehen bekannten „Minga-Warrior“-Parcours bewältigen – oder zumindest, wie weit sie es über die Hindernisse schaffen.Krause nutzte in seiner kurzen Ansprache die Gelegenheit, um den Bogen vom Breiten- zum Spitzensport zu schlagen. Die Stadt hatte ja nicht nur das Festival organisiert, sondern zwischen all den Mitmachstationen auch selbst einen Stand aufgebaut, in dem sie auf ihre Olympiabewerbung aufmerksam machte. „Ein Thema, auf das ich immer wieder angesprochen werde“, wie Krause sagte. Man merke, dass die Leute schon mitfieberten, er spüre so etwas wie „einen Olympia-Vibe“ in der Stadt, sagte er: „Ich freue mich, wenn im September die Entscheidung fällt.“Dann wählt freilich erst einmal der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) unter den drei verbliebenen Bewerbern München, Berlin und Rhein-Ruhr-Gebiet mit dem Zugpferd Köln einen deutschen Kandidaten aus, mit dem er anschließend in den globalen Wettbewerb beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) um die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 gehen will.Ju-Jutsu präsentierte der Polizeisportverein. Robert HaasFür viele ebenfalls ein großer Spaß: Square Dance. Robert HaasWeil der Breitensport aber genauso wichtig sei, zeige dieses zum 15. Mal organisierte Festival, „warum München eine echte Sportstadt ist“, fand Krause. Neben olympischen Sportarten wie Judo, Tischtennis, Bogenschießen oder Hockey gab es auch Bewegungsangebote, die nicht direkt etwas mit Olympia zu tun haben, aber möglicherweise auf verschlungenen Wegen zum Start in eine Sportkarriere führen.Magdalena Matschina, die 21 Jahre alte Rennrodel-Olympiasiegerin von 2026, riet jedenfalls gerade den jüngeren Festival-Teilnehmern, „ganz viel auszuprobieren“, um herauszufinden, was einem taugt. Sie selbst habe jedenfalls auch nicht gleich beim ersten Mal Gefallen daran gefunden, den Eiskanal hinunterzusausen, verriet sie. Und Dajana Eitberger, ihre Doppelpartnerin von Cortina d'Ampezzo, erklärte, warum sie jetzt nach ihrem Karriereende erst einmal lieber als Schwimmtrainerin arbeiten mag: „Ich merke halt, dass es einen großen Bedarf dafür gibt, dass Kinder frei in den See hüpfen können.“Von ihren Erlebnissen und Erfolgen zehren die Spitzensportler von einst noch lange, erzählte Natalie Geisenberger, 38, die Dritte im Bund der Rodel-Olympiasiegerinnen: „Wenn sich Kindheitsträume erfüllen, sind das schon Momente, die für immer bleiben.“ Aber erst einmal müssen die Kinder ja in Bewegung gebracht werden. Und am Ende müssen es auch nicht immer olympische Goldmedaillen sein: Diejenigen, die am Sonntag ihre Teilnehmer-Medaille umgehängt hatten, weil sie ihre Laufstrecke durch den Englischen Garten geschafft hatten, machten ihre Selfies mindestens genauso stolz wie die, die am schnellsten im Ziel waren.