Ein neuer Versailler Vertrag? „Für uns war das eine Überraschung“, erzählt Roland Lescure am Donnerstag. Der französische Finanz- und Wirtschaftsminister saß mit am Tisch in der unteren Galerie des Schlosses von Versailles, als es kurz vor dem Schokoladendessert feierlich wurde. Marco Rubio und Jean-Noël Barrot, die Außenminister der Vereinigten Staaten und Frankreichs, stellten sich hinter ihren Präsidenten auf.„Es war nicht einfach. Das versichere ich Ihnen“, sagte der amerikanische Präsident, bevor er schweigend die Rahmenvereinbarung mit Iran unterzeichnete. Nur ein leises Porzellanklappern war zu vernehmen. „Bravo“, rief Präsident Emmanuel Macron, und die Tafelgäste, Minister und Berater aus den Regierungen beider Länder, klatschten.Wenn es scheitert, soll J. D. Vance schuld seinDie Unterzeichnung war ursprünglich am Freitag in Bürgenstock in der Schweiz vorgesehen, wie es die Schweizer Seite bereits angekündigt hatte. Doch Trump wollte nach dem Lob der anderen G-7-Staatschefs für den „Durchbruch“ in den Iran-Verhandlungen offensichtlich nicht so lange warten. Während seiner Abschlusspressekonferenz in Évian sagte er, solle die Übereinkunft mit Iran doch noch platzen, würde er Vizepräsident J. D. Vance die Schuld dafür geben. Außenminister Rubio stand dabei hinter Trump und konnte sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen.Ursprünglich sollte Trump mit der Air Force One schon am frühen Abend in Paris landen. Geplanter Programmbeginn war um kurz nach 19 Uhr in Versailles. Doch es war bereits 22 Uhr am Mittwoch, als „the Beast“, der breite Cadillac mit dem Amerikaner, durch das goldene Tor zum Schloss rollte. Auch der zweite Cadillac war wesentlich breiter als die königlichen Kutschen und passierte das Tor dementsprechend mit Vorsicht.„Brigitt“, wie Trump die französische First Lady nennt, stand da schon in Abendrobe vor dem Schloss, eingehakt bei ihrem Mann. Zunächst wandelte das Präsidentenpaar mit Trump durch den Spiegelsaal. Trump hatte zuvor gesagt, wie phantastisch der Abend in dem Schloss werden würde: „Das ist kein vergoldetes Blech, das ist echtes Gold!“ Auf das geplante Konzert in der königlichen Kapelle wurde verzichtet. Auch für die Ausstellung über die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten, die 1783 in Versailles besiegelt wurde, blieb nicht viel Zeit.Die Tafel war in der unteren Galerie hergerichtet, die zur Schlossterrasse hin offen ist und einen Blick auf die Gärten bietet. Dort kann man eine Statuengruppe bewundern, die vom Sonnenkönig in Auftrag gegeben worden war – und gut betuchte Gäste können die untere Galerie für Hochzeiten und andere Feiern anmieten.Auf dem Menü standen Spargel und GeflügelKritik daran, dass er Trump mit zu viel Ehrerbietung empfängt, ließ Macron nicht gelten. „Versailles ist ein diplomatisches Instrument und ein Machtinstrument. Und wissen Sie was? Ich habe es bereits im Juni 2017 genutzt“, sagte Macron bei seiner Abschlusspressekonferenz in Évian in Anspielung auf den Empfang für Wladimir Putin damals. „Wenn ich die Interessen Frankreichs vertrete, liegt es mir am Herzen, die Gäste herzlich zu empfangen und dafür zu sorgen, dass sie uns wohlgesinnt sind und dass sie im Hintergrund die richtigen Entscheidungen für uns treffen.“In seiner Tischrede fand Macron dann lobende Worte für die französisch-amerikanische Freundschaft. Man stieß auf das 250-jährige Jubiläum der Vereinigten Staaten an, deren Unabhängigkeitskampf maßgeblich mit französischem Geld und Waffen unterstützt wurde. Auf der Speisekarte stand Fleisch der schwarzen Bigorre-Schweine aus den Pyrenäen begleitend zum Aperitif, Spargel aus dem Val-de-Loire als Vorspeise, anschließend Geflügel aus dem Bourbonnais und eine Käseplatte.„Es gab zwei eher protokollarische Reden“, berichtete Finanzminister Lescure im Radiosender RTL. Dann ergriff Trump das Wort. „Ich habe ein gutes Abkommen mit Iran, und übrigens werde ich es unterzeichnen“, sagte Trump laut Lescure.„Bibi“ sei in letzter Zeit zu „aufgeregt“ gewesenDie französischen Gäste waren überrascht. Außenminister Rubio stand daraufhin blitzschnell auf, verließ den Raum und kehrte mit dem Dokument der Rahmenvereinbarung zurück. Livrierte Diener räumten die Teller vom Tisch, und die Unterzeichnungszeremonie fand statt. Dreieinhalb Monate nach den ersten amerikanisch-israelischen Bombardements auf Teheran war die Vereinbarung von Versailles besiegelt. Dann gab es Tarte au Chocolat.In Versailles fehlten israelische Vertreter am Tisch. Trump sagte bei seiner Abschlusspressekonferenz noch in Évian gönnerisch, Israel sei ein guter Verbündeter, aber „Bibi“, also Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, sei in letzter Zeit zu „aufgeregt“ gewesen. Die Versailler Vereinbarung soll jedoch auch für Israel bindend sein, wie Trump ausdrücklich betonte.Finanzminister Lescure sagte, er wisse nicht, wann das Dokument über die Vereinbarung gedruckt wurde. Trump habe nur Macron in letzter Minute eingeweiht. Zur amerikanischen Delegation zählten neben Rubio Handelsminister Howard Lutnick, Finanzminister Scott Bessent, Botschafter Charles Kushner sowie Dan Scavino, der stellvertretende Chief of Staff im Weißen Haus. Letzterer verbreitete das Video von der Unterzeichnung mit dem Kommentar des Außenministers: „Wir wohnen gemeinsam einem Schlüsselmoment der Geschichte bei.“Als er von Emmanuel und Brigitte Macron kurz nach ein Uhr morgens zu seinem Cadillac vor dem erleuchteten Königsschloss begleitet wurde, rief Donald Trump den wartenden Journalisten zu: „Es ist unterzeichnet. Ich habe es in Versailles unterzeichnet. Ich habe es gerade unterzeichnet.“
Donald Trump unterzeichnet Iran-Vereinbarung: So lief der Abend in Versailles
Beim späten Festmahl im Schloss überraschte Donald Trump die Gastgeber mit der Unterzeichnung des Rahmenabkommens. So verlief der Abend in Versailles.











