PfadnavigationHomeRegionalesHamburgÄlteste PrivatbankBaFin entmachtet überraschend die Berenberg-SpitzeStand: 12:43 UhrLesedauer: 4 MinutenDie Berenberg Bank hat ihren Hauptsitz an der Hamburger AußenalsterQuelle: Daniel Bockwoldt/dpaDie Finanzaufsicht greift bei der traditionsreichen Hamburger Privatbank zu einem ihrer schärfsten Instrumente. Die Befugnisse der drei Geschäftsleitungsmitglieder ruhen. Auslöser sind nach Angaben der Bank Hinweise auf mögliche Corporate-Governance-Verstöße.Die Hamburger Privatbank Berenberg steht vor einem tiefen Einschnitt in ihrer Führung. Seit Freitag ruhen auf Anordnung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Befugnisse der drei Geschäftsleitungsmitglieder des Hauses. Berenberg hat den Schritt selbst öffentlich gemacht; die BaFin bestätigte ihn auf Anfrage von Nachrichtenagenturen. An die Stelle der bisherigen Führung treten zwei Sonderbeauftragte: der frühere langjährige Berenberg-Chef und spätere Verwaltungsratsvorsitzende Hans-Walter Peters sowie der frühere Degussa-Bank-Vorstand Michael Horf. Nach Angaben der Bank übernehmen sie ab sofort die Geschäftsleitung.Lesen Sie auchDer Auslöser ist nach Darstellung des Instituts in der Jahresabschlussprüfung für 2025 zu finden. Dabei hätten sich „Hinweise auf mögliche Corporate-Governance-Verstöße“ ergeben. Betroffen gewesen seien insbesondere bestimmte Markttransaktionen „mit unklarem Hintergrund“, bei deren Aufklärung die nötige Transparenz gefehlt habe. Mehr ist bislang öffentlich nicht bekannt. Weder die Mitteilung der Bank noch die von Agenturen verbreiteten Bestätigungen der Aufsicht nennen die betroffenen Geschäfte im Einzelnen oder benennen konkret, gegen welche internen oder gesetzlichen Regeln verstoßen worden sein könnte.Nach Berichten von Bloomberg und Fachmedien betrifft die Maßnahme die drei persönlich haftenden Gesellschafter Hendrik Riehmer, David Mortlock und Christian Kühn. Ihre Befugnisse als Mitglieder der Geschäftsleitung ruhen derzeit. Ein außergewöhnlicher Eingriff der Aufsicht Wie gewichtig der Eingriff ist, zeigt die eigene Beschreibung der BaFin. In einem Fachbeitrag nennt die Behörde Sonderbeauftragte eines ihrer „schärfsten Instrumente“. Auf Grundlage von § 45c Kreditwesengesetz kann sie Sonderbeauftragte bestellen, die entweder Maßnahmen überwachen oder – im gravierenderen Fall – Aufgaben eines Organs oder Organmitglieds übernehmen und damit an die Stelle der bisherigen Leitung treten.Die BaFin schreibt zudem, ein solcher Schritt greife massiv in die Organisation eines beaufsichtigten Unternehmens ein und stehe häufig am Ende einer Kette aufsichtlicher Maßnahmen. Genau das macht den Vorgang bei Berenberg so außergewöhnlich: Hier wird nicht ein Teilbereich beaufsichtigt, sondern die operative Führungsspitze insgesamt ersetzt. Berenberg betont Stabilität im Kundengeschäft Die Bank selbst bemüht sich um Begrenzung des Schadens. In ihrer Mitteilung heißt es, die operative Führung, die Umsetzung der Geschäftsstrategie sowie die Arbeitsplätze seien von den Veränderungen nicht betroffen. Hans-Walter Peters erklärte zudem, das Kundengeschäft sei von den in Rede stehenden Verstößen nicht berührt worden; Kunden seien nicht geschädigt worden. Bis über die weiteren Schritte entschieden ist, übernimmt Peters in der Geschäftsleitung den Bereich Markt und Kundenthemen, Michael Horf verantwortet den Bereich Marktfolge. Unterstützt werden beide nach Angaben der Bank von Laura Janssens und Frederik Gottlob aus der erweiterten Geschäftsleitung. Auch wirtschaftlich versucht das Institut, ein Signal der Stabilität zu senden. Die Bank rechnet nach Angaben von Peters für 2025 mit einem positiven Jahresergebnis in der Größenordnung von 20 Millionen Euro; das erste Halbjahr 2026 dürfte demnach mit einem „sehr guten Ergebnis“ von rund 40 Millionen Euro abschließen. Zum Vergleich: Ende Januar 2025 hatte Berenberg für das Geschäftsjahr 2024 einen Jahresüberschuss von 81,6 Millionen Euro gemeldet. Die damals veröffentlichten Zahlen zeigten zudem 39,2 Milliarden Euro verwaltetes Vermögen und 1.528 Mitarbeiter in der Gruppe. Der Eingriff trifft ein Haus im Umbau Der Vorgang fällt in eine Phase, in der Berenberg ohnehin tiefgreifende Veränderungen eingeleitet hatte. Ende 2025 kündigte die Bank an, ihre Struktur neu zu ordnen und die Zahl der Hauptgeschäftsbereiche zu reduzieren. Corporate Banking sowie Wealth und Asset Management wurden in einem neuen Zentralbereich zusammengeführt; parallel blieb die Investmentbank als zweiter Zentralbereich bestehen. Schon vor dem jetzigen Eingriff gab es außerdem Berichte über Schwierigkeiten beim Jahresabschluss 2025. Im April meldeten Fachmedien, Berenberg habe den Abschluss ungewöhnlich lange nicht vorgelegt und ringe offenbar mit den Wirtschaftsprüfern über Bewertungsfragen. Das Institut selbst äußerte sich dazu damals öffentlich nicht inhaltlich. [Für Berenberg ist der Fall dennoch schon jetzt ein schwerer Reputationsschaden. Das Institut verweist selbst auf seine Gründung im Jahr 1590 und auf seine Präsenz in Hamburg, Frankfurt, London und New York. Wenn die BaFin bei einem Haus dieser Tradition die operative Führung durch Sonderbeauftragte ersetzt, ist das ein Vorgang mit Signalwirkung – für die Bank selbst und für den deutschen Finanzplatz.jlau