Trumps aussenpolitischer Machtanspruch stösst auf GranitRussland, China, Iran – an Amerikas strategischen Gegnern beisst sich der amerikanische Präsident die Zähne aus.19.06.2026, 05.30 Uhr6 LeseminutenPräsident Trump ist angetreten, um die weltweite Dominanz der USA wiederherzustellen. Bei seinem Besuch von Präsident Xi Jinping in Peking im Mai war davon wenig zu sehen.Evan Vucci / ReutersZu den schärfsten Kritikern des Nuklearabkommens mit Iran, das Präsident Obama im Juli 2015 abgeschlossen hatte, gehörte der damalige Immobilienkaufmann und Talkshow-Gastgeber Donald Trump. Im September 2015 schrieb er auf der Plattform Twitter: «Das Abkommen mit Iran wird als eines der inkompetentesten aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Die USA haben in praktisch jedem Punkt verloren. Wir gewinnen einfach nicht mehr!»Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Jetzt hat Trump selbst ein Abkommen mit Iran vereinbart, das Kritiker als noch schwächer einschätzen. Wenn stimmt, was bis jetzt bekannt ist, «dann gewinnt Iran». Das erklärte am Dienstag Nikki Haley, während Trumps erster Amtszeit amerikanische Uno-Botschafterin und republikanische Kandidatin für das Präsidentenamt im Jahr 2024. Mark Thiessen, ein Kolumnist der «Washington Post», der regelmässig mit Trump spricht, nannte die Freigabe erheblicher Summen für Iran ein Desaster.Dreifache KraftprobeMit der erfolgreichen Selbstbehauptung des iranischen Regimes hat der amerikanische Präsident zum dritten Mal bei wichtigen aussenpolitischen Machtdemonstrationen auf Granit gebissen. Erst hat ihm Russland seine Grenzen aufgezeigt, dann China und nun Iran.Damit ist der Dreiklang erfüllt: Alle drei zentralen strategischen Gegner der USA haben Trump dazu gezwungen, von seinen grossen Machtphantasien Abstand zu nehmen.Bei allen drei Gegnern handelt es sich um Rivalen, die Amerikas weltweite Vormacht bedrohen: in Europa, in Asien, im Nahen Osten. Zugleich sind sie auch systemische Gegner. Die autokratischen Eliten in Moskau, Peking und Teheran sehen in den USA die Verkörperung der Demokratie und damit den existenzbedrohenden Feind.Trump war im Januar 2025 mit der Zuversicht ins Amt gekommen, die Macht von allen drei Staaten zu brechen und die amerikanische Dominanz zu behaupten. Begonnen hat er mit Russland, wo er diplomatische Mittel einsetzte, um Putin zur Beendigung des Krieges gegen die Ukraine zu bringen. Dann folgte die ökonomische Kraftprobe mit China und in diesem Jahr der massive Einsatz militärischer Mittel gegen Iran.Diplomatie mit RusslandTrump oszilliert in seiner Haltung zum Ukraine-Krieg stets zwischen der Parteinahme für die eine oder die andere Seite. Immer wieder lobt er Selenski, dann wieder geht er auf Abstand zur Ukraine und versucht, Moskau mit dem Versprechen von Zugeständnissen an den Verhandlungstisch zu bringen. Das Resultat dieser diplomatischen Bemühungen ist ernüchternd. Die Chancen für einen Waffenstillstand oder gar ein Friedensabkommen werden vom Verlauf des Krieges bestimmt, amerikanische Diplomatie ist nur ein Nebenschauplatz.Kritiker werfen Trump vor, zu wenig zu tun, um Russland unter Druck zu setzen. In jedem Fall steht fest, dass mit dem geringen Einsatz, den der US-Präsident bereit ist zu investieren, eine dominierende amerikanische Rolle nicht zu haben ist. Immer wieder distanziert sich Trump von diesem Krieg. Zuletzt erklärte er am G-7-Gipfel in Évian, Amerika habe damit «nichts zu tun», die USA seien «Tausende von Meilen entfernt».Im Wahlkampf hatte Trump immer wieder verkündet, er werde den Krieg in der Ukraine binnen 24 Stunden nach seiner Rückkehr ins Weisse Haus beenden. Nachdem erste diplomatische Versuche nichts gefruchtet hatten, kam es im August 2026 in Anchorage (Alaska) zum direkten Treffen zwischen ihm und Präsident Putin – Ergebnis gleich null. Doch Trump, der diesen Krieg zu einem zentralen Punkt seiner Aussenpolitik gemacht hatte, versuchte es weiter. Im November präsentierte Washington einen Friedensplan, der anschliessend modifiziert wurde. Immer wieder erklärte Trump, eine Einigung stehe unmittelbar bevor. Doch davon ist nichts zu sehen.Wladimir Putin und Donald Trump treffen sich Mitte August 2025 zur Aushandlung eines Endes des Ukraine-Krieges auf der Joint Base Elmendorf-Richardson in Alaska.APHandelskrieg mit ChinaWährend Trump im Verhältnis zu Russland auf Diplomatie setzte, nutzte er im Verhältnis zu China zunächst wirtschaftliche Druckmittel. Im Frühjahr 2025 erreichten die Zölle auf chinesische Produkte zeitweise über 145 Prozent. Zugleich versuchte die Trump-Regierung «neue Druckpunkte» gegenüber China zu finden, wie der Geoökonomie-Experte Kyle Chan schreibt, darunter Exportkontrollen, Hafengebühren, Visa-Beschränkungen und Sanktionen.China hat darauf mit einem eigenen erweiterten Instrumentarium reagiert. Insbesondere hat Peking das in langen Jahren sorgsam aufgebaute weitgehende Monopol auf seltene Erden genutzt, um Washington mit Exportbeschränkungen unter Druck zu setzen.Der von Trump gestartete Handelskrieg endete als Rohrkrepierer. Statt amerikanische Dominanz zu demonstrieren und China wirtschaftlich und politisch gefügig zu machen, legte Trumps Eskalation bloss Amerikas Schwächen und Verwundbarkeit vor der Weltöffentlichkeit offen.Seither versucht Trump, mit Xi Übereinstimmungen zu finden. Im Oktober 2025 trafen sich beide am Rande des Apec-Gipfels in Südkorea und vereinbarten einen Deal für ein Jahr: Amerika reduzierte die Zölle, während China seine Exportbeschränkungen für seltene Erden aufzuheben versprach. Das Abkommen wurde von Beobachtern als «Waffenstillstand» bezeichnet.Im Mai besuchte Trump Xi Jinping in China. Beide Seiten bezeichneten die Beziehung im Namen einer «strategischen Stabilität» als «konstruktiv». Xi allerdings machte in seiner Eröffnungsrede klar, dass er China als die kommende Führungsmacht sieht. Er erklärte, die sogenannte Thukydides-Falle müsse vermieden werden.Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping beim Besuch in Peking. Begleitet wurde der amerikanische Präsident von seinem Sohn Eric (r.) und dessen Ehefrau Lara (l.).The White House via ImagoDer antike griechische Historiker Thukydides war im 5. Jahrhundert vor Christus zu folgendem Schluss gekommen: «Es war der Aufstieg Athens und die Angst, die dadurch in Sparta ausgelöst wurde, die den Krieg unausweichlich machten.» Die implizite Botschaft von Xi Jinping interpretierte ein südkoreanischer Kommentator so: «Die USA befinden sich im Niedergang, und das Mandat des Himmels geht an China über. Die USA müssen dies akzeptieren und dürfen nicht versuchen, diesen Prozess mit militärischen Mitteln aufzuhalten.»Krieg mit IranIm Anschluss an den drei Monate dauernden Iran-Krieg sind die USA weiterhin mit einem Regime konfrontiert, das keine Bereitschaft zeigt, auf weitgehende amerikanische Forderungen einzugehen. Obschon die iranische Führung in grossen Teilen getötet wurde, darunter die Führungsfigur Ayatollah Ali Khamenei, zeigt sich die neue Führungsmannschaft nicht weniger entschlossen als die alte, Amerika die Stirn zu bieten.Allerdings kam Trump immer stärker unter Druck, die Konfrontation zu beenden. China hatte mit den seltenen Erden eine geoökonomische Waffe gefunden, um die USA in die Defensive zu drängen. Für Iran erfüllt die Blockade der Strasse von Hormuz dieselbe Aufgabe.Der Krieg war für die USA kostspielig, und er war unpopulär. Das Ergebnis ist eine Rückkehr zum Status quo ante – wieder bleiben den USA als einzige Option nur Verhandlungen über einen neuen Atomdeal. Nachdem das Mittel der Peitsche erfolglos angewandt wurde, bleibt jetzt im Wesentlichen nur noch das Mittel Zuckerbrot, also wirtschaftliche Anreize.Trump wird alle Hände voll zu tun haben, um eine negative Rückwirkung dieses missglückten Krieges auf die amerikanischen Kongresswahlen im November zu verhindern. Die Entscheidung, Iran anzugreifen, hat bereits zu einer Entfremdung des Antikriegslagers der amerikanischen Rechten geführt. Wenn Trump nun einen schwachen Deal mit der iranischen Führung abschliesst und dieser erhebliche Finanzmittel zur Verfügung stellt, dann verliert er auch das Lager der klassischen Republikaner, die im Sinne von Ronald Reagan auf «Frieden durch Stärke» setzen.Eine Satellitenaufnahme vom 25. Februar 2026 zeigt das Ölterminal auf der iranischen Insel Khark im Persischen Golf. Die Anlage dient als wichtigster Knotenpunkt für die Erdölexporte des Landes.Planet Labs via ReutersTrumps IrrtumTrumps Markenzeichen ist der Machismo: Immer geht es um die Demonstration der eigenen Überlegenheit. Wenn die Welt sich dem amerikanischen Präsidenten unterwirft und ihm huldigt, hat er bewiesen, dass er Amerika «wieder gross» gemacht hat, wie sein Wahlkampfslogan lautet.Das funktioniert in weiten Teilen der Welt, die sich in mehr oder minder grosser Abhängigkeit von der militärischen, ökonomischen und technologischen Supermacht Amerika befinden. Es funktioniert aber nicht mit jenen Ländern, die sich als Gegner der USA verstehen.Im Fall des militärisch schwachen Venezuela liess sich die Gegnerschaft noch mit einer schnellen Kommandoaktion brechen. Gegen Russland, China oder Iran würde ein echter Sieg jedoch einen ganz anders dimensionierten Einsatz amerikanischer Machtmittel erfordern. Dazu ist aber weder der Präsident noch das Land bereit.Trumps Problem ist, dass er die globale Machtbalance immer wieder falsch einschätzt. Er hält die Gegner für schwach und für bedürftig – als würden sie nur darauf warten, beste Freunde Washingtons zu werden.Das aber ist eine massive Fehleinschätzung. Für die autokratischen Regime in Moskau, Peking und Teheran ist Amerika das Hauptproblem: Es steht ihrer regionalen Machtentfaltung entgegen, und es bedroht als Inkarnation der Demokratie die Machtbasis dieser Regime zu Hause.Der neue Modus der Trump-Aussenpolitik ist daher der Waffenstillstand. Man hat die Kräfte gemessen und hat festgestellt, dass keiner den anderen leicht besiegen kann. Man gibt die eigenen Ziele nicht auf, aber man verlagert ihre Verwirklichung in die Zukunft. Bis dahin setzt man darauf, in eine vorteilhaftere Position zu kommen.All das spricht dafür, dass die Zeit der aussenpolitischen Abenteuer Trumps vorbei ist. Die internationale Sturm-und-Drang-Phase des nun 80-jährigen Präsidenten dürfte zu Ende sein. Trump musste lernen, dass ihm der Fokus auf Aussenpolitik innenpolitisch nicht viel einbringt oder sogar schadet. Bis auf weiteres dürfte er sich auf die Sicherung der eigenen Machtbasis zu Hause konzentrieren. Und vielleicht wieder etwas mehr Golf spielen.Passend zum Artikel
Trumps Machtanspruch scheitert an Russland, China und Iran
Russland, China, Iran – an Amerikas strategischen Gegnern beisst sich der amerikanische Präsident die Zähne aus.






