Die Eisbach Filmstudios in München sind ein beliebter Drehort für große Werbekampagnen. Doch was der Autokonzern Volkswagen am Donnerstag von dort aus in die Welt streamt, hat mit Glanz und Gloria nichts zu tun. Zwar bemüht sich der Vorstandsvorsitzende Oliver Blume, auf der virtuellen VW-Hauptversammlung Optimismus und Zuversicht zu verbreiten, aber gleichzeitig unterstreicht das Management den Ernst der Lage und pocht auf weitere Einsparungen im Konzern.Der Aktienkurs notiert auf einem Niveau wie zuletzt in den bittersten Zeiten des Dieselskandals, und die Aktionäre sind angesichts der desolaten Lage in weiten Teilen des Unternehmens zu Recht erschüttert. Vieles spricht dafür, dass das Tal noch nicht durchschritten ist.Dreißig neue Fahrzeuge in ChinaGegen den rasanten Abstieg helfen nach Lesart des Vorstands nur neue Produkte. Allein in China, wo der Konzern in der E-Mobilität den Anschluss verloren hat, kommen dreißig neue Fahrzeuge auf den Markt. Auch in Europa will Blume das Tempo erhöhen, doch die hohen Kosten wichtiger Werke in Deutschland belasten die Profitabilität und schränken die Zukunftsfähigkeit des ganzen Unternehmens ein.Die Auslastung von Standorten wie Zwickau, Emden oder Hannover ist viel zu niedrig, auch das Audi-Werk in Neckarsulm steht unter scharfer Beobachtung. Wie schon im Machtkampf um Einsparungen vor anderthalb Jahren betont die IG Metall auch heute, dass Werksschließungen mit ihr nicht zu machen sind. Aber in seiner jetzigen Form hat das Produktionsnetz keine Zukunft.Die Lage auf dem Automobilmarkt hat sich grundlegend verändert, und die Umbrüche bleiben disruptiv. In einem Umfeld, in dem sich Amerika abschottet und chinesische Wettbewerber nach Europa drängen, sind halbleere Fabriken für VW existenzgefährdend. Die Aussicht, dass Kooperationen mit Rüstungsunternehmen oder Partnern aus China die hiesige Auslastung verbessern, sind nicht mehr als ein Hoffnungswert.Wenn die Politik an Standorten in Sachsen oder in dem an Volkswagen beteiligten Land Niedersachsen solche Schritte immer wieder als Lösung für die Zukunft präsentiert, macht sie den Beschäftigten etwas vor. Für luftige Ideen bleibt aber keine Zeit mehr. Volkswagen muss die Kosten weiter senken, sonst wird sich die Abwärtsspirale immer schneller drehen.F.A.Z.