«First Swiss Rockstar»: Ich werde gefolgt und gelikt, also bin ichIn seinem Erstlingsfilm nimmt der Berner Rob Holub die Mechanismen des Ruhms in Zeiten von Social Media auf die Schippe. Inspiriert hat ihn dabei sein eigenes Scheitern.19.06.2026, 16.05 Uhr3 LeseminutenRob Holub heischt in «First Swiss Rockstar» mit allen Mitteln um Aufmerksamkeit.Royal FilmDer Traum vom Ruhm ist so alt wie die Menschheit. Doch was ist die Währung dafür, etwa im heutigen Showbusiness? Sie gründet, so steht zu befürchten, kaum mehr auf Kunstfertigkeit. Talent kann zwar nicht schaden; aber solange es nicht durch digitale Reichweite beglaubigt ist, durch Klicks, Likes und Follower auf Social Media, ist es wenig wert.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Zu diesem Schluss führen so manche Zeitgenossen, die es zu Starstatus bringen (oder eben nicht). Und mit dieser Prämisse startet auch Rob Holub, gebürtiger Berner mit tschechischen Wurzeln, in seinen ersten Langfilm: Bei der stark autobiografisch gefärbten Mockumentary «First Swiss Rockstar» fungiert er als Regisseur, Autor, Produzent und Hauptdarsteller, wobei er sein Alter Ego überzeugend verkörpert. Es ist ein Hansdampf in allen Gassen, der ein Rockstar werden will, «grösser als unsere höchsten Berge, als Heidi, Käse, Schokolade».Die Jagd nach AufmerksamkeitPlattenfirmen in New York haben Rob klargemacht: Ohne Flut an Followern geht gar nichts – die Zielgrösse ist hunderttausend. Die ersten fünftausend sammelt er per Musikvideo mit angeklebtem Schnauz und hirnverbrannten Botschaften, als Mischung aus Cowboy, Robert Redford und Carlos Leal.Mit abstrusen Auftritten und Mitteln jagt er nach Aufmerksamkeit, schart ein skurriles Filmteam um sich, um seinen Aufstieg zum Star zu dokumentieren (oder zu fingieren, je nach Sichtweise). Ob er überhaupt etwas kann, ausser leidlich zu singen, scheint sekundär. In inszenierten Interviews behauptet er, schon als Kind gespürt zu haben, dass Musik für ihn der Kontakt nach aussen sei, zur Welt.Bald gerät er in seinen ersten Shitstorm, der zum Knick in der Follower-Kurve führt, ehe der Zufall ihm zu Hilfe eilt: Der Star in spe wird von der Polizei verhaftet, weil er sich ziemlich lächerlich im Widerstand gegen sie versucht hat. Er packt die Gelegenheit beim Schopf, um eine neue Message zu lancieren: Die Schweiz sei korrupt, die Auflehnung gegen die Obrigkeit eine Bürgerpflicht. Er gewinnt eine bekanntere Musikerin für ein systemkritisches Duett. In diesen Song zwischen Bombast-Rock und Rap, wie es einst für Falco typisch war, wirft er alles rein, was er an populistischen Feindbildern zu bieten hat: Geldwäscher, die Reichen, die Staatsgewalt.Tatsächlich wird er mit einem Popularitätsschub belohnt, doch der nächste Rückschlag lässt nicht lange auf sich warten. Ernüchtert beginnt er seine Persönlichkeit aufzuspalten, lässt sein zweites Ich in Seminarien auftreten und das Diktat der Social Media anprangern.Rob Holub, Jahrgang 1979, arbeitete als Videojournalist für diverse Fernsehstationen und wirbt heute für sich mit dem Hinweis, auf allen Bühnen daheim zu sein. Er tritt, mit entsprechendem Hochschulabschluss im Gepäck, zum Beispiel als «Medien- und Kommunikationsexperte» auf. Nur zum Rockstar hat es auch ihm (noch) nicht gereicht. Mit dieser unterhaltsamen filmischen Berg-und-Tal-Fahrt nimmt er also nicht zuletzt sich selbst auf die Schippe und spiegelt nach seinem Bekunden eigene Erfahrungen.Diese verpackt er in eine originelle Mischung aus Posse, Gesellschaftskritik und (unnötiger) Romanze. Allerdings verzettelt er sich in Nebenschauplätzen und versäumt es so, in die Tiefen seines Hauptthemas vorzudringen. Die Bildsprache erinnert entfernt an Michael Moores Dokumentarstil, mit bewusst trashigen Elementen, die oft etwas aufgesetzt wirken. Am stärksten ist der Film, wenn sich im Spagat zwischen Glamourwelt und Provinz die virtuelle Welt und die Realität vermengen, bis die Grenzen selbst für die Protagonisten verschwimmen.Das brauchte es laut Chris von Rohr einst für eine Karriere als Rockstar: «Etwas Talent, Charisma und einen kristallklaren Kopf.»Royal FilmDie Expertise des InfluencersJede auftretende Figur, ob fiktiv oder real, wird mit der Anzahl ihrer Follower vorgestellt — von null bis zu einer halben Million im Fall des existierenden Influencers Steve Merson. Dieser hat seinen Künstlernamen aus den Nachnamen von Freddie Mercury und Michael Jackson zusammengefügt und sich seine Fangemeinde mit trashigen Fast-Food-Tests erfressen. Im Film fungiert er als Experte für heutige Mechanismen des Ruhms und bezeichnet Influencer als die neuen Rockstars.Als Antipode zu Merson wird Chris von Rohr eingeführt, sozusagen ein leicht heiseres Echo aus den Zeiten der wahren Rockstars: Der 74-jährige ehemalige Krokus-Frontmann stellt klar, nie von Ruhm geträumt zu haben. Sie hätten einfach rocken und damit ihren Lebensunterhalt verdienen wollen. Drei Eigenschaften habe es dafür gebraucht: «Etwas Talent, Charisma und einen kristallklaren Kopf.» Die Jagd nach vernebelnden Likes und Klicks war damals noch weit entfernt.«First Swiss Rockstar»: im Kino (100 Minuten).Passend zum Artikel