Die Zahl der antisemitischen Vorfälle ist weiterhin auf hohem Niveau. Der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) hat im vergangenen Jahr 8725 Vorfälle erfasst; etwa genauso viele waren es 2024. Im Vergleich zu 2022 hat sich die Zahl damit verdreifacht. RIAS dokumentierte bei zwei Dritteln aller Fälle israelbezogenen Antisemitismus. Seine Zahlen stellte RIAS am Mittwoch in Berlin vor, im Beisein des Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Felix Klein.Die meisten Vorfälle ereignen sich in der Öffentlichkeit und sind Teil des Alltags von Juden in Deutschland. Ein Viertel aller antisemitischen Vorfälle ereignete sich im Internet. So erhielten Juden etwa bei Facebook wiederholt Drohungen, darunter ein Bild einer Zyklon-B-Dose mit dem Kommentar „Noch auf Lager“. Laut RIAS können Bedrohungen im Netz dazu führen, dass sich Betroffene aus sozialen Medien zurückziehen – aber auch dazu, dass sie jenseits digitaler Räume weniger öffentlich auftreten.Der mit großem Abstand häufigste Vorfalltyp war auch 2025 sogenanntes verletzendes Verhalten; mit 7770 von insgesamt 8725 Vorfällen. Darunter fallen vor allem antisemitische Schmierereien. Beispielsweise wurde im September auf der Toilette in einem ICE von Berlin Richtung Frankfurt ein Graffiti mit den Worten „Kill Jews“ entdeckt.Zionismus als FeindbildDer Verein registrierte 178 antisemitische Angriffe und 257 Bedrohungen. Oft ereigneten die sich an öffentlichen Orten. RIAS nennt in seinem Bericht einen Fall aus Kehl: Dort wurden vier Gemeindemitglieder vor einem jüdischen Gebetsraum beleidigt und bespuckt. In Hessen wurde ein Rabbiner in einem Supermarkt vor den Augen seiner Kinder gestoßen und ihm das Handy entrissen. Dabei wurden der Rabbiner und seine Familie für das Handeln Israels verantwortlich gemacht.RIAS dokumentierte außerdem 807 rechtsextreme Vorfälle, der höchste Wert seit Beginn der bundesweiten Erhebung im Jahr 2020. Dabei geht es um Verschwörungsmythen, NS-Verherrlichung und Wünsche nach einer Wiederholung der Schoa. Eine rechtsextreme Gruppe in Mecklenburg-Vorpommern rief in einem Bus „Juden an die Wand“, verhöhnte die Schoa und bedrohte Flüchtlinge und einschreitende Fahrgäste. Laut RIAS trat rechtsextremer Antisemitismus zuletzt häufiger und auch gewaltvoller auf.Bei vielen Vorfällen wird der Zionismus als Feindbild deutlich. Registriert wurden Schmierereien wie „Still kill every zionist“ oder „Kill ZIONazis“. In Kassel wurde eine Person erst als „Zionistenschwein“ beleidigt und dann angegriffen. Der Begriff „Jude“ werde demnach immer häufiger als Beleidigung verwendet, etwa unter Fußballfans.RIAS betrachtet den Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 als Einschnitt. Danach habe der Antisemitismus noch einmal deutlich zugenommen. Auch Personen, die sich für das Gedenken an die Opfer der Schoa engagieren, wurden 2025 Opfer antisemitischer Angriffe. Am 9. November griff in Hamburg ein Mann eine Frau an, während sie einen Stolperstein reinigte.
8725 antisemitische Vorfälle in Deutschland im Jahr 2025
Antisemitische Schmierereien finden sich überall in Deutschland. Juden werden auch immer wieder beleidigt und tätlich angegriffen.










