PfadnavigationHomeWirtschaftBetter FutureBetter FutureBetter Future Conference 2026Vor der Ideologie steht die GewinnerzielungStand: 12:31 UhrLesedauer: 3 MinutenNachhaltige Startups: Journalistin Hendrikje Rudnick (v.l.) im Gespräch mit Elena Stark von AENU, Nina Germanus (Green Fusion) und Marting Schmicker (Greenlyte Carbon Technologies)Quelle: Mario FirynGreen Tech für Gründer: Wie setzt man eine nachhaltige Geschäftsidee um, wenn Kapital knapp ist und es der Politik an Zuverlässigkeit mangelt?Es soll ja Menschen geben, deren Optimismus alles überstrahlt. Solche Zeitgenossen hält sogar die gegenwärtige Krise nicht ab, ein grünes Start-up zu gründen. Aber wie geht das überhaupt? Hendrikje Rudnick, Journalistin bei BUSINESS INSIDER Deutschland, befragte im Panel „Mit Nachhaltigkeit Geld verdienen“ die Mitgründer zweier junger Firmen und die dazugehörige Finanzierungsexpertin. Elena Stark vom deutschen Venture-Kapital-Fonds AENU hatte eine positive Botschaft: Auch wenn das Thema Climate Tech aktuell kein Hype mehr sei, gebe es weiterhin großzügige Förderung. Worauf achtet sie, wenn ihr grüne Geschäftsideen präsentiert werden? „Das allererste ist kommerzielle Relevanz. Es muss auf einen attraktiven Markt treffen und Kunden Wettbewerbsvorteile bringen.“ Hinzu kämen hohe Renditeerwartungen der AENU-Investoren. Ebenso hoch sind die Erwartungen an den Hebel: „Ab 50 Millionen Tonnen CO₂-Einsparungen interessieren uns Technologien.“Auf Umwegen zurück zum GeschäftsmodellFür Nina Germanus und ihre Mitgründer war der Weg bis dahin steinig: Der Plan der Energietechniker war ursprünglich, Betriebe mit Wärmepumpen, Photovoltaik-Anlage auf dem Dach und dazu passender Ladeinfrastruktur für E-Autos zu versorgen. Dafür hatten sich die Uni-Abgänger neu gegründet – und „in Gesprächen mit Kunden der Wohnungswirtschaft festgestellt: Das war einfach nicht ihr Hier und Jetzt“, sagte Germanus. Ihre Green Fusion GmbH erkannte, dass sie ihrer Zeit voraus war, und schaltete einen Gang zurück. Das bedeutete, konventionelle Heizungstechnologie – Gaskessel, Fernwärmestationen, Öl- und Pelletheizungen – zu optimieren. „Es hat uns wahnsinnig geholfen, die Kunden da abzuholen, wo sie waren.“ Inzwischen werde die eigentliche Geschäftsidee, also Wärmepumpen und Photovoltaik, nachgefragt. Die Rückkehr zu den Ursprüngen hat begonnen.Wie schnell muss sich eine Geschäftsidee durchsetzen? Bei Deep Tech brauche man Geduld, sagt Marting Schmicker von Greenlyte Carbon Technologies. Er gründete mit anderen die Firma, um das Klimagas CO₂ aus der Luft zu filtern und als Rohstoff der Industrie nutzbar zu machen, etwa als synthetischer Kraftstoff. „Zum Beispiel bei Flugzeugkraftstoffen. Überall dort, wo man nicht direkt elektrifizieren kann.“Unterschied zwischen Aktivisten und UnternehmernSeitdem sind dreieinhalb Jahre vergangen, viel Kapital wurde benötigt, und gerade entsteht die erste Produktionsanlage. Ein Abnehmer wird Lufthansa sein. „Am Ende geht es ja darum, wirklich die fossile Industrie zu disruptieren.“ Sicher mit Idealismus, aber auch mit der Absicht zur Gewinnerzielung. „Das unterscheidet uns von Aktivisten: Sie sensibilisieren für ein Thema, aber wir nutzen den Markt als Vehikel.“ Mit dem Nebeneffekt, dass die Zahlen stimmen müssen. Zugleich hängt viel davon ab, dass die politischen Rahmenbedingungen stabil bleiben. Das sind gesetzliche Richtlinien, CO₂-Preise, Einsparvorgaben. Wie sehr darf ein Geschäftsmodell auf dieser Prämisse aufbauen? „Überhaupt nicht“, ist die knallharte Antwort des Venture-Kapitalgebers AENU, vertreten von Elena Stark. Eine solche Abhängigkeit auf Basis regulatorischer Gegebenheiten werde nicht mehr gefördert. So hat AENU die Firma von Schmickler auch nicht unterstützt, weil sie „grün“ ist – sondern weil sie die Schaffung von Arbeitsplätzen verspreche. Glück hatte in dieser Hinsicht die Firma von Nina Germanus: Green Fusion registrierte mit Beginn des Iran-Kriegs einen Nachfrageboom. Und da sie sich auch mit der Optimierung konventioneller Heizungsanlagen beschäftigt, profitierte sie vom wachsenden Bedürfnis, Energie zu sparen. „Die grüne Transition genießt Rückenwind“, bestätigt Elena Stark. Es sind also – trotz aller Verunsicherungen – günstige Zeiten für grüne Gründer. Wenn das mal keine Botschaft für Optimisten ist.Roland Wildberg
Better Future Conference 2026: Vor der Ideologie steht die Gewinnerzielung - WELT
Green Tech für Gründer: Wie setzt man eine nachhaltige Geschäftsidee um, wenn Kapital knapp ist und es der Politik an Zuverlässigkeit mangelt?







