Nach der Pariser Klimakonferenz 2015 war Nachhaltigkeit lange ein dominierendes Thema an den Finanzmärkten. Doch seitdem ist es in den Hintergrund gerückt. Das Scheinwerferlicht ist mittlerweile woanders: Es strahlt auf KI-Unternehmen oder Rüstungsinvestitionen. Dabei schlössen sich Rüstung und Nachhaltigkeit nicht aus, sagte Moritz Schularick. „Drohnen können grün sein“, so der Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft auf der Nachhaltigkeitskonferenz 2026 von Union Investment. „Wichtig ist, dass wir Sicherheitsfragen als Resilienzfragen und als Nachhaltigkeitsfragen verstehen.“All das zusammenzudenken, sei unabdingbar, gerade weil Deutschland sich in einer „unangenehmen Sandwichposition“ zwischen den USA und China befinde, sagte Schularick. Resilienz und eine unabhängige Sicherheit seien unbedingt nötig. Gleichzeitig biete das eine riesige Chance. Unternehmen müssten sich stärker auf sogenannte Dual-Use-Technologien wie Drohnen konzentrieren, die nicht nur in der Rüstung, sondern auch in der Landwirtschaft eingesetzt werden können. Und auch der Kapitalmarkt sollte Nachhaltigkeit nicht unabhängig von Sicherheit und Rüstung sehen, sagte der Professor für Volkswirtschaft.Geopolitische Lage als Chance für NachhaltigkeitDass geopolitische Entwicklungen den Kapitalmarkt beeinflussen, ist nichts Neues. Doch Frank Engels, Portfoliomanagement-Vorstand von Union Investment, sieht darin eine große Chance für Nachhaltigkeit. Langfristig sei die aktuelle Geopolitik ein „Steigbügelhalter für nachhaltiges Investieren“. Denn steigende fossile Energiepreise führten zu einem Umdenken, auch in der Wirtschaft. Immer mehr Unternehmen wendeten sich erneuerbaren Energien zu.Für Engels ist klar: „Ein Thema, das die nächsten zehn Jahre am Kapitalmarkt dominieren wird, ist Elektrifizierung.“ Auch sein Kollege Florian Sommer, der die Gruppe ESG-Strategie im Portfoliomanagement von Union Investment leitet, beobachtet, dass am Markt mehr Energieunabhängigkeit gefragt sei.In nachhaltige Firmen zu investieren, sei daher sinnvoll. Performance-Unterschiede zwischen nachhaltigem Investieren und nichtnachhaltigem Investieren seien schon heute gar nicht so groß, sagte Engels. Rendite sei wichtig und werde durch Nachhaltigkeit beeinflusst, „aber die Unterschiede sind relativ klein.“ Sein Fazit: „Nachhaltiges Investieren wird sich langfristig auszahlen.“ Auch weil Investieren am Kapitalmarkt immer wertebasierter werde. Dennoch stellt Sommer klar: „Wir setzen die Werte unserer Kunden um, wir schreiben sie nicht vor.“Künstliche Intelligenz frisst zu viel StromDoch nicht nur Rüstungsinvestitionen stellen die Anleger vor eine Herausforderung im Hinblick auf Nachhaltigkeit. Auch die Vereinbarkeit von Künstlicher Intelligenz und Nachhaltigkeit wurde diskutiert. „KI hat sehr wohl das Potential, zur Nachhaltigkeit beizutragen“, sagte der frühere Google-Deutschlandchef Christian Baudis. Auch sie könne etwa in der Landwirtschaft genutzt werden. Wichtig sei dafür, dass sie so schnell wie möglich weniger Strom fresse.Denn aktuell erhöht sich, vor allem durch die Einführung von generativen KI-Systemen und sogenannten Large-Language-Modellen, der Energieverbrauch durch Künstliche Intelligenz. Die generative KI führe sogar zu einem „exponentiellen Energieproblem“, sagte Constanze Kurz, Sprecherin des Chaos Computer Clubs. „KI ist der Stresstest für das Energiesystem“, befand auch Sebastian Vogel, zuständig für Datenzentren bei RWE. Doch genau in diesem Stresstest liege ein Katalysator für Nachhaltigkeit. Denn ein ähnlicher Stress würde auf das System auch durch eine großflächige Einführung von E-Mobilität oder Wärmepumpen zukommen.So könnten die richtigen Reaktionen jetzt auch wirtschaftlich sinnvoll sein. Es müsse in Netze und Erzeugungsanlagen investiert werden. Investitionen, die sich laut Engels auch lohnen können, denn große Renditen in Firmen, die zum Beispiel Batteriespeicher produzieren, seien möglich. Am wichtigsten sei beim nachhaltigen Investieren aber eine langfristige Skalierung: „Nachhaltigkeit ist ein langfristig angelegtes Projekt.“