Auf Hochzeiten lauern so manche modischen Fettnäpfchen. Die Zürcher Stylistin Claudia Schacher gibt sieben Tipps, damit es nicht so weit kommt.Es ist wieder einmal so weit: Der Sommer ist da und mit ihm die Hochsaison für Hochzeiten. Ob auf einem Landsitz in der Toskana, in einem Schlösschen in der Normandie oder auf einer romantischen Hütte in den Schweizer Bergen: Nach Monaten der Planung geben sich zwei Menschen vor den Augen ihrer Familien und Freunde das Jawort. Die Erwartungen an den Tag sind hoch, schliesslich kostet eine Hochzeit nicht wenig, und man erlebt ihn in der Regel nur einmal im Leben.Doch so hoch die Erwartungen, so gross sind auch die Gefahren potenzieller Stolpersteine. Das Wetter, das nicht gut ist, die Blumen, die zu spät eintreffen, das Catering, das nicht schmeckt – und die Freundin des Cousins, die versehentlich für die Braut gehalten wird, weil sie in einem weissen Kleid erscheint. Als Gast trägt man nicht unwesentlich zum Gelingen des grossen Tages bei – und das nicht nur durch seinen Umgang mit Gratisdrinks bei der Afterparty, sondern auch durch seine Kleiderwahl.Damit Sie in kein modisches Fettnäpfchen treten, das Ihnen die Braut noch Jahre später nachtragen wird, haben wir die Zürcher Designerin und Gründerin des Brautlabels Piqyourdress Claudia Schacher nach sieben Tipps gefragt, wie man sich als Hochzeitsgast passend kleidet.Ein Ort sagt mehr als tausend WorteEs ist nicht unüblich, dass bereits in der Einladung auf einen klaren Dresscode verwiesen wird. Fehlt dieser Hinweis, ist die Interpretation des Gastes gefragt. «Ist kein expliziter Dresscode vorgegeben, lohnt es sich immer, auf den Ort der Hochzeit zu achten. Dieser sagt viel über die allgemeine Stilausrichtung des Festes aus», so Claudia Schacher. «Findet die Hochzeit beispielsweise auf einem Schloss statt, ist ein eleganterer Look in Form eines bodenlangen Kleides sicher passender als bei einer Gartenhochzeit.» Bei einer sommerlichen Gartenhochzeit ist auch der Dresscode lockerer. Getty Images Auch die Art des Essens – ob formell am Tisch oder stehend bei einem Apéro riche – kann einen Hinweis darauf geben, wie förmlich man als Gast auftreten sollte. «Eine Möglichkeit ist auch immer, das Outfit anzupassen. Wenn die Hochzeit beispielsweise zuerst traditionell in der Kirche stattfindet, wo Schultern und Décolleté bedeckt sein müssen, und es im Anschluss mit einer Party weitergeht, kann man über dem schulterfreien Kleid einen Schal oder ein dünnes Oberteil tragen», so die Designerin.ZweiteilerAb einem gewissen Alter wird man nicht selten einmal jährlich zu einer Hochzeit eingeladen, bis alle heiratswilligen Freunde und Bekannten den Gang zum Altar gewagt haben. Um nicht für jede Feier ein neues Kleid kaufen zu müssen, lohnt es sich daher, in vielseitig kombinierbare Stücke zu investieren. Vom Nachhaltigkeitsgedanken einmal abgesehen, macht es auch mehr Freude, wenn man sich beim Kauf eines Hochzeitsoutfits für etwas entscheidet, das man erneut anziehen kann – beim Tragen wird man immer wieder an den besonderen Tag erinnert. Ein schöner Rock und ein dazu passendes Oberteil sind immer ein gutes Outfit für eine Hochzeit und können auch im Alltag einfach umgenutzt werden. Getty Images Claudia Schacher findet Zweiteiler in dieser Hinsicht besonders praktisch. «Ob unten Röcke oder Hosen, oben Blusen oder Shirts: Zweiteiler lassen sich immer wieder neu und flexibel kombinieren. Mit ihnen hat man nicht nur ein Outfit, sondern gleich mehrere.» Für einen eleganteren Auftritt wählt man das Unter- und das Oberteil in derselben Farbe. Um einen lässigen Kontrast zu schaffen, nimmt man zwei unterschiedliche Töne oder kombiniert Muster mit Unistoffen. Auch beim Material kann man variieren: «Ein Rock aus Spitze oder Tüll funktioniert hervorragend mit einem Seidentop – oder umgekehrt.»Farben vergleichenWeiss ist ein No-Go – das versteht sich von selbst. Andere beliebte Sommerfarben, etwa Buttergelb oder Champagner, können aber verdächtig nahe an die Farbe der Braut herankommen. «Ist das der Fall, empfehle ich immer, bei der Braut nachzufragen, welchen Weisston ihr Kleid genau hat, um das eigene Kleid mit diesem Farbton abzugleichen. Trägt die Braut beispielsweise eine Robe in Schneeweiss, finde ich die Farbe Champagner absolut in Ordnung. Anders sieht es aus, wenn das Brautkleid einen Crèmeton aufweist. Dann würde ich dem Gast eine Farbe mit einem stärkeren Kontrast empfehlen, um sich entsprechend von der Braut abzuheben», meint Claudia Schacher. Sei man unsicher, lohne es sich zudem immer, sich das Kleid der Braut vorab zeigen zu lassen. So gehe man auf Nummer sicher. Pastellfarben sind sommerlich und frisch, leider aber auch gefährlich nahe an Weiss. Imago Bordeaux- vor Knallrot, Dunkelblau vor SchwarzNeben Weiss gilt auch die Farbe Rot in manchen Ländern und Kulturen als verpönt. Angeblich, so heisst es, sei ein rotes Kleid ein Zeichen dafür, dass man mit dem Bräutigam eine Liebesbeziehung hatte (oder immer noch hat). Das stimmt vermutlich in den wenigsten Fällen, trotzdem ist Rot eine sehr auffällige Farbe, weswegen auch Claudia Schacher eher davon abrät. «Hochzeitsgäste haben bei ihrer Outfit-Wahl in erster Linie darauf zu achten, dass sie dem Brautpaar nicht die Show stehlen. Ein knallrotes Kleid hat durchaus das Potenzial, ebendies zu tun. Deswegen empfehle ich stattdessen Töne in Richtung Bordeaux- oder Korallenrot.»Bei der Farbe Schwarz gehen die Meinungen auseinander. «Ich habe mit vielen Bräuten zu tun gehabt, die sich kein Schwarz an ihrer Hochzeit wünschten, da sie es zu düster fanden. Für andere ist es wiederum völlig in Ordnung. Wenn man unsicher ist, würde ich trotzdem davon abraten.» Wenn man dunkle Farben bevorzugt, ist ein dunkles Blau, Grün oder Braun eine schöne und weniger dunkle Alternative. Ähnlich wie Schwarz stehen auch diese Farben den allermeisten und schmeicheln der Figur.«Bei Männern ist ein schwarzer Anzug hingegen absolut in Ordnung», findet die Zürcher Designerin. «Ein schwarzer Anzug ist schlicht, klassisch und daher immer eine gute Wahl bei Festlichkeiten.» Ähnlich wie bei den Frauen rät Claudia Schacher auch männlichen Gästen dazu, die Kleiderwahl des Bräutigams im Voraus abzuklären, damit es zu keinem peinlichen Partnerlook kommt. «Aber sonst gibt es bei Männern schon deutlich weniger Fettnäpfchen als bei Frauen.» Für seine neue Kollektion hat Piqyourdress den Farbton Schokoladenbraun in sein Sortiment aufgenommen. Piqyourdress Wenn unten kurz, dann oben bravNeben der Farbe des Kleids sind auch die Tiefe des Ausschnitts und die Länge des Kleides Fragen, die weibliche Hochzeitsgäste gerne verunsichern. Das komme immer auch auf den Ort der Hochzeit an, dennoch empfiehlt die Designerin, sich für etwas zu entscheiden, das eine gewisse Harmonie in das Outfit bringt. «Wenn man ein Kleid mit einem auffallend tiefen Ausschnitt trägt, finde ich es angemessen, wenn das Kleid dafür unten eine gewisse Länge hat. Umgekehrt kann ein kurzes Kleid oben wiederum hochgeschlossen sein oder lange Ärmel haben – entweder man zeigt oben Haut oder unten.» Wenn ein Kleid einen tiefen Ausschnitt hat, empfiehlt Claudia Schacher, unten eine gewisse Länge zu tragen. Die beiden Kleider stammen ebenfalls aus der neuen Kollektion des Zürcher Labels. Piqyourdress Flache Schuhe tun es auchTrägt man im Alltag nie High Heels, ist es vermutlich keine gute Idee, sich an einer Hochzeit wieder einmal an den 9 Zentimeter hohen Tretern zu versuchen. Gerade im Sommer finden Hochzeiten oft auf Rasen oder Kies statt, sie dauern den ganzen Tag und enden nicht selten auf der Tanzfläche. Zudem gibt es genügend flache Schuhe, die genauso elegant sind.«Für all jene Personen, die trotzdem nicht auf hohe Schuhe verzichten wollen, sind solche mit Blockabsatz definitiv die bequemere Wahl. Auch sollte man immer ein Pflaster bei sich haben oder es sogar bereits auf potenziell problematische Stellen aufkleben», empfiehlt Schacher. «Mit schmerzenden Füssen hat es sich sonst schnell ausgefeiert.» Flache Schuhe, etwa Ballerinas, können durchaus auch elegant wirken. Getty Images Dem Wetter zum TrotzFindet die Hochzeit im Sommer statt, sind hohe Temperaturen natürlich nicht auszuschliessen – gerade bei der Trauung sitzt man als Gast nicht selten in der prallen Sonne. Das Schwitzen lässt sich zwar nicht vermeiden, aber dafür die Schweissflecken, die ein sonst wunderbar leichtes Seidenkleid in solchen Momenten schnell zur falschen Wahl werden lassen. «Achten Sie darauf, dass Seiden- und Chiffonkleider ein leichtes Innenfutter haben. Damit zeichnet sich nichts Unangenehmes ab», so die Stylistin.Den männlichen Hochzeitsgästen empfiehlt Claudia Schacher bei starker Hitze Anzüge aus leichten Stoffen wie Leinen. Kurze Hosen hingegen sind für die Designerin ein No-Go – egal, wie heiss es ist. «Ich finde kurze Hosen bei Männern zu wenig festlich. Schliesslich ist es immer noch eine Hochzeit.»Trifft hingegen das andere Extrem ein und es gibt einen plötzlichen Herbsteinbruch mit Regen und Wind, rät Claudia Schacher zu einem leichten Wollschal oder einer lässigen Strickjacke über dem Kleid: «Ich mag den Kontrast, den diese eher groben Materialien zusammen mit leichten Sommerstoffen ergeben.» Auch Capes seien derzeit sehr gefragt. Ein übergrosser Blazer ist ebenfalls eine lässige Wahl bei schlechtem Wetter, gerade wenn das Kleid tailliert ist. Er bildet eine schöne Ergänzung zum Outfit, ohne es zu verhunzen.Zur Person Claudia Schacher ist Modedesignerin und Stylistin aus Zürich. Vor elf Jahren gründete sie zusammen mit ihrer Cousine Gabi Elia das Label Piqyourdress. Das Unternehmen fokussiert sich neben Brautmode vor allem auf die Kleidung von Hochzeitsgästen. Jedes Stück wird in Zürich eigens von Claudia Schacher entworfen. Die Kleider können im Online-Shop bestellt oder im Showroom an der Binzstrasse 29 in Wiedikon anprobiert und individuell angepasst werden. (Bild: Joy van den Top) Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.