Die Schweizerische Nationalbank bleibt den Nullzinsen treu – und folgt nicht der Zinswende anderer ZentralbankenDie Inflation ist durch den Iran-Krieg zwar auch in der Schweiz gestiegen. Sie liegt aber immer noch auf einem tiefen Niveau.18.06.2026, 09.31 Uhr3 LeseminutenDas Gebäude der Schweizerischen Nationalbank in Bern: Die Notenbank liess den Leitzins am Donnerstag unverändert bei null Prozent.KeystoneIn den führenden Industrienationen haben die ersten Notenbanken damit begonnen, die Leitzinsen zu erhöhen. Sie reagieren damit auf den Preisschock bei Erdöl, Erdgas und daraus abgeleiteten Produkten sowie auf die Störung globaler Lieferketten durch den Iran-Krieg. Im Mai hat die australische Notenbank als erste den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 4,35 Prozent angehoben. Im Juni nahm die Europäische Zentralbank (EZB) ebenfalls einen solchen Zinsschritt auf 2,25 Prozent vor.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der monetäre Wind hat damit gedreht. Am Mittwochabend verzichtete die US-Notenbank (Fed) zwar auf eine Zinserhöhung. Doch auch für die USA gehen Marktteilnehmer nicht mehr von Zinssenkungen in diesem Jahr aus, wie noch vor wenigen Wochen. Sie rechnen eher mit einer kleinen Zinserhöhung. Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) besteht dagegen kein Handlungsbedarf. Die SNB beliess den Leitzins am Donnerstag bei ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung bei 0 Prozent.Die Inflation in der Schweiz ist weiter tiefSNB-Präsident Martin Schlegel und seine Kollegen sind vor allem deshalb in einer komfortablen Situation, weil die Inflationsrate in der Schweiz von Januar bis Mai nur von 0,1 Prozent auf 0,6 Prozent gestiegen ist und damit im Zielband der SNB zwischen 0 und 2 Prozent liegt. Das ist im Euro-Raum und den USA anders, wo die Notenbanken ein mittelfristiges Inflationsziel von 2 Prozent verfolgen.In der Euro-Zone liegt die Inflationsrate jedoch bereits bei 3,2 Prozent und in den USA sogar bei 4,2 Prozent. In diesen Wirtschaftsräumen besteht die Gefahr, dass sich Bürger und Unternehmen auf eine länger anhaltende übermässige Teuerung einstellen, zumal sie noch die Hochinflationsperiode vor vier Jahren im Hinterkopf haben.In dieser Periode war die Inflation jeweils auf rund 10 Prozent geklettert. Ein solches Szenario wollen Notenbanken unbedingt verhindern, weil es einen selbst wohl verstärkenden Effekt hätte.Zwar haben auch in der Schweiz die Energiepreise deutlich angezogen, was Konsumenten wohl am eindrücklichsten an der Tankstelle spüren. So verteuerten sich Erdölprodukte im Jahresvergleich um fast 20 Prozent. Doch der feste Franken dämpft die Inflation, weil er importierte Güter verbilligt. Sollte die Schweizer Währung jedoch aus Sicht der SNB zu stark steigen, was die Exportwirtschaft belasten würde, würden die Währungshüter wohl am Devisenmarkt intervenieren, um den Franken zu schwächen. Die SNB bezeichnet ihre Bereitschaft für Eingriffe am Devisenmarkt weiterhin als «erhöht».Die Ökonomen der Notenbank rechnen damit, dass die Inflation in den kommenden Quartalen noch leicht zulegen wird, bevor sie in der ersten Jahreshälfte 2027 wieder etwas zurückgehen dürfte. Für die Jahre 2026 und 2027 erwartet die SNB eine Inflationsrate von 0,6 Prozent und für 2028 von 0,7 Prozent. Damit erhöhte die Nationalbank ihre Prognose im Vergleich zur geldpolitischen Lagebeurteilung im März geringfügig.Die tiefen Zinsen helfen der Konjunktur, die sich verhalten entwickelt, weil die hohen Energiepreise auch die Schweizer Wirtschaft belasten. Die SNB bezeichnete die hiesige Konjunktur angesichts des Konflikts im Nahen Osten als «Widerstandsfähig». Die Bank rechnet für 2026 mit einem Wirtschaftswachstum von 1 Prozent und für 2027 von 1,5 Prozent.Am Mittwoch hatte bereits das KOF Institut der ETH Zürich seine Konjunkturprognose gesenkt. Für 2026 erwarten ihre Ökonomen nur noch ein reales Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 0,8 Prozent nach zuvor 1 Prozent und für 2027 von 1,5 Prozent nach zuvor 1,7 Prozent. Die Prognose fusst auf der Annahme, dass die Energiepreise durch eine graduelle Entspannung des Nahostkonflikts gemäss den Ölpreis-Futures weiter sinken und Ende Jahr unter 80 Dollar fallen.Der Krieg hat jedoch bereits Schaden angerichtet. Die höheren Energiepreise und die geopolitische Unsicherheit drücken auf die Konsumlaune der Schweizer. Im ersten Quartal stagnierte die private Nachfrage. Die Konsumentenstimmung sank sogar auf ein Niveau, das vergleichbar ist mit dem Tief durch den Zollschock im April 2025 im Rahmen des sogenannten Liberation Day.Für das zweite Quartal deuten Indikatoren laut dem KOF auf eine nur verhaltene Erholung hin. Hinzu kämen eine höhere Sparneigung und die schwache Lage am hiesigen Arbeitsmarkt. Das Institut erwartet sowohl für das Jahr 2026 als auch 2027 eine durchschnittliche Inflationsrate von 0,6 Prozent. Das passt zur Annahme vieler Ökonomen, dass die SNB den Leitzins bis Ende 2027 unverändert lässt. Die SNB wird also wahrscheinlich nicht der EZB folgen und eine Zinswende einleiten.Sie können Michael Rasch auf den Plattformen X, Linkedin und Xing folgen.Passend zum Artikel
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