PfadnavigationHomeWirtschaftBetter FutureBetter FutureBetter Future Conference 2026„Wir sind nicht die Krone der Schöpfung“Stand: 12:30 UhrLesedauer: 4 MinutenOnkel Doktor für Patient Erde: Eckart von Hirschhausen hielt auf der Better Future Conference 2026 einen Impulsvortrag aus der Perspektive des Mediziners auf den kranken PlanetenQuelle: Mario FirynTV-Moderator Eckart von Hirschhausen zieht in seinem unterhaltsamen Impulsvortrag tierische VergleicheEr ist ein Spaßvogel, der es ernst meint. Eckart von Hirschhausen, Arzt, Kabarettist, TV-Moderator und Wissenschaftsjournalist. Seine Prominenz und sein Talent zu unterhalten, setzt der gebürtige Frankfurter ein, um Menschen zu überzeugen. Davon, dass wir nicht nur die Natur, sondern damit vor allem uns selbst retten müssen.„Gesunde Erde, gesunde Menschen“, der Name seiner 2020 ins Leben gerufenen Stiftung, war denn auch Titel des Impuls-Vortrags bei der „Better Future Conference“ 20 Minuten lang Gedanken darüber, was wir heute für unser körperliches, seelisches und planetares Wohlergehen tun können. Hirschhausen begann mit einem Blick auf die aktuelle Nachrichtenlage, aus der hervorgehe, dass alle fünf Dimensionen von Wohlergehen, also körperliche, mentale, emotionale, soziale und spirituelle Gesundheit, „akut in Gefahr sind“. Da könne auch der Markt nichts regeln, „solange eine Tonne CO₂ über 1000 Euro schadet und weniger als 100 Euro kostet.“ Vom volkswirtschaftlichen Wert eines WalsZu den Rettungsaktivitäten für den in der Ostsee gestrandeten Buckelwal Timmy, auf die in diesen Tagen der Blick der Medien gerichtet war, sagte von Hirschhausen: „Volkswirtschaftlich ist so ein Wal mehr als 20 Millionen Euro wert.“ Ein sterbender Wal nehme 10 bis 15 Tonnen CO₂ in die Tiefe mit. Während er lebt, hole er kostbare Rohstoffe nach oben und bringe Dünger zum Plankton. „Der Sauerstoff jedes zweiten Atemzugs, den wir Menschen machen, kommt aus dem Meer, das wissen viele nicht“, so von Hirschhausen. So seien wir erst am Anfang zu verstehen, „dass wir nicht die Krone der Schöpfung sind, sondern Teil eines Wunderwerks des Lebens, eines Netzwerks, das uns trägt. Im Moment schlagen wir Löcher in dieses Netz.“Wie kein zweiter Redner auf dieser Konferenz weiß der in Vorträgen Erfahrene seine Zuhörerschaft mit direkter Ansprache einzubinden. Vor allem in dem Moment, in dem er auf sein Vorbild zu sprechen kommt, auf die im vergangenen Jahr verstorbene Jane Goodall, die viele Jahre das Verhalten von Menschenaffen erforschte. Von ihr habe er die Frage vernommen, warum die intelligenteste Spezies ihr eigenes Zuhause zerstört. „Begrüßen Sie ihren Sitznachbarn mal wie Schimpansen“, forderte Eckart von Hirschhausen sein Publikum zu Berührungen und Umarmungen auf.Atmosphäre: So dünn wie die Haut des Apfels„Wir sind soziale Wesen, wir sind nicht allein. Wir leben, weil wir kooperieren können“, so die Erkenntnis. Und das gelte auch für die Rettung unseres Wohnzimmers, des Planeten Erde. „Wer zum Mars will, soll da hin: one way“, polemisierte der promovierte Mediziner. Sein Vorschlag: „Alle Ressourcen nutzen, damit wir da nicht hinmüssen.“Von Hirschhausen hielt einen grünen Apfel ins Auditorium. „Unsere Lebensversicherung, die Erdatmosphäre, ist so dünn wie die Haut dieses Apfels und so verletzlich.“ Diese Lebensversicherung werde gerade als Müllhalde missbraucht. Als Journalist habe er mit dem US-Evolutionsbiologen Jared Diamond gesprochen. Arten scheitern, so der Pulitzer-Preisträger, wenn sich das Klima ändert, wenn neue Infektionskrankheiten auftauchen und wenn die Art nicht bereit ist, sich anzupassen.„Alle drei Bedingungen erfüllen wir gerade“, so von Hirschhausen. „Ich möchte in einer Welt leben, in der ich unter 42 Grad Körperkerntemperatur behalte!“ Zugleich aber auch in einer Welt, die zwischen Wahrheit und Fälschung unterscheiden kann. Die Verteidigung gegen Fakes, von denen er im Zeitalter von KI schon selbst unzählige Male betroffen war, sei ein sehr wichtiger Aspekt beim Einsatz für Nachhaltigkeit. Wenn Honigbienen Mindestlohn erhielten„Auch die klügsten Köpfe haben einen Körper und unterliegen biologischen Gesetzen.“ Und dazu gehöre ein kühler Kopf, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Wissenschaftler verwies auf die Veränderungen im Stadtbild von Paris, wo man sich als Fußgänger im Sommer mit Wasser besprühen lassen könne. So etwas bräuchten auch unsere Städte.Unter großer Hitze versage unser Frontalhirn. „Das bedeutet: mehr Unfälle, mehr Suizide, mehr Hass-Mails.“ Es gebe keine Klimaleugner unter Versicherungsmathematikern. „Das Teuerste, was wir jetzt tun können, ist nichts“, so die Folgerung. Einen letzten tierischen Vergleich zog von Hirschhausen dann noch. Die Zuhörer sollten schätzen, was ein Glas Honig kosten würde, wenn die Biene Mindestlohn bekäme. Antwort: „Es sind 300.000 Euro.“ Ein Vortrag, der bei allen Entertainment-Qualitäten sehr nachdenklich machte. Und der an die Verantwortung appellierte. Dass man sich eine Antwort für unsere Kinder überlegen sollte, wenn sie uns einmal fragen, was wir eigentlich 2026 unternommen haben.Uwe Sauerwein