PfadnavigationHomeWirtschaftBetter FutureBetter FutureBetter Future Conference 2026„Wir warten nicht, wir machen“Stand: 12:31 UhrLesedauer: 4 MinutenGuido Wübben, Vice President Sustainability Post & Paket Deutschland von DHL (rechts) im Gespräch mit Moritz Seyffahrt, Chefredakteur Business Insider DeutschlandQuelle: Mario FirynTopmanager von DHL, Mercedes-Benz und Ökoworld über nachhaltige Strategien in einem schwierigen UmfeldKeine Zeit verlieren, das ist für beide das Wichtigste. Der eine ist für die effiziente und nachhaltige Lieferung von Post und Paketen verantwortlich, der andere als Finanzdienstleister im Bereich ethisch-ökologischer Fonds für die Rendite von morgen. Die Herausforderung, die Guido Wübben und Oliver Pfeil verbindet: Sie müssen jeweils ihr Unternehmen fit machen für die Zukunft, und das in volatilen Zeiten. In getrennten Panels standen der Vice President Sustainability Post & Paket Deutschland der DHL Group sowie der CEO von Ökoworld auf dem Podium Rede und Antwort.Schneller als die Post, salopp ausgedrückt, war man 2008 bei DHL, als man die Nachhaltigkeit fest verankert habe. „Und seit 2024 haben wir jetzt auch keine separate Nachhaltigkeitsstrategie mehr, sondern Nachhaltigkeit zu unserer Strategie gemacht“, erklärte Guido Wübben im Gespräch mit Moritz Seyffarth, Chefredakteur von . Eine Strategie, die sich auch finanziell rechnet, wie man aktuell angesichts der Spritpreise sieht.Da macht sich die frühzeitige Umstellung in der Logistik auf alternative Antriebe bezahlt. In der Zustellflotte der gelben Autos, die Pakete und Briefe ausliefern, tausche man seit etwa zehn Jahren Diesel- gegen Elektrofahrzeuge aus. Mehr als 37.000 voll elektrische Wagen sind in Deutschland gegenwärtig unterwegs, „60 Prozent der Flotte fahren also an der Tankstelle vorbei“, so Wübben. 2030 sollen es 90 Prozent sein. „Nachhaltige Kapitalanlage ist rentabel“Die Entwicklung nachhaltiger Investments wurde im Gespräch zwischen Ökoworld-CEO Oliver Pfeil und Holger Zschäpitz, Leitender Wirtschaftsredakteur von WELT, diskutiert. Nach einem Hoch im Jahr 2021 und anschließender Schwächephase nach dem Platzen der grünen Blase steht der Spezialist für nachhaltige Geldanlagen vor der Herausforderung, wieder Wachstum und Relevanz zu erzielen. Pfeil betont, dass Nachhaltigkeit, insbesondere die Unabhängigkeit von funktionierenden Lieferketten, angesichts globaler Konflikte an Bedeutung gewinnt. „Nachhaltige Kapitalanlage ist rentabel, und wir werden sie auch wieder modern machen.“Trotz schwacher Zuflüsse und Performance in den letzten Jahren verwies der Chef auf attraktive Dividendenrenditen und positive Entwicklungen in bestimmten Fonds. Die langfristige Performance des Flaggschiff-Fonds ÖkoVision wurde in der Diskussion kritisch hinterfragt, insbesondere im Vergleich zum MSCI World, dem globalen Aktienindex. Pfeil verwies auf zyklische Schwankungen. Kleine und mittelgroße Firmen laufen aktuell an der Börse wieder besser: „Das spielt uns total in die Karten.“ Planbarkeit, und damit Unabhängigkeit, darauf baut die Strategie des Logistikers DHL. Dazu gehört auch, viel Strom möglichst selbst produzieren zu können. „Wir werden jedes Paketzentrum, jedes Briefzentrum mit Photovoltaikanlagen ausstatten“, verkündete Guido Wübben. „42.000 Ladestationen haben wir in Deutschland bereits an unseren eigenen Standorten aufgebaut.“ Es lohnt sich, in Elektro-Lkw zu investierenEin weiterer entscheidender Schritt, nachdem man in den letzten Jahren den umweltfreundlicheren Kraftstoff Bio-CNG eingesetzt habe, sei, „dass die Industrie mittlerweile so weit ist, dass sich Elektro-LKW lohnen“. So sollen in diesem und im kommenden Jahr 170 Ladepunkte für LKW entstehen. Die Deutsche Bahn wird momentan für sechs Prozent des Pakettransports genutzt, jedoch sei die Zuverlässigkeit ein Hindernis für eine stärkere Nutzung, erklärte Wübben auf Nachfrage. Der Mercedes-Benz eActros 600 ist ein vollelektrischer Lkw für den schweren Verteiler- und Fernverkehr. Der Hersteller ist Partner von DHL. Moritz Seyffarth beschrieb seine Überraschung, als er sich vor der Konferenz in den LKW setzte, der vor dem Berliner Axel-Springer-Haus stand. „Beim Anlassen hat man nichts gehört!“ Genau davon seien die Fahrer begeistert, denn die Stille reduziere ja den Stressfaktor erheblich, hob Sylvia Diederichsmeier hervor, Head of Sales bei Trucks Germany Mercedes-Benz, die mit aufs Podium gekommen war. Bis zu 500 Kilometer Reichweite bietet der Actros mit einer Batterieladung. Partnerschaften zwischen DHL und Fahrzeugherstellern seien entscheidend, um die Dekarbonisierung auch bei den Partner-Speditionen voranzutreiben. Der leicht ketzerischen Frage Seyffahrts, ob man nicht besser auf Wasserstoff setzen wolle, begegnete der DHL-Manager entschieden: „Immer zu warten auf die nächste Technologie, die vielleicht noch besser ist, bringt uns nicht voran. Wir warten nicht, wir machen!“Der letzte Satz dürfte die Zustimmung von Ökoworld-CEO Oliver Pfeil gefunden haben. Der Finanzdienstleister plant neue Produkte, darunter ein aktiver ETF, ein börsengehandelter Fonds, der als „grüner Zwilling“ zum MSCI World positioniert werden soll.Uwe Sauerwein