Zwar gehört Burnham zu einer Strömung, die sich selbst als „weiche Linke“ bezeichnet, während Starmer als wenig enthusiastischer Erbe der sozialdemokratischen New-Labour-Ära Tony Blairs gilt. Aber Labour streitet gegenwärtig nicht über politische Inhalte, sondern ist mehrheitlich verzweifelt über den Mangel an politischer Präsentation und politischem Handwerk.Starmer setzte auf solides AuftretenStarmer war bei seinem Regierungsantritt vor zwei Jahren überzeugt, solides Auftreten genüge, um nach der riskanten Egozentrik seiner konservativen Vorgänger Johnson und Truss eine neue Vertrauensbasis mit den britischen Wählern zu schaffen. Er hatte seine Partei zuvor befriedet, aber nach 14 Oppositionsjahren nicht vorbereitet auf die harten Konsequenzen des Regierens. Ihm fehlten ein Programm, eine „Erzählung“ und eine kluge Auswahl von Mitarbeitern und Mitstreitern.Nun ist Starmer mit seinem Latein am Ende, aber zu einem freiwilligen Rückzug nicht bereit. Er will auf den Dolch der innerparteilichen Attentäter warten; Burnham hingegen will die politische Bluttat – trotz begründeter Siegeszuversicht – lieber vermeiden. Er hat ein besseres Gespür für das Wählerpublikum und ahnt, dass eine hässliche Tat statt eines harmonischen Übergangs auch sein Image bespritzen könnte.Die politische Wetterfühligkeit hat Burnham Starmer voraus. Aber eine vertrauensdüngende Vision oder ein konstruktives Programm hat auch er nicht. Immerhin taugte sein Wahlkampf im Stile eines Volkstribuns dazu, das rechtspopulistische, instinktsichere Volksempfinden Nigel Farages für eine Weile zu überstrahlen.