Vance in Emmen gelandet – Vizepräsident gibt sich optimistisch vor Verhandlungen in der SchweizDer amerikanische Vizepräsident Vance ist am Sonntag in der Schweiz gelandet, um dort den Auftakt für die Verhandlungen mit Iran zu begleiten. Doch allein dieser erste Schritt gestaltete sich unerwartet schwierig.21.06.2026, 08.04 Uhr4 LeseminutenVizepräsident Vance (Mitte) und seine Frau (links) reisten am Samstag von einer Militärbasis in Maryland aus weiter in die Schweiz.Elizabeth Frantz / APDer amerikanische Vizepräsident J. D. Vance ist, begleitet von seiner schwangeren Ehefrau, am Sonntagmorgen um 6 Uhr am Militärflugplatz Emmen gelandet, um mit Iran formal die Verhandlungen für einen Friedensvertrag einzuleiten. Es sind die ersten direkten Gespräche zwischen den USA und Iran seit dem Gipfel in Islamabad im April.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Ich denke, wir werden hoffentlich Fortschritte in der Atomfrage erzielen und auch in der Frage der Waffenruhe im Libanon vorankommen», sagte Vance vor dem Abflug, als er an der Militärbasis Joint Base Andrews in Maryland zwischenlandete. Auf diese zwei Punkte werde er sich konzentrieren. Er selbst könne aber nur einen, maximal zwei Tage vor Ort sein.Vance flog los, nachdem die Iraner in der Schweiz gelandet warenDie Verhandlungen finden ab Sonntag im Resort Bürgenstock statt; Medienvertreter, auch der NZZ, reisten dort am Sonntagmorgen an. Die Gespräche hätten eigentlich – mit Vance am Verhandlungstisch – bereits am Freitag beginnen sollen. Gemäss Medienberichten waren bereits die Tische im Bürgenstock eingedeckt gewesen, als dann in letzter Minute doch alles verschoben wurde, weil Iran die Teilnahme seiner Delegation zunächst plötzlich absagte. Diese ist nun allerdings doch seit Samstag am Luzerner See zugegen. Nachdem die Iraner tatsächlich in der Schweiz gelandet waren, flog auch Vance in Maryland ab.Stellvertretend für die amerikanische Regierung sind neben Vance auch Trumps Sondergesandter Steve Witkoff und sein Schwiegersohn Jared Kushner vertreten. Sie waren bereits am Samstag angereist und sollen die technischen Details der Verhandlungen vorbereiten. Als dritte Partei sind Intermediäre aus Pakistan sowie aus Katar vor Ort, die zwischen Iran und USA vermitteln wollen. Der Vorsitzende der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEA ist gemäss Medienberichten ebenfalls anwesend.Die Hoffnung der Amerikaner ist, dass Vances Anwesenheit bei den Gesprächen am Sonntag den Anstoss gibt für weitere produktive Verhandlungen in den nächsten zwei Monaten. Das von Trump unterzeichnete, völlig unverbindliche Rahmenabkommen mit Iran gibt diesen Zeitrahmen vor, um ein konkreteres Friedensabkommen zu finden.Iran behauptete, die Strasse von Hormuz sei geschlossenIm Vorfeld der Gespräche hatte am Samstag für Aufsehen gesorgt, dass Iran auf einmal behauptet hatte, dass es die Strasse von Hormuz geschlossen habe – ein Verstoss gegen das jüngst geschlossene Rahmenabkommen mit den USA. Iran begründete den Schritt damit, dass Israel gegen die Waffenruhe im Südlibanon verstossen habe, was seinerseits das Rahmenabkommen verletzt habe. Tatsächlich wurden bei Gefechten seit der Unterzeichnung des Abkommens am Mittwoch 47 Menschen in Libanon und 4 israelische Soldaten getötet.Doch das US Centcom, das für die Region zuständige regionale Kommando der amerikanischen Streitkräfte, widersprach der Behauptung, dass die Meerenge geschlossen sei. 55 Schiffe mit unter anderem 17 Millionen Barrel Öl als Ladung hätten die Meerenge am Samstag passiert. Die US-Streitkräfte verteidigten die «Wahrung der Freiheit der Schifffahrt» weiterhin, teilte Centcom auf der Plattform X mit.Auch Präsident Trump meldete sich zur Strasse von Hormuz am Samstag zu Wort: Während und nach dem 60-tägigen vorläufigen Waffenstillstand mit Iran werde keine Maut für die Durchfahrt dort erhoben, schrieb er auf Truth Social – es sei denn, die USA führten eine ein, sollten die Friedensgespräche scheitern. Der Vorfall zeigt allerdings, wie schwierig es in den nächsten zwei Monaten werden dürfte, dass beide Parteien tatsächlich am Verhandlungstisch bleiben.Katar soll 6 Milliarden Dollar an Iran freigebenAller harten Rhetorik zum Trotz bemühen sich die Amerikaner tunlichst, den Iranern Anreize zu schaffen, damit es zu einer Einigung über das Rahmenabkommen hinaus kommt. Wie das «Wall Street Journal» am Samstag berichtete, versucht Washington gerade, dass Iran wieder Zugriff auf die insgesamt 100 Milliarden Dollar seiner Gelder erhält, die weltweit eingefroren sind, und zwar für humanitäre Zwecke. Das am Mittwoch unterzeichnete Rahmenabkommen zwischen den zwei Kontrahenten sieht die Freigabe solch eingefrorener Mittel vor.In einem ersten Schritt verhandeln die USA deswegen nun mit Katar, das sechs Milliarden Dollar an iranischen Geldern hält. Demnach könnte Irans Zentralbank humanitäre Güter wie Essen und Medikamente bestellen und Katar würde sie mit eingefrorenen iranischen Geldern bezahlen. Der Schritt ist ein Beispiel dafür, wie Washington Teheran dazu bewegen will, in den kommenden sechzig Tagen am Verhandlungstisch zu bleiben.Für dieses und andere Zugeständnisse muss die Regierung Trump in Washington zurzeit viel Kritik einstecken, auch innerhalb der eigenen Partei. Die vorherrschende Sicht ist, dass die USA den Iranern viel zu viele Zugeständnisse gemacht habe. Entsprechend gross ist nun der Druck auf die amerikanischen Verhandlungsführern auf dem Bürgenstock, Fortschritte präsentieren zu können – und sich nicht noch mehr Zugeständnisse an die Iraner entlocken zu lassen.Vizepräsident Vance hatte bei mehreren Medienauftritten vor seiner Abreise am Samstag versucht, eine harte Haltung zu markieren. «Wir üben erheblichen wirtschaftlichen Druck auf die Iraner aus, den wir jedoch bereit wären zu lockern, wenn sie das tun, was wir von ihnen erwarten», sagte er gegenüber Fox News.Konkret erhoffen sich die Amerikaner von dieser ersten Runde an Gesprächen am Bürgenstock, dass Teheran nun als nächsten Schritt Inspekteure der Vereinten Nationen ins Land einlädt. Diese würden die Nuklearanlagen an den Orten begutachten, die von Israel und den USA bombardiert worden waren, wie die Nachrichtenplattform Axios berichtete. Der letzte derartige, uneingeschränkte Besuch von UN-Inspekteuren fand im Juni 2025 statt.Passend zum Artikel