Am Ende einer langen Aussprache steht ein eindeutiges Ergebnis. 97 Prozent der Delegierten auf dem SPD-Parteitag haben am Samstag dem Koalitionsvertrag zugestimmt. 231 sind dafür, es gibt nur fünf Gegenstimmen und drei Enthaltungen. Das ist eine überwältigende Mehrheit.Dabei erntet der Vertrag, den CDU, Grüne und SPD gemeinsam geschmiedet haben, im Saalbau in Bonames nicht nur viel Lob. Er sei „ein guter bis sehr guter Kompromiss mit deutlicher sozialdemokratischer Handschrift“, sagt die Parteivorsitzende Ina Hartwig. Oberbürgermeister Mike Josef spricht von einem „guten Vertrag“. Andere Redner nennen ihn eine „solide Grundlage“ und ein „gelungenes Arbeitspapier“, an dem sich die SPD messen lassen müsse. Andere bezeichnen ihn allerdings als „ambitionslos“ und „oberflächlich“ – aber kritische Stimmen sind in der Minderheit.In der Aussprache nehmen viele Redner die Grünen ins Visier. Sie seien „der eigentliche Gegner“, sagt beispielsweise der langjährige Stadtverordnete Holger Tschierschke. Er moniert, dass die Grünen und ihr Wunschpartner Volt, der als Kooperationspartner mit dem Römer-Bündnis zusammenarbeiten wird, die „Frankfurt-Zulage“ für städtische Beschäftigte verhindert hätten. „Den Grünen sind die Ärmsten in dieser Stadt grundlegend wurscht“, sagt Tschierschke und prognostiziert: „Das wird fünf Jahre Kampf um Inhalte.“„Grüne sind Partei der Besserverdienenden“Derart kritische Stimmen hört man auf dem SPD-Parteitag immer wieder. Robin Brünn nennt die Grünen eine „Partei der Besserverdienenden“, deren Politik man sich leisten können müsse. Und die Parteivorsitzende Ina Hartwig berichtet aus den Koalitionsverhandlungen, eine Beteiligung der SPD habe zwischenzeitlich „am seidenen Faden“ gehangen. Die Grünen hätten darauf hingearbeitet, die Partei zu schwächen.Der Ko-Parteivorsitzende Kolja Müller nennt es einen „politischen Skandal“, dass Kämmerer Bastian Bergerhoff in den Verhandlungen versucht habe, die SPD-Stadträtinnen Sylvia Weber und Hartwig zu diskreditieren. Bergerhoff hatte den beiden vorgeworfen, sie hätten ihre Budgets überschritten. Auch der Schatzmeister Roger Podstatny wirft dem „ehemaligen Kämmerer“ vor, er habe eine „unsägliche Kampagne“ gegen Weber und Hartwig gefahren. „Dabei haben sich beide nicht anders verhalten als der Rest des Magistrats.“ Bergerhoff habe zu ihm während der Verhandlungen gesagt: „Euch brauchen wir eigentlich nicht.“Führende SPD-Politiker werten das Ergebnis in Anbetracht dieser schwierigen Lage als positiv. Die SPD hatte bei der Kommunalwahl nur 16,6 Prozent der Stimmen erhalten – ein enttäuschendes Ergebnis, findet Hartwig. Die Ausgangslage der Partei für einen zähen und anstrengenden „Verhandlungsmarathon“ sei entsprechend kompliziert gewesen. Am Ende eines „monatelangen Krimis“ stehe nun ein passabler Koalitionsvertrag.„SPD ist führende Reformpartei links der Mitte“Der Vertrag trage eine deutliche sozialdemokratische Handschrift, sagt auch Müller, der für seine Rede den meisten Applaus erhält. Die SPD habe beispielsweise durchgesetzt, dass die frühkindliche Bildung beitragsfrei wird, und auch dafür gesorgt, dass Kinder und Jugendliche weiterhin unentgeltlich ins Schwimmbad gehen könnten, sagt Müller. „Das ist sozialdemokratische Politik.“Auch Oberbürgermeister Josef erwähnt, dass die Grünen die Gebühren für Kinderbetreuung wieder einführen wollten. Er ermahnt die SPD jedoch, sich inhaltlich nicht zu stark zu verengen: „Je größer der Diskurs-Raum ist, umso attraktiver werden wir für andere Wähler.“ Die SPD bleibe die „führende Reformpartei links der Mitte“ und dürfe sich nicht klein machen.Die Parteibasis nutzte die Aussprache auch, um das Wahlergebnis aufzuarbeiten. Hilal Arslan meint, die SPD sei auf Social Media nicht sichtbar genug. Besonders deutlich wird Stephanie Mohr-Hauke aus dem Ortsverein Nordwest. Die SPD habe drei Kommunalwahlen hintereinander mit einem „grottenschlechten Ergebnis“ abgeschlossen. Die Partei habe dabei auch gegen sich selbst verloren, denn sie habe es versäumt, interne Debatten zu führen. Die Basis werde zu wenig gefragt, die Führung der Partei sei zu wenig in der „ganzen Stadt“ präsent. Mohr-Hauke hält es auch für eine „Unverschämtheit“, wie mit der früheren Fraktionsvorsitzenden Ursula Busch umgegangen worden sei, die bei einer Kampfkandidatur knapp gegen den neuen Fraktions- und Parteivorsitzenden Müller verloren hatte. Sie fordert, die Partei solle mehr um Inhalte ringen und weniger „um Posten“, erntet für ihren Beitrag jedoch nur verhaltenen Applaus.Mehrfach wird kritisiert, dass einzelne Kandidaten zu sehr mit eigenen Plakaten für sich und nicht für die Partei geworben hätten. Carola Roma sieht „zu viel Egoismus“. Turgut Yüksel fordert eine solidarische Haltung, „weniger Individualität, mehr Kollektivismus“. Und auch Raven Kirchner moniert: „Wir hatten innerparteilich einen starken Konkurrenzkampf und waren nicht geschlossen genug.“Schließlich nominiert die SPD auch noch ihre Kandidaten für den ehrenamtlichen Magistrat. Es sind Ina Hauck, Gregor Amann, Robin Brünn und Raven Kirchner. Derzeit stellt die Partei zwei ehrenamtliche Stadträte.