PfadnavigationHomeWirtschaftIran-DealDeutschlands Wirtschaft profitiert vom neuen Iran-Frieden – nur anders als erhofftStand: 15:15 UhrLesedauer: 3 MinutenDonald Trump nach seiner Unterschrift unter das Abkommen mit dem Iran in Versailles, rechts Frankreichs Präsident Emmanuel MacronQuelle: -/AFPDer Deal zwischen den USA und Iran bringt Entlastung an den Energiemärkten. Das Ifo-Institut erwartet nun mehr Wachstum für die deutsche Wirtschaft. Noch wichtiger als die Aufhebung von Sanktionen ist aber ein anderer Faktor.Für die deutsche Wirtschaft ist der Deal zwischen den USA und dem Iran eine gute Nachricht. Das zeigen die neuesten Prognosen für das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr. Das Münchener Ifo-Institut erwartet nun für 2025 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,8 Prozent, das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als im Krisenszenario des Frühjahrs. Sollten die Energiepreise zügig fallen, dann könnte die wirtschaftliche Erholung den Ökonomen zufolge noch etwas stärker ausfallen. Auch die Entwicklung im kommenden Jahr wird maßgeblich vom Ölpreis abhängen.Das beste denkbare Szenario ist mit dem vorläufigen Kriegsende nicht eingetreten. Noch im März hatten Beobachter erwartet, dass US-Präsident Donald Trump einen Regimewechsel im Iran anstrebt. Ein solcher Umsturz hätte die politische und wirtschaftliche Lage im ganzen Nahen Osten massiv verändert. Lesen Sie auchFür die deutsche Wirtschaft hätten sich große Chancen ergeben, auch weil in der Bundesrepublik etwa 300.000 Menschen mit iranischen Wurzeln leben. Der Wirtschaftsweise Gabriel Felbermayr hatte im März ein Wachstumsplus von 0,5 Prozent vorhergesagt, sollte sich der Markt durch einen Regimewechsel öffnen.Daraus wird nun nichts. Zwar enthält das 14-Punkte-Papier vom Iran und den USA die Zusage, dass alle Sanktionen gegenüber dem Mullah-Regime fallen sollen. Einen großen Effekt für die deutsche Wirtschaft wird das aber nicht haben. „Ein Ende der Iran-Sanktionen ohne Regimewechsel in Teheran nutzt vor allem dem Iran selbst und, in zweiter Linie, seinen Verbündeten“, sagt Felbermayr. „Das Regime wird vor allem mit China und Russland die Zusammenarbeit suchen, nicht mit dem Westen. Daher sind die positiven Effekte für Deutschland und die EU geringer.“Lesen Sie auchAuch Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser rechnet nicht mit Impulsen durch einen Boom des Iran-Handels. Die Lockerungen der Sanktionen werde man nicht in den Wachstumszahlen erkennen, sagt er voraus. Dazu sei das Geschäft mit dem Iran auch vor den Sanktionen schon zu klein gewesen. „Der größte Effekt ist für uns derjenige, der sich über die Energiepreise und über die Lieferketten ergibt. Das hat uns in den letzten Wochen und Monaten am meisten zu schaffen gemacht“, sagt Wollmershäuser. Ölpreis sinkt schneller als erwartetAktuell sehe man bei den Energiepreisen schon eine deutliche Entspannung. Bis sich die Lieferkettenprobleme auflösten, werde es noch etwas dauern. Dazu müssen erst einmal die blockierten Schiffe aus dem Persischen Golf die Straße von Hormus passieren. Die Vereinbarung zwischen Iran und USA sieht vor, „den Schiffsverkehr innerhalb von maximal 30 Tagen wieder vollständig herzustellen“.Lesen Sie auchOb diese Absichtserklärung tatsächlich umgesetzt wird, muss sich noch zeigen. Binnen 60 Tagen soll laut dem vorliegenden Papier ein endgültiger Vertrag ausgehandelt werden. Die Händler an den Rohstoffbörsen gehen aber davon aus, dass die Versorgung sehr bald wieder das Niveau von vor dem Krieg erreichen wird. Aktuell kostet Rohöl der Sorte Brent weniger als 79 Dollar pro Barrel (159 Liter) und am Terminmarkt zeigen die Preiskurven für die kommenden Monate steil nach unten. Das Ifo-Institut legt seiner Prognose einen dauerhaft erhöhten Ölpreis zugrunde, der erst Ende 2027 wieder unter 80 Dollar sinkt. Nun deuten die aktuellen Marktentwicklungen auf einen schnelleren Rückgang hin. „Wenn das tatsächlich so kommen sollte, dann wird die Inflationsrate auch relativ schnell zurückgehen“, sagt Wollmershäuser. Es werde dann auch keine „Zweitrundeneffekte“ geben, also Preissteigerungen bei anderen Gütern, und keine weitere Zinserhöhung der EZB. Tritt ein solches Szenario ein, dann wird sich auch das Wirtschaftswachstum besser entwickeln, als in den aktuellen Berechnungen beschrieben.Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und Business Insider erstellt.Karsten Seibel ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet unter anderem über Haushalts- und Steuerpolitik.Daniel Zwick ist Wirtschaftsredakteur in Berlin und berichtet für WELT über Wirtschafts- und Energiepolitik, Digitalisierung und Staatsmodernisierung.
Iran-Deal: Deutschlands Wirtschaft profitiert vom neuen Iran-Frieden – nur anders als erhofft - WELT
Der Deal zwischen den USA und Iran bringt Entlastung an den Energiemärkten. Das Ifo-Institut erwartet nun mehr Wachstum für die deutsche Wirtschaft. Noch wichtiger als die Aufhebung von Sanktionen ist aber ein anderer Faktor.












