PfadnavigationHomeSportFußballWMNationalmannschaftWarum Leroy Sané in der Startelf bleiben wirdStand: 19:02 UhrLesedauer: 6 MinutenDie deutsche Nationalmannschaft bereitet sich auf das zweite Gruppenspiel vor. Am Samstag geht es gegen das Team der Elfenbeinküste. „Wir vertrauen in Julian Nagelsmann“, sagt Antonio Rüdiger.Leroy Sané polarisiert seit Jahren. Im ersten WM-Spiel lässt er zwar Torchancen aus, doch von seinen Teamkollegen gibt es Lob. Es ist ein unterschätzter Faktor, der Sané noch wertvoll machen kann.Vor dem Training beginnt die wilde Fahrt. Leroy Sané steuert das Golf-Cart bei 31 Grad über das Gelände der Wake Forest University zum W. Dennie Spry Stadium, und seine Mitfahrer Antonio Rüdiger und Jamal Musiala halten sich zur Sicherheit ordentlich fest – Sané fährt zügig und schwungvoll. Die Wege vom Hotel der Fußball-Nationalmannschaft zum Trainingsplatz sind kurz, das Trio lacht auf der Fahrt viel.So dynamisch und zielsicher wie der Offensivspieler das Elektrogefährt hinter der Tribüne in Winston-Salem einparkt, hätten ihn viele gern beim 7:1 zum WM-Start gegen Curaçao gesehen. Sané arbeitete als Spieler auf der rechten Außenbahn viel für die Mannschaft und war präsent, doch er ließ Torchancen ungenutzt.Am Samstag (22.30 Uhr/ZDF, MagentaTV und Liveticker auf WELT) tritt Deutschland im zweiten Gruppenspiel in Toronto gegen die Elfenbeinküste an. Alle im deutschen Camp sind sicher: Dieses Spiel wird deutlich schwieriger als das erste. Vor der Partie wird viel über Sané gesprochen. Wieder mal.Sané ist 30 Jahre alt. Es ist sein fünftes großes Turnier. Und nach gerade einmal einer Partie sieht er sich sofort wieder einer öffentlichen Diskussion über seinen Status in der Nationalelf ausgesetzt.„Er ist ein Spieler, der alles kann“, sagt Julian NagelsmannNach dem bitteren WM-Ausfall von Jungstar Lennart Karl kurz vor WM-Start vergab Julian Nagelsmann den vakanten Startplatz auf dem rechten Flügel an Sané. Der Bundestrainer hatte für den Offensivprofi von Galatasaray Istanbul die Rolle des Herausforderers für diese Position vorgesehen, hieß es. Doch im Fußball können sich die Dinge schnell ändern. Karl fehlt, Sané ist in der Startelf.Lesen Sie auchSehr vieles spricht dafür, dass Nagelsmann, der bei der EM 2024 in allen drei Vorrundenspielen auf die gleiche Startelf setzte, ihn auch gegen die Elfenbeinküste von Beginn an bringen wird. Seine Trainingsleistungen in North Carolina stimmen, in der Mannschaft ist er beliebt und sorgt für gute Laune.Nagelsmann hat Sané schon beim FC Bayern trainiert. Der 38-jährige Fußballlehrer hat einen Weg gefunden, ihn anzustacheln. Nach einer klaren Ansage im vergangenen November schoss Sané zwei Tore beim 6:0 in der WM-Qualifikation gegen die Slowakei. Und im Test gegen die USA kurz vor der WM traf er zum 2:1. „Er ist ein Spieler, der alles kann. Er muss nur alles geben“, sagte Nagelsmann im vergangenen Jahr. Und: „Bei Leroy ist erstmal die Bewertungsgrundlage, wie viel er investiert.“ Das Investment, der Einsatz gegen Curaçao waren nicht das Problem, Sané gab alles. Es fehlte nur das Tor.Würde Nagelsmann Sané rausnehmen, würde er ohne echte Not die Statik seiner Mannschaft ändern. Er könnte Deniz Undav bringen – der als Joker aber aktuell sehr wertvoll ist, nach seiner Einwechslung im ersten Gruppenspiel traf der Stürmer des VfB Stuttgart und bereitete zwei Tore vor.Lesen Sie auchZudem müsste Nagelsmann dann Angreifer Kai Havertz zurückziehen. Positionsgetreue Alternativen sind Jamie Leweling, Maximilian Beier und Assan Ouedraogo. Ihnen fehlt aber die Turnier-Erfahrung: Sie haben alle noch kein WM-Spiel bestritten, Ouedraogo wurde nach dem Karl-Ausfall von Nagelsmann nachnominiert. Sanés Erfahrung ist enorm: 77 Länderspiele, 17 Toren. Dazu beinahe hundert Partien für Manchester City und über 150 für den FC Bayern. Aus der Startelf haben nur Rekordtorwart Manuel Neuer (125) und Kapitän Joshua Kimmich (111) häufiger für Deutschland gespielt. Allerdings hat Sané in 13 Turnierspielen noch kein Tor erzielt.Kimmich kann die Kritik an seinem Kollegen nicht verstehen. Sané sei im ersten Spiel sehr aktiv gewesen. „Ich fand ihn extrem engagiert, vor allem bei seinem Umschaltverhalten. Er hat mich nie allein gelassen, ist immer zurückgesprintet.“ Sané habe „aus Mannschaftssicht ein gutes Spiel gemacht“.Natürlich sei es cool, „wenn er jedes Spiel drei Tore macht. Wichtig aber ist, dass wir das intern als Mannschaft und auch der Trainer nicht nur daran bemessen.“ Es gäbe auch andere Aufgaben, die Sané zu erfüllen habe. Das habe sein Kollege getan. „Bei Ballverlust hat er immer versucht, schnell wieder hinter den Ball zu kommen. Das hat er sehr, sehr gut gemacht.“Ein öffentlich oft unterschätzter Faktor kommt in der Diskussion um Sané tatsächlich häufig etwas zu kurz – und das meint Kimmich: mit seiner Schnelligkeit ist Sané auch defensiv wertvoll. Er arbeitet immer wieder mit nach hinten. Mit Undav wäre auch das Defensivspiel der Deutschen ein anderes.„BILD“ berichtet in dieser Woche über eine Variante aus dem Geheimtraining der Nationalmannschaft. Demnach könnte Sané im Spiel gegen die Elfenbeinküste gegen den Ball in die rechte Defensive zurückfallen und so eine Fünferkette entstehen lassen. Dann würde Jamal Musiala aus dem Zentrum auf die rechte Seite rücken und mit Florian Wirtz, Aleksandar Pavlović und Felix Nmecha ein Vierer-Mittelfeld hinter der alleinigen Spitze Kai Havertz bilden. Statt des gewohnten 4-2-3-1 würde Deutschland dann in einem 5-4-1 verteidigen. Es wäre eine defensivere Taktik gegen die schnelle Offensive um den 19-jährigen Yan Diomande von RB Leipzig.Kimmich hob nach dem Auftaktsieg auf einer Pressekonferenz hervor, wie wichtig Sané für das Mannschaftsklima ist. Sané habe ein großes Vertrauen in seine Kollegen. Er jubele oft schon, wenn der Ball noch gar nicht im Tor liegt. „Da reißt er schon die Arme hoch“, sagte der Kapitän. Er habe auch keinen Abfall in der Körperspannung erkennen können, der Sané immer mal wieder vorgeworfen wird.Sané hat Nagelsmanns Geduld im Laufe der Jahre allerdings ziemlich strapaziert. Im EM-Test 2023 gegen Österreich sah er wegen einer Tätlichkeit die Rote Karte. Sanés Kritiker sahen sich bestätigt, als der Bundestrainer im vergangenen November öffentlich Klartext sprach:. „Er hat nicht mehr unzählig viele Chancen, sich hier zu beweisen.“ Doch Nagelsmann vertraut Sané. Und lobt ihn in den USA immer wieder.Lesen Sie auchBei der nächsten WM wird Sané 34 Jahre sein. Das aktuelle Turnier in den USA dürfte seine letzte Gelegenheit sein, eine erfolgreiche WM zu spielen. Leroy Sané will sie unbedingt nutzen. Seine Kritiker und seine Fans werden genau hinschauen. Kommentatoren-Legende Marcel Reif sagte: „Ich glaube, dass das für Sané ein Prüfungsspiel ist. Wenn es da nicht wirklich gut läuft, dann gehen Nagelsmann die Argumente aus und dann muss man auch über Leweling oder Undav nachdenken oder andere Sachen machen.“Julien Wolff und Lars Gartenschläger sind Redakteure im Sportkompetenzcenter. Sie berichten für WELT seit vielen Jahren über die Nationalmannschaft. Seit zwei Wochen sind sie für die Redaktion in den USA und schreiben von dort aus über die deutsche Auswahl bei der WM.