Trump und Macron gelang ein Coup in Versailles – die Schweiz bereitet trotzdem Gespräche auf dem Bürgenstock vorDonald Trump unterzeichnete am Mittwochabend im Schloss Versailles seinen Deal mit Iran. Das bereits vorbereitete Gipfeltreffen in der Innerschweiz verliert damit an Bedeutung. Verhandlungen sollen dennoch stattfinden.18.06.2026, 12.51 Uhr4 LeseminutenDer amerikanische Präsident Donald Trump lässt sich von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron durch den Spiegelsaal von Versailles führen.Anna Moneymaker / APDonald Trump hatte Versailles bereits verlassen, als die Nachricht um die Welt ging. Der amerikanische Präsident und sein iranischer Amtskollege Masud Pezeshkian haben am späten Mittwochabend überraschend das Rahmenabkommen zwischen ihren Ländern unterzeichnet – Trump in Versailles, Pezeshkian in Teheran.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Mit der Absichtserklärung sollen die Kampfhandlungen beendet, die Strasse von Hormuz wieder geöffnet und Verhandlungen über das iranische Atomprogramm ermöglicht werden. Nach Monaten der Eskalation und mehr als drei Monaten Krieg könnte die Vereinbarung allen Beteiligten zumindest eine Atempause verschaffen.Eigene Minister überrumpeltZuvor hatte es geheissen, das Dokument werde am Freitag auf dem Bürgenstock bei Luzern unterzeichnet. Stattdessen besiegelte Trump die Vereinbarung noch während des Banketts in der Galerie Basse mit Blick auf die Schlossgärten von Versailles. Selbst einige der anwesenden französischen Minister seien davon überrascht worden, berichtete die Zeitung «Le Parisien».Auf dem G-7-Gipfel in Évian-les-Bains hatte Trump erklärt, die Vereinbarung werde «innerhalb der nächsten 48 Stunden» unterzeichnet. Beim Abendessen in Versailles überraschte er die Gäste dann mit der Ankündigung, das Abkommen noch am selben Abend zu besiegeln. Aussenminister Marco Rubio habe daraufhin den Saal verlassen und sei wenig später mit dem Dokument zurückgekehrt, berichtete «Le Parisien». Vor dem Dessert setzte Trump seine Unterschrift unter das Memorandum.Für Macron markiert der Abend den Höhepunkt eines Gipfels, der aus französischer Sicht kaum erfolgreicher hätte verlaufen können. Das Treffen der G-7-Staaten am Genfersee erscheint im Rückblick beinahe als Vorgeplänkel für die Bilder aus Versailles. Dort präsentierte sich Trump so kooperativ wie lange nicht mehr. Anders als bei früheren Gipfeln blieb er in Évian dieses Mal bis zum Schluss, unterstützte eine gemeinsame geopolitische Erklärung der G-7 und bekannte sich zu weiterer militärischer Unterstützung für die Ukraine.In Versailles, so hiess es, sollte Trumps Frankreich-Besuch mit einem Galadinner aus Anlass des 250. Jahrestags der amerikanischen Unabhängigkeit seinen Abschluss finden. Die ehemalige Residenz der französischen Könige ist eng mit der Geschichte von Krieg und Frieden verbunden: Hier stellte sich Ludwig XVI. Ende des 18. Jahrhunderts auf die Seite der amerikanischen Aufständischen im Kampf gegen Grossbritannien. Hier wurde 1919 im berühmten Spiegelsaal der Versailler Vertrag unterzeichnet und damit der Erste Weltkrieg beendet.Für Frankreich sei das Schloss ein «Werkzeug der Macht und der Diplomatie», hatte Macron vor dem Treffen gesagt. Hier empfing der französische Präsident in der Vergangenheit bereits Wladimir Putin und Xi Jinping. Der diplomatische Gewinn liegt für Paris auf der Hand. Während die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran über Monate an verschiedenen Orten geführt wurden, fand der entscheidende Moment nun in Versailles statt. Die Bilder, die um die Welt gehen, stammen aus Frankreich – und vorderhand nicht aus der Schweiz.Auf dem Bürgenstock dürfte es keine grosse Unterzeichnungszeremonie mehr geben. Eine gemeinsame Unterschrift durch Vertreter beider Staaten hätte dem Treffen sicher mehr Gewicht verliehen. Zeitweise schien es gar, als würden die USA und Iran der Schweiz fernbleiben. Das Schweizer Aussendepartement (EDA) geht zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch davon aus, dass das Treffen am Freitag stattfindet. Das sagte ein Sprecher. Es sei vorgesehen, dass die USA und Iran sowie die Mediatoren Pakistan und Katar auf den Bürgenstock kämen, für erste Verhandlungen, um die Vereinbarung umzusetzen. Die Schweiz begrüsse es, dass die USA und Iran am Mittwoch die Absichtserklärung unterzeichnet hätten.Die Schweiz als «Rössliwirt»Das Hin und Her zeigt, dass die Schweiz nur im Hintergrund mitarbeitet. Sie organisiert die Gespräche auf dem Bürgenstock im Auftrag Pakistans, Katars und der beiden Konfliktparteien. Die Schweiz spiele die Rolle des «Rössliwirts», sagt Tim Guldimann, früherer Botschafter in Iran und Deutschland. Das sei eine nützliche, geschätzte Funktion. «Es ist wichtig, dass die Organisation reibungslos funktioniert.» Nur handle es sich nicht um eine Vermittlung, von der man in der Schweiz gerne spreche. Guldimann verweist auf die Diskrepanz zwischen der in- und ausländischen Wahrnehmung. Hierzulande werde gefeiert, dass die USA und Iran auf den Bürgenstock kommen wollten, während es im Ausland kaum als grosse Leistung der Schweiz zur Kenntnis genommen werde.Die geplanten Gespräche auf dem Bürgenstock sind lediglich der Anfang eines Prozesses. Es sei möglich, dass ein Teil der kommenden Verhandlungen in der Schweiz stattfinden werde, sagte Bundespräsident Guy Parmelin am Mittwoch vor den Medien. Das EDA strebt an, dass die Schweiz dabei aktiv eine Rolle spielt. Expertise in manchen Themenbereichen hat sie.Schon die letzten Atomverhandlungen zwischen den USA und Iran fanden zu einem grossen Teil in der Schweiz statt, in den Jahren 2013 beziehungsweise 2015. In Lausanne kam es zum Durchbruch. «Sieben Tage in Lausanne», heisst ein Kapitel des Buchs, in dem der iranisch-schwedische Politikwissenschafter Trita Parsi den Verhandlungsmarathon nachzeichnet. Dieser beschreibt, wie schwierig und langwierig die Verhandlungen waren, während die Diplomaten mit Schlafentzug kämpften.Nun wollen die USA und Iran innerhalb von 60 Tagen ein endgültiges Abkommen erreichen. Die letzten Atomverhandlungen haben gezeigt, dass es kaum möglich sein wird, diese Frist einzuhalten. Bereits hiess es, sie könne in gegenseitigem Einvernehmen verlängert werden.Passend zum Artikel