KommentarDank AKW-Ja: Die Grünen sind wieder daMit den Schweizer Grünen geht es seit längerem nur bergab. Nun ergreifen sie das Referendum gegen den Atomkraftentscheid des Parlaments und können wieder hoffen. Der Abstimmungskampf fällt ins Wahljahr 2027.20.06.2026, 06.22 Uhr3 LeseminutenAtomkraft? Immer noch «nein danke»: Dank der neuen AKW-Politik des Parlaments kann die Grünen-Präsidentin Lisa Mazzone auf politischen Aufwind hoffen.KeystoneOhne das Reaktorunglück von 1986 in Tschernobyl wäre die Grüne Partei der Schweiz wohl immer noch nicht viel mehr als eine lose Vereinigung verschiedener mehr oder weniger ökologisch interessierter Linksbündnisse. Erst die Explosion in Block 4 und die Verseuchung von 150 000 Quadratkilometern Land machten es möglich, dass die im selben Jahr gegründete Partei am Schluss als Wahlsiegerin dastand.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die SP hatte mehr als 4 Prozentpunkte verloren, die FDP, die CVP und die SVP mussten ebenfalls leicht Federn lassen, die Grünen jedoch machten einen Sprung um 2,25 Punkte und landeten knapp unter der 5-Prozent-Grenze.Von da an kletterten die Wahlresultate alle vier Jahre etwas weiter nach oben. Bis der Partei 2019 die Klimakrise und der damalige Hitzesommer einen riesigen Sprung ermöglichten. Bei den Gesamterneuerungswahlen 2019 gewann die Partei 6,1 Punkte und kam auf historische 13,5 Prozent.Was danach geschah, könnte man mit einem Liedtitel von Hildegard Knef überschreiben: «Von nun an ging’s bergab.» Bei den folgenden Wahlen von 2023 sanken die Grünen wieder auf unter 10 Prozent Wähleranteil, und auch in den Kantonen verloren sie Wahl für Wahl.Als Ein-Themen-Partei hängt das Schicksal der Öko-Partei stark davon ab, wie sehr sich die Bevölkerung um das Klima sorgt. 2019 rangierte das Thema auf dem Sorgenbarometer weit oben, seither hat es an Brisanz eingebüsst. Die Schweizerinnen und Schweizer sorgen sich zwar immer noch um das Klima, mehr aber noch beschäftigen sie die hohen Gesundheitskosten und die Finanzierung der AHV.Noch 2023 hatten die Grünen offen mit einem Bundesratssitz geliebäugelt. Doch daraus wurde nichts. Nicht einmal ihr politischer Zwilling, die SP, stellte sich klar hinter den Bundesratskandidaten der Grünen. Der Angriff auf die FDP scheiterte kläglich. Der Hoffnungsträger der Grünen, Gerhard Andrey, erhielt lediglich 59 Stimmen.Seither hat sich das Verhältnis der Grünen zu den Sozialdemokraten nie mehr richtig erholt. Die Grünen stehen in Bern weitgehend isoliert da. Von den Grünliberalen trennt sie ein ideologischer Graben, die SVP interessiert sich null für die Kleinpartei, und die Mitte und die FDP hegen beim Stichwort Grüne stets einen Hintergedanken. Beide kämpfen bei den kommenden Wahlen um den zweiten Bundesratssitz. Ob der gerettet werden kann oder nicht, könnte auch von den Grünen abhängen.Lisa Mazzone, die das Parteipräsidium 2024 übernahm, weiss das. Tapfer – und etwas allein – kämpft sie um jedes bisschen Aufmerksamkeit. Unermüdlich versucht sie die politische Konkurrenz und die Medien auf die Grünen und ihr Programm aufmerksam zu machen. Bis jetzt mit mässigem Erfolg.Doch nun hat sich das Blatt gewendet. Am Donnerstag hat nach langem Hin und Her auch der Nationalrat beschlossen, das nach Fukushima eingeführte Verbot von Atomkraftwerken wieder aufzuheben. Der Ausbau der erneuerbaren Energien stockt – auch wegen der Grünen. Die ehrlichen Alternativen wären Weiterhoffen auf ausländischen Importstrom und der präventive Bau grosser Gaskraftwerke als Absicherung in stromarmen Wintern. Doch auf diese Diskussion wollen sich die Grünen gar nicht erst einlassen.Gemeinsam mit Sozialdemokraten, Grünliberalen und verschiedenen Umweltorganisationen haben sie das Referendum angekündigt. Auf Lisa Mazzone wartet «die Abstimmung des Jahrzehnts». Endlich haben die Grünen ihr Thema zurück und sind nicht mehr allein.Laut jüngsten Umfragen halten zwar 59 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer den Bau von modernen Atomkraftwerken der neuesten Generation für sinnvoll. Doch die Grünen haben ihre politische Existenzberechtigung noch nie mit Realpolitik begründet. Ihnen geht es um Ideale und um die nationalen Wahlen. Abgestimmt wird voraussichtlich Anfang 2027.Passend zum Artikel
Dank AKW-Ja: Die Grünen sind wieder da
Mit den Schweizer Grünen geht es seit längerem nur bergab. Nun ergreifen sie das Referendum gegen den Atomkraftentscheid des Parlaments und können wieder hoffen. Der Abstimmungskampf fällt ins Wahljahr 2027.
Schweizer Parlament revoziert Atomkraftverbot; Grüne lancieren Referendum 2027. Kernenergie-Expansion für Grid-Stabilität beeinflusst Stromkosten und Verfügbarkeit für European Data Centers; entscheidend für Cloud-Infrastructure-TCO in DACH-Region.











