Erderwärmung, Artensterben, Süßwasserverbrauch: Die reichsten zehn Prozent der Erdbevölkerung tragen überproportional zur Zerstörung der Umwelt bei. Nur durch seinen Konsum verursacht dieses Zehntel pro Jahr Umwelt- und Klimaschäden in Höhe von schätzungsweise zwischen 1,7 und 5,7 Billionen US-Dollar (rund 1,5 bis 4,9 Billionen Euro), wie Forschende der niederländischen Universität Leiden und der englischen Universität Oxford im Fachjournal Communications Sustainability schreiben. Die Verursacher sollten daher vermehrt in die Pflicht genommen werden, mahnen die Wissenschaftler.„Die Schadenssumme ist höher als die Mittel, die weltweit für Klima- und Biodiversitätsfonds benötigt werden“, erklärt Hauptautorin Inge Schrijver aus Leiden. Die Berechnungen betreffen lediglich die Kosten durch den Konsum, die Folgen etwa von Finanzinvestitionen wurden nicht berücksichtigt. „Das Verhalten jener zehn Prozent, zum Beispiel durch regelmäßiges Fliegen und große Autos, verursacht den Schaden“, sagt Schrijver. Auch Fleisch essen und das Heizen mit Öl und Gas seien Beispiele.Zum Beispiel durch regelmäßiges Fliegen tragen die reichsten zehn Prozent überproportional zur Zerstörung der Umwelt bei. Gareth Fuller/PA Wire via dpaDie oberen zehn Prozent seien auch deshalb wichtig, weil sie den größten Einfluss hätten, Umweltschäden zu verringern, so Co-Autor Paul Behrens von der Universität Oxford. Sie entschieden mit ihren Investitionen, welche Branchen sich ausbreiteten. Und mit ihrem Lebensstil definierten sie mit, was in der Gesellschaft als normal gelte.In der Studie untersuchte das Team die Folgen des Konsums für einige ausgewählte planetare Belastungsgrenzen: Etwa die Hälfte der verursachten Schäden – 47 bis 56 Prozent – entfällt der Berechnung zufolge auf das Artensterben, an zweiter Stelle folgt der Klimawandel mit 36 bis 45 Prozent. Die Folgen der Anreicherung mit Stickstoff beziffert das Team auf sechs bis acht Prozent, die Anreicherung mit Phosphor und die Folgen für Süßwasser beziffert es jeweils auf unter zwei Prozent. Andere planetare Grenzen wie etwa die Versauerung der Meere oder Änderungen der Landnutzung blieben außen vor.Das Team betont, die reichsten zehn Prozent der Menschen seien ungleich über die Erde verteilt. 60 Prozent von ihnen leben demnach in den USA und in der Europäischen Union (EU), nur etwa zwei Prozent in Indien. Diese reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung verursachen pro Person der Studie zufolge durchschnittliche Umweltkosten in Höhe von 2300 bis 7500 US-Dollar pro Jahr (etwa rund 2000 bis 6500 Euro). Allerdings sind die regionalen Unterschiede enorm. So sind die Schäden pro Kopf etwa in den USA deutlich höher als in Indien.Kosten umlegen nach VerursacherprinzipDas Team berechnete die Kosten des Umweltabdrucks mit Daten aus dem Jahr 2017 anhand eines Referenzhandbuchs für die Monetarisierung von Umweltschäden, dem sogenannten „Environmental Prices Handbook“. Die Schwankungsbreite der Zahlen spiegelt die Unsicherheit in den Schätzungen wider – insbesondere etwa für die Kosten durch den Verlust von Artenvielfalt.Die Forschenden sprechen sich dafür aus, die Umwelt durch Regulierungen stärker zu schützen und die Verursacher der Schäden stärker in die Pflicht zu nehmen – eine Möglichkeit wären etwa eine Umweltsteuer oder eine Art Wohlstandsteuer. „Würde der Verursacher zahlen und dieses Geld in Lösungen fließen, könnte das einen enormen Unterschied machen“, erläutert Schrijver. „Gleichzeitig geht es um mehr als Geld: In erster Linie müssen Schäden verhindert werden. Deshalb sind neben finanziellen Maßnahmen auch strengere Regeln und Vorschriften entscheidend.“