Dieser Kommentar klingt auf den ersten Blick nach guten Neuigkeiten: „Ships of the World, start your engines. Let the oil flow!“ – „Schiffe der Welt, startet eure Motoren. Lasst das Öl fließen!“

Mit dieser Aussage auf Truth Social verkündete US-Präsident Donald Trump in der Nacht zum Montag, was die Energiemärkte seit Monaten herbeigesehnt hatten – eine Vereinbarung zwischen Washington und Teheran, die den Krieg beenden und die Straße von Hormus wieder öffnen soll.

Erdöl der Standardmarke Brent fiel binnen Stunden um vier Prozent, asiatische Börsen drehten ins Plus. Doch wer glaubt, damit sei das Kapitel Hormus-Krise erledigt, der unterschätzt, was in den vergangenen dreieinhalb Monaten passiert ist – und was den deutschen Verbraucher noch erwartet.

Wie sich die Energieströme verschoben haben

Um die Tragweite zu verstehen, muss man sich die Zahlen ansehen. Durch die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman fließen normalerweise rund 30 Prozent des global gehandelten Rohöls und 20 Prozent des Flüssiggases – das entspricht etwa 20 Millionen Barrel täglich – und ein Barrel entspricht 159 Liter. Seit Ende Februar 2026 war dieser Energiefluss faktisch unterbrochen. Reedereien fuhren entweder mit massiv erhöhten Kriegsrisikoprämien oder mieden die Route komplett.