PfadnavigationHomeICONISTModeDesignerin Frankel Hirsch„Je verschmutzter das Hochzeitskleid, desto besser war die Party!“Veröffentlicht am 11.04.2026Lesedauer: 7 MinutenBrautkleid Manon aus der Kollektion von Danielle Frankel Hirsch, sie arbeitet mit über 100 Weißtönen

Quelle: BirkenstockDie New Yorker Designerin Danielle Frankel Hirsch wird für ihre lässig-extravagante Hochzeitsmode gefeiert – und entwarf nun Birkenstock-Sandalen dazu. Ein Gespräch über Coolness, Schwiegermütter im Ankleideraum und aufatmende Zehen.Lässigkeit ist nicht unbedingt ein Wort, das einem beim Thema Hochzeitskleid einfällt. Die Entwürfe der New Yorker Designerin Danielle Frankel Hirsch werden genau dafür gefeiert: jung und federleicht wie frisch geschlagene Sahne – und dazu zieht sie ihren Models Birkenstocks an! Flache Schuhe liegen im Trend, Stilettos verschwinden. Man sieht es auf den Laufstegen wie im Leben – immer weniger Designer entwerfen für High Heels. „Frauen wollen sich auf ihrem Weg nach oben oder in die Ehe nicht mehr von hohen Absätzen behindern lassen“, erklärt die 36-jährige Designerin ihre seidige Revolution, die jetzt sogar in die konservative Bastion des Heiratens vordringt. Frankel plädiert für Laissez-faire – und der weltweit berühmte Hersteller der Korksohlen setzt immer mehr auf Couture. Nun finden beide in der Mitte zusammen - mit perlenbestickten und handbemalten Clogs und Satin-Sandalen, die die Amerikanerin erstmals zusammen mit der Schuhmarke entwarf und in Paris vorführte. Schuhe perfekt für den Übergang zwischen Get-Ready, Traualtar, Empfang und Brautentführung, tun sie ihren Dienst noch in der Nacht nach dem letzten Walzer. Und wenn es so ist wie im Film „Die Braut, die sich nicht traut“, dass man, noch bevor das Ja-Wort gesprochen wird, plötzlich kalte Füße bekommt, ist man in ihnen auch schneller auf und davon – und leiser! Frankel selbst ist keine Frau der lauten Töne. Das Lauteste, das man an diesem Nachmittag in einer Bar im Pariser 2. Arrondissement wahrnimmt, ist das Funkeln eines taubeneigroßen Diamanten an ihrem Finger. Hier bekennt sie gleich Farbe: „Es musste ein Vintage-Ring sein. Das war mir wichtiger als mein Brautkleid.“WELT: Mrs Frankel Hirsch, es gibt doch diese Hochzeitsregel, dass man etwas Geliehenes, Neues, Altes und etwas Blaues an sich tragen sollte. Wie stehen Sie zu gebrauchten Hochzeitskleidern?Danielle Frankel Hirsch: Meine Mutter hat zu ihrer Hochzeit das Kleid der Schwester meines Vaters getragen, die dann ihre Schwägerin wurde. Meine Tante hatte es ursprünglich in Paris anfertigen lassen. Es war so schön, dass sie sich in das Kleid verliebte. WELT: Trotzdem ist es ja immer nur eine kurze heftige Affäre mit dem Hochzeitskleid. Gibt es Bräute, die es auch zweimal tragen? Frankel Hirsch: Einige unserer Kundinnen investieren – wenn es ihr Budget erlaubt – fünf- bis sechsstellig in Maßanfertigungen. Wir bieten Kleider ab 3000 Euro, aber mir ist völlig klar, dass auch das nicht für jede Braut infrage kommt. Oft lohnt sich dann eher ein Blick in die Kleiderschränke der Familie. Lesen Sie auchWELT: Sie haben die Brautmode vom Kitsch befreit und schneidern auch für die Töchter von berühmten Rockstars und Politikern. Zum „Großen Weißen“ empfehlen Sie jetzt Gesundheits-Sandalen. Kann man ernsthaft in Birkenstocks heiraten, Frau Frankel Hirsch?Frankel Hirsch: Ja, klar, es war ja auch meine Idee. Wir alle tragen sie – warum nicht auch an einem solchen Tag? Ich muss mich doch nicht auf High Heels stellen, um mich sexy oder schöner zu fühlen. Barfuß in Sandalen ist wie Yoga für die Füße, man ist vielmehr in Kontakt mit sich selbst. Alles sieht auch moderner aus zu flachen Schuhen, finde ich. Ich frage mich, warum Frauen überhaupt so verrückt nach hohen Schuhen sind?WELT: Weil Füße nicht zunehmen?Frankel Hirsch: In Stilettos, glauben viele, seien sie weiblicher oder Situationen gewachsener. Das halte ich für ein Missverständnis. High Heels können eine Frau natürlich künstlich größer machen, gehen jedoch muss sie immer noch allein. Die eigentliche Stärke bringt sie also selbst mit.WELT: Soll der Bräutigam dann die High Heels tragen?Frankel Hirsch: Muss er gar nicht. Es gibt auch eine Sandale für den Mann, schwarz, Satin, die passt sogar zum Smoking. Aber Disproportionen zum Partner können auch lustig sein. Offen gestanden fiel mir ja der Begriff ‚Brautmode‘ immer schwer. Ich bin einfach keine Bridezilla. Mein Fokus liegt auf Design, in klassischen Brautmodengeschäften habe ich mich selten wiedergefunden. Darum habe ich angefangen, selbst zu entwerfen.Lesen Sie auchWELT: Nach dem Pandemie-Einbruch 2020 wird der globale Markt für Hochzeitskleidung auf 61 Milliarden Dollar geschätzt. Es wirkt beinahe so, als würde sich der angestaute Heiratswille Bahn brechen, weil die Menschen endlich wieder heiraten dürfen. Wie beobachten Sie das?Frankel Hirsch: Es wird, das fällt mir auf, ausgefallener gefeiert denn je. Früher lief es, klassisch, zu Hause ab oder man hat einen Raum im Hotel gemietet. Alle haben im Prinzip gleich gefeiert, trotzdem wurden Hochzeiten nicht langweilig. Und wenn jemand ausgeholt und mit einer ausgefallenen Location, einer Scheune auf dem Land oder einem Partyzelt ein bisschen auf dicke Hose gemacht hat, war das schon spektakulär. Heute werden Partyplaner engagiert, Haubenköche eingeflogen und gleich mehrtägige Motto-Feste im Ausland arrangiert. WELT: Heute geht’s auch nicht mehr nur um die Gäste im Saal, man feiert ebenso für sein Instagram-Profil. Frankel Hirsch: Das Selbstverständnis hat sich gewandelt: Früher haben die Eltern die Hochzeit ausgerichtet, heute gestalten die Paare selbst. Identität spielt eine große Rolle. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Individualisierung wichtiger ist denn je. Jeder möchte mit seinem eigenen Stil das zum Ausdruck bringen, was ihn im Innersten ausmacht – das zeigt sich auch bei der Kleidung: Das Kleid soll nicht die Braut tragen, sondern die Braut das Kleid. WELT: Auf Ihrer Website sieht man ein Modell „Babs“, das mit Perlen besetzt und zugleich so transparent ist, dass man fast nackt wirkt. Wie weit darf ein Kleid zurücktreten? Frankel Hirsch: Ich persönlich mag es lieber bedeckt. Männer wollen auch bemüht werden, etwas zu entdecken. Aber jede Kundin entscheidet natürlich, was sich für sie selbst richtig anfühlt. WELT: Auch die Meerjungfrau kommt in Ihrer Hochzeitskollektion vor: Welcher Frauentyp steckt in dem ,Raphaella‘-Kleid – und entscheidet sich dazu, eine Art Fischschwanz zur Hochzeit zu tragen?Frankel Hirsch: Die USA, UK, Australien und der Nahe Osten sind unsere stärksten Märkte. Besonders junge Frauen wollen weg vom traditionellen Bild, hin zu etwas Eigenwilligem, manchmal auch leicht Unheimlichen. Oder sich im Laufe des Abends verwandeln und peu à peu etwas ablegen. Zeit und Geld für einen Outfitwechsel haben die wenigsten, die feiern lieber durch. Lesen Sie auchWELT: Geht es vor allem darum, schön auszusehen oder soll das Kleid eher ein Gefühl verstärken? Frankel Hirsch: Neulich las ich über das Comeback des Korsetts und wie Frauen durch stundenlanges Einschnüren ihren Körper über Monate hinweg in bestimmte Formen zwingen. Zudem verändern GLP-1-Medikamente wie Diätspritzen den Blick auf die eigene Figur – und das, was als Ideal gilt. Ich frage mich: Soll es wirklich nur noch um Perfektion gehen? Natürlich möchte man schön aussehen, aber viel wichtiger ist doch, dass wir uns wohlfühlen in dem, was wir tragen. Ich habe in den Bergen von Malibu geheiratet, in einem Trenchcoat, den ich selbst genäht hatte, mit einem Pullover darunter, weil es eiskalt war. Am Abend davor hatte ich mir schnell noch eine Schleppe gebastelt. Es fühlte sich alles so wunderbar unaufgeregt an – genau, was ich wollte: eine ungezwungene Hochzeit, meinen Tag genießen, statt darauf zu achten, ob mein Rocksaum in irgendeiner Pfütze hängt. Wir sagen immer zu unseren Bräuten: Je verschmutzter das Kleid, desto besser war die Party! Flecken sind das beste Indiz für ein gelungenes Fest! WELT: Erkennt man schon im Fitting Room, ob eine Ehe hält? Frankel Hirsch: Wir kennen es doch alle: Am nervigsten sind die Nerven. Gewisse Dynamiken zwischen Müttern und Töchtern, Stiefeltern oder auch Schwestern und Freundinnen sind ab und an spürbar. Wir sind schon auch eine Art emotionale Unterstützung für die Braut. Gleichzeitig wird man, was schön ist, Teil einer Familie. WELT: Warum heiraten Menschen überhaupt?Frankel Hirsch: Aus Liebe? Manchmal ergibt es sich auch einfach aus dem Lauf der Dinge. Man will Erinnerungen schaffen. Gerade in diesen Zeiten ist es etwas Besonderes, eine Hochzeit zu planen, auf der alle auch einmal vergessen dürfen, dass das Leben nicht immer eine Party ist. Zur Person: Danielle Frankel HirschGeboren 1989 in L.A., studierte sie an der Parsons School of Design, bevor sie bei Vera Wang Wedding-Couture nach Maß erlernte. 2017 gründete sie mit 27 im New Yorker Garment District ihr eigenes Label „Danielle Frankel“, das sie als Creative Director gemeinsam mit ihrem Mann Joshua Hirsch, dem CEO des Unternehmens, führt. 55 Mitarbeitende beschäftigen sie. Ihre Kundinnen, darunter auch Naomi Biden und Zoë Kravitz, feiern die „Anti-Bridezilla“ für ihre überraschend unkonventionellen und extravaganten Entwürfe. Für Birkenstock entwarf die Amerikanerin eine exklusive Kollektion aus sechs Hochzeitssandalen – teils handbemalt, teil aufwendig bestickt.