US-Präsident Donald Trump am 17. Juni 2026 vor dem Schloss Versailles, Frankreich. Foto: REUTERSDie Kulisse war ganz nach Donald Trumps Geschmack. Im goldverzierten Saal von Versailles hat der US-Präsident am Mittwochabend das Abkommen mit dem Iran unterzeichnet. „Bravo“, applaudierte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.Er hatte Trump im Anschluss an das G7-Treffen in Evian ins Schloss bei Paris eingeladen. Neben Hummer, Kaviar und warmem Schokoladenkuchen mit Vanilleeis servierte er den vermeintlich perfekten Rahmen für das, was aus Trumps Sicht ein „historischer“ Deal ist.Versailles. Ausgerechnet.„Great Job“, lobte Macron überschwänglich, nachdem Trump mit dicker, schwarzer Tinte das Papier unterzeichnet hatte.Great Job? Tatsächlich. Für Teheran – nicht für Trump.US-Iran-Deal 60 Tage und noch viel mehr Tücken Ein Atomdeal mit dem Iran – in zwei Monaten? Top-Verhandler warnen US-Präsident Trump vor Teherans langfristigem Kalkül. von Sonja Álvarez, Max Biederbeck, Daniel Goffart und weiteren14 Punkte. Zweieinhalb Seiten. Jeder Mietvertrag ist länger als das „Memorandum of Understanding“, das jetzt zu einem „sofortigen und dauerhaften Ende des Kriegs an allen Fronten“ führen soll.Dabei war Trump mit maximalen Zielen in den Krieg gegen den Iran gezogen: Er wollte das Atomprogramm stoppen, die iranischen Raketenkapazitäten zerstören, die Terrorfinanzierung über Proxys wie Hamas und Hisbollah beenden und das Regime zur „vollständigen Kapitulation“ zwingen.110 Tage später hat er keines davon erreicht. Das Abkommen dokumentiert deshalb keinen historischen Triumph, sondern Trumps Scheitern. Denn Teheran muss praktisch kein einziges Zugeständnis machen. Im Gegenteil.Money (Geld)Missiles (Raketen)Material (nukleares Material)So wollen die USA „alle Arten von Sanktionen“ gegen den Iran aufheben, eingefrorene Vermögenswerte wieder zur Verfügung stellen und den Export von iranischem Rohöl wieder genehmigen. Allein das spült bereits Milliarden in die Kasse der Mullahs – doch damit nicht genug.G7-Gipfel in Frankreich Test the West China, KI, Ukraine: Die Agenda am Genfer See war schon kompliziert genug, bevor der US-Präsident seinen Iran-Deal verkündete. Finden die führenden Industrieländer eine Linie? von Daniel Goffart und Max HaerderDie USA wollen mit Partnern einen Plan für den Wiederaufbau entwerfen. „Mindestens“ 300 Milliarden Dollar sollen andere Länder für die Finanzierung bereitstellen – eine Ansage, die sich in erster Linie an die Golfstaaten richten dürfte. Von denen hat sich bisher jedoch keine Regierung dazu so konkret bereit erklärt. Trump hat sich damit aber in eine heikle Situation gebracht. Denn die Iraner haben nun schwarz auf weiß, dass Trump ihnen diese Milliarden garantiert. Und wenn er sich nicht an seine Verhandlungen hält, müssen sie es ja auch nicht tun, oder?Worüber das Regime so oder so frohlocken dürfte: Es gibt in dem Abkommen bisher keine Vorschrift, dass die Milliarden für humanitäre Zwecke oder zivile Infrastruktur wie Schulen verwendet werden müssen. Ob es also direkt in die Wiederaufrüstung fließen kann?Trump hat jedenfalls Verständnis dafür, dass die Iraner ein paar Raketen besitzen wollen. Er könne ein solches Arsenal schließlich nicht einem Land wie Saudi-Arabien erlauben und dem Iran verbieten, sagte Trump am Mittwoch. Ernsthaft? Ernsthaft!Der Präsident rückt damit nicht nur von einem seiner zentralen Kriegsziele ab, sondern er will offenbar auch nicht unterscheiden zwischen Alliierten wie den Saudis und dem Terrorregime in Teheran. Die neue Führung dürfte künftige über bemerkenswerte Ressourcen verfügen, um gestärkt aus dem Krieg hervorzugehen. Von Trumps angekündigtem Regimechange? Keine Spur.Abkommen zwischen USA und Iran „Donald Trump verlässt das Schlachtfeld nicht als strahlender Sieger“ Sigmar Gabriel fürchtet, dass der Deal zwischen Washington und Teheran nicht lange halten wird. Zu viele Konflikte seien einfach nur vertagt worden, sagt der Ex-Außenminister. von Max HaerderKein Wunder, dass sich Trump in den vergangenen Wochen nur noch auf ein Ziel fokussieren wollte: das Atomabkommen.Und ja, im „Memorandum of Understanding“ steht zwar jetzt tatsächlich, dass sich der Iran dazu verpflichtet, „niemals Atomwaffen herzustellen“. Aber damit unterscheidet das Abkommen nicht von Barack Obamas Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA) aus dem Jahr 2015, das Trump aufgekündigt hatte, um es jetzt zu übertrumpfen.Auch dieses Mal soll der Iran Atomenergie wieder für zivile Zwecke nutzen dürfen – wie Trump eine erneute Ausweitung für militärische Zwecke verhindern will, ist bisher offen.Für Teheran hätte der Deal damit kaum besser aussehen können – für Trump ist er ein Debakel. Doch der US-Präsident steht kurz vor den Zwischenwahlen im November so heftig unter Druck, dass er kaum länger warten konnte.Rund 100 Milliarden Dollar hat der Krieg die amerikanischen Verbraucherinnen und Verbraucher laut einer Berechnung von Moody's Analytics bereits gekostet. Die Inflation ist in den USA zuletzt auf 4,2 Prozent geklettert. In Umfragen wird den Demokraten erstmals seit 2010 eine höhere Wirtschaftskompetenz zugetraut als den Republikanern. Eine zunehmende Mehrheit der US-Bürger lehnt den Krieg ab.Das Abkommen mit dem Iran wurde deshalb jetzt nicht wegen Trumps Stärke möglich, sondern wegen seiner Schwäche. In den nächsten 60 Tagen soll es in die Detailverhandlungen gehen. Die Iraner wissen, wer den Deal dringender braucht.