Absturz in China, Schutzzölle in Amerika und ein eskalierender Machtkampf um Werksschließungen und Stellenabbau in Deutschland: Für Volkswagen-Chef Oliver Blume kommen die Einschläge im Moment von allen Seiten. Die Halbjahreszahlen, die der Manager am Freitag zusammen mit seinem Finanzvorstand Arno Antlitz in einer zwei Stunden langen Telefonkonferenz für Presse und Investoren vorgestellt hat, sind sogar noch etwas schwächer als von Börsenfachleuten erwartet. Und so verspricht Blume, dass der Konzern zumindest im Rest des Jahres bessere Ergebnisse einfahren wird. Es gebe einige Faktoren, die dann für „Rückenwind“ sorgten, heißt es in dem Call.Der VW-Konzern hat das erste Halbjahr mit einem Ergebnis abgeschlossen, das sich bestenfalls als durchwachsen bezeichnen lässt – und das in einigen Segmenten von immer härterem Druck geprägt ist. Im Vergleich zur Vorjahreszeit, die schon schwach war, ist der operative Gewinn abermals um mehr als ein Zehntel gesunken, die operative Umsatzrendite von 3,8 Prozent liegt weit unter dem Korridor von acht bis zehn Prozent, den sich Blume und Antlitz als Ziel für 2030 vorgenommen haben. Und weil auch die speziell bilanzierten Chinagewinne weiter zurückgegangen sind, ist der Gewinn unter dem Strich sogar um mehr als 30 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro gesunken.Der Aktienkurs ist niedriger als zur dunkelsten Zeit des Dieselskandals und zum Schock der Corona-Pandemie, am Freitag gibt er um weitere zwei Prozent auf 71,50 Euro nach. All das, so betont Finanzchef Antlitz in dem Call, zeige, wie wichtig die angestoßene Restrukturierung des ganzen Konzerns sei. „Entscheidend ist jetzt eine rasche und konsequente Umsetzung.“Geringere Kosten in den nächsten MonatenFür das zweite Halbjahr sehen die Manager zumindest einige Lichtblicke, etwa in der Tochtergesellschaft Audi. Diese wird zwar voraussichtlich in der kommenden Woche wegen der vielen Schwierigkeiten rund um die Erde ihre Renditeziele kappen, wenn sie separat die eigenen Geschäftszahlen für das abgelaufene Halbjahr vorlegt – von den bisher angepeilten sechs bis acht Prozent Rendite im Gesamtjahr wird es wohl auf fünf bis sieben Prozent zurückgehen. Neuheiten wie die Sportvariante der 5er-Baureihe – der RS5 – oder die Stadtgeländewagen Audi Q7 und Q9 versprächen aber trotzdem einiges an „Momentum“, sagt Blume.Außerdem hofft er, dass die schon beschlossenen Sparprogramme im Konzern Wirkung zeigen und die Kosten entlasten. Zudem dürften weniger Ausgaben für die Restrukturierung der vielen Marken und Tochtergesellschaften zu Buche schlagen – so hatte etwa der Produktionsstopp des elektrischen ID.4 in Amerika das Ergebnis des Konzerns im ersten Halbjahr noch um eine halbe Milliarde Euro nach unten gezogen. In der Summe führen diese Perspektiven dazu, dass der VW-Konzern für das Gesamtjahr an seinem Renditeziel von vier bis 5,5 Prozent quer über alle Geschäftsteile festhält. Nur die Umsatzprognose kürzen Blume und Antlitz am Freitag. Bisher hatten sie bis zu drei Prozent Zuwachs in Aussicht gestellt, jetzt heißt es, dass die Erlöse bestenfalls stagnieren und im schlechtesten Fall um bis zu drei Prozent sinken werden.Die Verhandlungen um das nächste Sparprogramm sollen nun mit Hochdruck weitergehen. Investitionen werden auf das Nötigste reduziert, und im sogenannten Overhead, also in der Verwaltung und an vielen anderen Stellen im Konzern, sollen die Kosten bis zum Jahr 2030 gegenüber früheren Planungen um elf Milliarden Euro gekürzt werden. Daraus, so Antlitz, ergebe sich der schon oft kolportierte Abbau von bis zu 50.000 weiteren Arbeitsplätzen rund um die Erde. Außerdem schließt VW nicht aus, dass im nächsten Jahrzehnt die Produktion an bis zu vier Standorten in Deutschland auslaufen könnte; Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm. Die nächste Aufsichtsratssitzung ist für Anfang September geplant. Blume gibt sich optimistisch, noch im Laufe dieses Jahres eine Einigung zu erzielen.Gut lief es in den ersten sechs Monaten abermals für die tschechische Volumenmarke Škoda. Sie erreichte eine operative Umsatzrendite von 8,5 Prozent und liegt damit weiter deutlich vor den anderen Volumenmarken des Konzerns, der Marke VW und den spanischen Gesellschaften Seat und Cupra. Auch der krisengeplagte Sportwagenhersteller Porsche arbeitet sich langsam vor. Zwar waren Umsatz und Absatz weiter rückläufig, das Ergebnis verbesserte sich aber, auch weil in der Vorjahreszeit Rückstellungen den Gewinn belastet hatten, die jetzt nicht mehr zu Buche schlugen. Die Rendite erreichte acht Prozent nach fünf Prozent in der Vorjahreszeit. Schlecht lief es für den Konzern weiter in China. Wie schon bekannt geworden war, sackten die Auslieferungen wegen des harten Verdrängungswettkampfs in der Volksrepublik ab. Das operative Ergebnis, das VW aus seinen chinesischen Gemeinschaftsunternehmen vereinnahmte, sank abermals um mehr als die Hälfte auf nur noch 184 Millionen Euro.