Keir Starmer in Not: Sein parteiinterner Konkurrent Andy Burnham gewinnt wichtige Wahl in EnglandDer beliebte Labour-Politiker Andy Burnham dürfte Premierminister Starmer bald herausfordern. Burnham spricht nach dem Sieg in der Nachwahl um den Parlamentssitz des Bezirks Makerfield von einem «Wendepunkt». Burnham will seine Partei neu ausrichten.19.06.2026, 07.48 Uhr4 LeseminutenDer Labour-Politiker Andy Burnham hat im Vereinigten Königreich einen Parlamentssitz gewonnen. Bald könnte er Keir Starmer herausfordern.Temilade Adelaja / Reuters(dpa) Dem britischen Premierminister Keir Starmer droht nach der Nachwahl im Wahlkreis Makerfield im Nordwesten Englands mehr denn je das politische Aus. Wie die Auszählung in der Nacht ergab, hat Starmers parteiinterner Konkurrent Andy Burnham den vakanten Parlamentssitz des Bezirks gewonnen. Als Parlamentsmitglied kann Burnham Starmer in eine Führungswahl zwingen - und ihn womöglich als Vorsitzenden der Labour-Partei und Premierminister ablösen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Dies könnte der «Wendepunkt» sein, sagte Andy Burnham in seiner Rede am frühen Morgen. «Ich werde alles geben, was ich habe, um dafür zu sorgen, dass der Name Makerfield für immer ein Synonym dafür ist, den Wandel herbeizuführen, den dieses Land braucht - und etwas zurückzubringen, das wir verloren haben: Hoffnung, Hoffnung auf die Zukunft.»Burnham holte in dem kleinen Wahlkreis, der normalerweise wenig mit der grossen Politik in Westminster zu tun hat, 24 927 Stimmen und damit knapp 10.000 Stimmen mehr als der Kandidat der rechtspopulistischen Partei Reform UK, Robert Kenyon. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,78 Prozent, von den weiteren Kandidatinnen und Kandidaten holte niemand mehr als 3200 Stimmen.Seinen Posten als Bürgermeister von Greater Manchester gibt Burnham zugunsten des Labour-Parlamentssitzes jetzt auf. Es sei an der Zeit auf Grundlage dieses Ergebnisses «eine neue Politik» aufzubauen, sagte Burnham in seiner Rede. Starmer erwähnte er darin nicht.Parteiinterner HerausfordererDer amtierende britische Premierminister Keir Starmer steht seit Monaten massiv unter Druck. Mehrere Minister wandten sich bereits von ihm ab – zuletzt der einflussreiche Verteidigungsminister John Healey. Schlagzeilen wie «Starmer am Abgrund» oder «Das Chaos kehrt nach Westminster zurück» häuften sich in den vergangenen Wochen in verschiedenen Abwandlungen.Zugespitzt hatte sich die Lage insbesondere durch die herben Verluste für Labour bei den Kommunal- und Regionalwahlen in England, Schottland und Wales Anfang Mai. Einen Rücktritt oder zumindest die Ausarbeitung eines Zeitplans für einen geregelten Rückzug hat Starmer aber bislang ausgeschlossen. Der Premier verwies immer wieder auf seinen grossen Wahlsieg im Sommer 2024 und den Auftrag, das Land aus der Krise zu führen.Entsprechend gross war die Hoffnung der Kritiker auf einen Nachwahlsieg von Burnham. Der charismatische 56-Jährige gilt als Liebling des moderat-linken Parteiflügels. In Manchester erarbeitete er sich den Ruf eines bodenständigen Machers mit Visionen. Vor knapp zehn Jahren hatte Burnham das Parlament nach einem gescheiterten Versuch, an die Parteispitze zu gelangen, verlassen. Jetzt gilt als sicher, dass er sehr bald den nächsten Versuch ankündigt.Um Starmer herauszufordern, benötigen Burnham und weitere mögliche Kandidatinnen und Kandidaten die Unterstützung von jeweils 20 Prozent der Labour-Abgeordneten, derzeit sind das 81. Dann würde eine Urabstimmung unter den Mitgliedern und weiteren Wahlberechtigten folgen. Als aktueller Vorsitzender stünde Starmer bei dieser Urabstimmung automatisch zur Wahl. Als weiterer Bewerber gilt der als Gesundheitsminister zurückgetretene Wes Streeting.Die Führungswahl wäre allerdings nicht innerhalb weniger Tage erledigt – sondern folgt einem festen Prozess, der sich über Wochen oder gar Monate ziehen könnte. Weil dieser naturgemäss von einem parteiinternen Wahlkampf begleitet werden wird, spielt das Labour-Chaos vor allem auch den Gegnern im Parlament in die Karten. Reform, die Partei von Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage, macht seit Monaten Stimmung gegen die Regierung. Farage selbst hat kein Geheimnis daraus gemacht, selbst Premierminister werden zu wollen. Die nächste reguläre Unterhauswahl ist erst für 2029 vorgesehen.Burnham oder Reform?Dass ausgerechnet ein Bezirk im Nordwesten Englands plötzlich so entscheidend für die britische Zukunft wurde, hat nichts mit der Region an sich zu tun. Ausgelöst wurde die Nachwahl durch den Rücktritt des bisherigen Parlamentsabgeordneten Josh Simons, der nach den desaströsen Kommunal- und Regionalwahlen seinen Sitz räumte, um Burnham die Rückkehr nach Westminster zu ermöglichen und einen Führungswechsel bei Labour anzustossen.Verbunden war das mit dem Risiko, dass Reform die Wahl gewinnen könnte - am Ende ging die Rechnung der Starmer-Gegner aber auf. Am Wahltag am Donnerstag wimmelte es in dem Bezirk von Wahlkämpfern aller Parteien. Auch Burnham fuhr gross auf und machte Werbung für sich auf den letzten Metern.Gewonnen hat Burnham Beobachtern zufolge nicht, weil er Labour angehört - sondern weil er als Typ beliebt ist. Auf die Frage, wo das Kreuzchen gesetzt wird, hiess es bei der Wahl oft: «Burnham oder Reform» - aber kaum je «Labour oder Reform». «Hoffentlich Andy» war das Motto vieler Labour-Befürworter – offiziell auch von Keir Starmer, der seinen Parteikollegen unterstützen musste. Stark gemacht hat er damit aber eben auch seinen jetzt grössten Herausforderer.Passend zum Artikel
Keir Starmer in Gefahr: Andy Burnham könnte Labour-Führung übernehmen
Der beliebte Labour-Politiker Andy Burnham dürfte Premierminister Starmer bald herausfordern. Burnham spricht nach dem Sieg in der Nachwahl um den Parlamentssitz des Bezirks Makerfield von einem «Wendepunkt». Burnham will seine Partei neu ausrichten.
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