Man möchte diesen Berliner Sommer ja wirklich lieben. Die Abende riechen nach Lindenblüten und lauem Asphalt, das Bier im Biergarten ist kalt, und die Sonnenbrille sitzt bis 21.30 Uhr auf der Nase. Berlin könnte im Juni das pure Paradies sein – wäre da nicht das klitzekleine Detail, dass man sich von A nach B bewegen muss. Sobald man versucht, diese Stadt zu durchqueren, mutiert die sommerliche Leichtigkeit zu einem schweißtreibenden Survival-Trip.
Schienenersatzverkehr ist das neue Normal, Regionalbahnen lösen sich im digitalen Nirgendwo auf, und auf den Straßen schiebt sich eine Blechschlange stoßstangenküssend vorwärts. Und dann gibt es diese Tage, an denen das System vollends kapituliert. Tage, an denen die berüchtigte „Störung im Betriebsablauf“ ein tragisches Gesicht bekommt. Unsere Redakteure berichten, was sie im täglichen Pendel-Wahnsinn so erleben.
Wer plant so etwas?
Was ist nur aus dieser Stadt geworden! Man möchte doch bloß morgens zur Arbeit und abends wieder nach Hause kommen. Stattdessen legt die Bahn – mal wieder – die wichtige S-Bahn-Strecke zwischen Baumschulenweg und Grünau beziehungsweise dem Hauptstadtflughafen BER lahm. Die Züge bleiben im Depot, die Fahrgäste werden in Busse verfrachtet. Schienenersatzverkehr, kurz SEV, nennt sich dieses Berliner Dauerprovisorium.











