„Spice up your life“: Das ist nicht nur das Motto der Spice Girls, sondern auch dieser royalen Girlgroup. Im Musical „Six“ wetteifern die sechs Frauen von Heinrich VIII. darum, welche es am schwersten hatte unter dem Joch des Ehemanns. Das wollen viele sehen. Die Alte Oper Frankfurt ist nahezu ausverkauft, einige Besucher sind in Kostümen gekommen.„Geschieden, geköpft, gestorben – geschieden, geköpft, überlebt“: Dieser Merkspruch fasst die Schicksale der sechs Königsgemahlinnen zusammen. Doch warum sollte das Ende ihrer Ehen ihr einziges Vermächtnis sein? Das wollen die Queens ändern. Catherine Parr etwa, die sich für die Bildung von Frauen einsetzte. Oder Catherine Howard, die schon mit 13 Jahren der Begierde älterer Männer ausgesetzt war.Über Heinrich und seine Frauen wurde viel geschrieben, die Beziehungsdramen oft verfilmt. Der König, der im England des 16. Jahrhunderts herrschte, gilt als Enfant terrible der Tudor-Dynastie. Für seine Ehe mit Anne Boleyn löste er sich von der katholischen Kirche, ihre gemeinsame Tochter Elisabeth I. führte England als Königin zur Weltmacht.Mit Glitzer und Netzstrümpfen zur EmanzipationDie Macher des 2017 uraufgeführten Musicals, Toby Marlow und Lucy Moss, haben sich für ihre Figuren von bekannten Popdiven inspirieren lassen. Zunächst ist da Katharina von Aragon (LaSasha Aldredge), die mit ihrer schnellen R&B-Nummer an Beyoncé erinnert. Von ihr ließ Heinrich sich scheiden, um Anne Boleyn (Yna Montarde) zu heiraten.Die bekannteste der Tudor-Frauen besingt ihre Hinrichtung in Lilly-Allen-Manier mit einem poppigen Gute-Laune-Song. Ihr folgte die Deutsche Anna von Kleve (Jodie Knight), die sich darüber echauffiert, dass der König sie nicht attraktiv genug fand und nach der Scheidung auf ein Landschloss ausquartierte. Die Rihanna des 16. Jahrhunderts.„Six“ ist kein klassisches Musical voller opulenter Bühnenbilder und ausführlich erzählter Heldenreisen. Vielmehr gleicht es einem emanzipatorischen Popkonzert. Mit zwei Tonys und einem Grammy wurde es ausgezeichnet, für die Musik und die Kostüme (Gabriella Slade). Sie verbinden glitzernde, in bunten Farben leuchtende Korsetts mit den für die Zeit typischen kegelförmigen Röcken, Netzstrümpfen und nietenbesetzten Lederstiefeln.Techno-Dancebreak: Die Queens versingen ihre Schicksale bei ihrem Popkonzert.Pamela RaithSo wie auch Catherine Howard (Sammy Timbers) sie trägt, die ebenfalls ihren Kopf hinhalten musste. Der hohe Pferdeschwanz und die mädchenhafte Naivität erinnern an frühere Auftritte von Ariana Grande. Emotionsgeladene Balladen liefern dagegen Emily Dawson als Jane Seymour, die im Kindbett starb, und Eve Kitchingman als Catherine Parr, die Heinrich überlebte. Adele und Alicia Keys in königlichem Gewand.Sie machen History zu HerstoryWas „Six“ ausmacht, sind die popkulturellen Bezüge, auch wenn nicht alle englischen Wortwitze beim deutschen Publikum ankommen. Es ist eine wahre Freude, die unzähligen Referenzen zu entdecken, von Destiny’s Child, „I’m a survivor“, bis zu Beyoncés „Ladies, now let’s get in (re)formation“. Nimm das, Taylor Swift! Diese sechs sind die wahren Königinnen der Easter Eggs.Die Queens machen History zu Herstory, das ist moderner Geschichtsunterricht. Schon Lin-Manuel Mirandas Musical „Hamilton“ hat gezeigt, dass das funktioniert. Wie auch bei „Six“ sind bei dem Stück über den amerikanischen Gründungsvater die Hauptdarsteller People of Color. Ein Akt der Emanzipation, an diesem Abend sind auch die vielen sexuellen Anspielungen ein solcher Akt. Warum der König ihr den Kopf genommen habe, fragt sich Anne Boleyn. „Er muss meinen Kopf ziemlich gemocht haben.“Auch Hans Holbein, Hofmaler des Königs, findet Eingang ins Musical. Mit einer Schwarzlicht-Techno-Nummer stellen die Queens die potentiellen Heiratskandidatinnen vor, die Holbein damals malte. Wie bei einer Datingapp wird nach links oder rechts gewischt, bis die nächste Ehefrau gefunden ist. Ja, es gibt sechs von ihnen, doch am Ende bleibt die Erkenntnis: Eine Frontfrau braucht es nicht. Sie alle haben gleichermaßen unter Heinrich VIII. gelitten.„Six“, Alte Oper Frankfurt. Weitere Aufführungen bis 28. Juni.
Musical "Six" in Frankfurt: Anne Boleyn und Katharina von Aragon schreiben ihre Geschichte um
In der Alten Oper Frankfurt laden die sechs Frauen von Heinrich VIII. zum emanzipatorischen Popkonzert. Die Frage des Abends: Wer gewinnt beim Gesangswettstreit um die größte Schmach?
Das Musical "Six" reinszeniert Heinrichs VIII. Ehefrauen als Popkonzert – Frankfurts Alte Oper fast ausverkauft. Pop-Reframing klassischer Narrative via diverser Besetzung und moderne Referenzen generieren breites Audience Engagement – Strategie für Narrative Marketing.









