Es ist die hohe absolute Zahl, die verlangt, dass der Befund nicht einfach abgehakt wird, ehe man zur Tagesordnung übergeht. 8725 Vorfälle in einem Jahr, das bedeutet, durchschnittlich waren es 24 pro Tag. Antisemitismus ist in Deutschland Alltag.Nicht nur an GedenktagenBitterer Alltag für viele Jüdinnen und Juden, wie der scheidende Bundesbeauftragte Felix Klein gesagt hat, wobei dem – nicht widersprechend, aber ergänzend – hinzuzufügen wäre: nicht nur für sie. Antisemitismus vergiftet das Gemeinwesen insgesamt, nicht nur in Deutschland, aber wegen unserer Geschichte gerade hier. Dem ist öffentlich entgegenzutreten, nicht nur an Gedenktagen.Deshalb ist es auch bitter, dass, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet hat, eine Rede des Publizisten Michel Friedman auf den Bayreuther Festspielen über deren antisemitische Kontamination aus angeblichen Sicherheitsgründen verschoben wurde. Friedman hat recht, wenn er das Problem über die konkrete Frage hinaushebt und feststellt, Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen abzusagen, bedeute für eine Demokratie den Tod durch Selbstmord.