PfadnavigationHomeRegionalesHamburgTheaterVon Riefenstahl zum NachkriegsskandalStand: 16:20 UhrLesedauer: 4 MinutenHerbert von Karajan (Lucca Züchner, l.) und Leonard Bernstein (Helen Schneider) im Hotel Sacher in WienQuelle: Maria BaranovaDas Programm der Hamburger Kammerspiele für die kommende Spielzeit hat es in sich: Verhandelt werden neben dem aufziehenden Faschismus auch moralische Zwickmühlen und ein Hamburger Nachkriegsskandal um den jüdischen Musiker Harry Hermann Spitz.Künstlerisch läuft es rund an den Hamburger Kammerspielen, wo auch schwierige Themen auf der Bühne verhandelt werden. Der Zuspruch des Publikums blieb in Vergleich zu den Vorjahren in etwa gleich, liegt in der laufenden Saison bei rund 62.000 Zuschauern, wie Intendant Axel Schneider bei der Vorstellung des Spielplans für die kommende Saison bekanntgab. „Das sind für den anspruchsvollen Spielplan gute Zahlen“, sagte Schneider, „wir wollen uns da auch nicht verbiegen und nur noch auf die Zuschauerzahlen gucken.“ Dabei wolle sein Theater aber auch „gut unterhalten“ und „lebendig bleiben“, so der Intendant. Die kommende Saison beginnt am 3. September mit der Uraufführung des musikalisch-literarischen Abends „Auf Wunder ist Verlass“ von Mathias Schönsee. Die sechsköpfige Crew des Schiffes „Deutschland“ setzt alles daran, den Kahn wieder flottzumachen. Es folgt am 4. Oktober die Premiere von „Der Gang vor die Hunde“, einer szenische Lesung mit Musik nach dem Roman „Fabian“ von Erich Kästner, eingerichtet von Martin Brambach, Christine Sommer und dem Christian Hammer Trio. Die Premiere erfolgt in Absprache mit dem Deutschen Schauspielhaus, wo jüngst die rundum gelungene Inszenierung „Fabian“ von Dušan David Pařízek Premiere feierte und weiter im Spielplan bleibt. Der Abend in den Kammerspielen nähert sich dem Thema anders.Fortgesetzt wird an den Kammerspielen die Reihe „Der Tatortreiniger“ mit einer zweiten Staffel, Regie führen bei den Folgen „Über den Wolken“, „Anbieterwechsel“, „Nicht über mein Sofa“ und „Sind sie sicher“ Ulrich Bähnk, Björn Kruse, Nina Pichler und Cornelia Schirmer. Am 11. November führen dann auf der Bühne der Kammerspiele Joseph Goebbels (Wolfram Koch) und Jacqueline Macaulay als Leni Riefenstahl im Stück „Stahltier – in Riefenstahls Schatten“ von Albert Ostermaier ein Gespräch über die Kunst des Kameramannes Willy Zielke, der zum Spielball und Opfer der Anbiederung an die Macht wird. Das Stück ist eine Koproduktion mit dem Renaissance-Theater Berlin und dem Théatre National de Luxemburg. Regie führt Frank Hoffmann. Dokumentartheater über Harry Hermann SpitzGilla Cremer bringt an den Kammerspielen ihr neues Stück „Zum Sterben schön“ heraus, in dem sie laut Ankündigung „mit Witz und Tiefe die letzten Dinge des Lebens“ verhandelt, kurzum: Es geht um den Umgang mit dem Tod (Premiere: 17. November). „Inter Alia“, das neue Stück von Suzie Miller („Prima Facie“) knüpft thematisch an den Erfolg ihres Erstlings an und bringt diesmal eine Richterin in Bedrängnis, die sich auf sexuelle Nötigung spezialisiert hat. Doch diesmal soll ihr Sohn der Täter sein. Eine der spannendsten Produktionen der kommenden Spielzeit wird das Projekt „Long ago and far away“ von Michael Batz, der in einem Dokumentartheaterstück das Leben des jüdischen Musikers und Musikredakteurs Harry Hermann Spitz erzählt. Der Auschwitzüberlebende und ehemalige Leiter der Musikabteilung des Nordwestdeutschen Rundfunks wurde in der 50er-Jahren erneut zum Opfer, als ein Kriminalpolizist, der zuvor für die Gestapo dänische Widerstandskämpfer verfolgt hatte, gegen ihn ermittelte, weil Spitz angeblich seine Biografie gefälscht habe, sich unrechtmäßig als NS-Verfolgter ausgegeben und so finanzielle Vorteile aus Wiedergutmachungsregelungen gezogen habe. Die Vorwürfe wurden von weiteren ehemaligen Nationalsozialisten unterstützt, wegen ihrer Haltlosigkeit jedoch schließlich eingestellt. Wiederaufnahmen runden das Programm abBatz hat bereits in Staatsarchiven recherchiert und hofft nun auf Zugang zu den Archiven des NDR, der sich mit Blick auf Spitz wie andere Institutionen seiner Geschichte stellen müsse. Laut Batz stellte der Sender sich nicht entschieden genug hinter den verdächtigten Redakteur, sodass dieser sein Amt aufgab. Spitz, seit seiner KZ-Zeit in ärztlicher Behandlung, starb 1961 im Alter von 62 Jahren und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Ohlsdorf bestattet. Die Premiere des Theaterstücks ist für den 21. Februar 2027 geplant. Darüber hinaus wird es eine Reihe von Wiederaufnahmen erfolgreicher Stücke geben, die zum Teil seit mehreren Jahren für ein ausverkauftes Haus sorgen, darunter die „Vodka-Gespräche“ von Arne Nielsen mit Catrin Striebeck und Karoline Eichhorn sowie „Last Call – Letzte Runde“ von Peter Danish mit Helen Schneider und Lucca Züchner.
Theater: Von Riefenstahl zum Nachkriegsskandal - WELT
Das Programm der Hamburger Kammerspiele für die kommende Spielzeit hat es in sich: Verhandelt werden neben dem aufziehenden Faschismus auch moralische Zwickmühlen und ein Hamburger Nachkriegsskandal um den jüdischen Musiker Harry Hermann Spitz.






