Beleidigungen, Messerangriffe, Drohungen: Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Deutschland bleibt konstant hochDie Dokumentationsstelle Rias verzeichnete im vergangenen Jahr 24 antisemitische Vorkommnisse pro Tag. Nach ihrer Auswertung haben sich die Übergriffe weitgehend vom Kriegsgeschehen in Nahost losgelöst.Armin Arbeiter, Berlin17.06.2026, 11.27 Uhr3 LeseminutenDas jüdische Restaurant Eclipse in München nach einem Anschlag.IMAGO/Wolfgang Maria Weber / ImagoDie Zahl antisemitischer Vorfälle in Deutschland ist auch im zweiten Jahr nach dem Massaker der Hamas an Israelis am 7. Oktober 2023 auf sehr hohem Niveau geblieben. Die Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias) dokumentierten für das Jahr 2025 bundesweit 8725 antisemitische Vorfälle. Das waren nahezu genauso viele wie im Jahr zuvor, als 8713 erfasst worden waren. Rechnerisch kam es damit zu knapp 24 antisemitischen Übergriffen pro Tag.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nach Einschätzung von Rias ist damit keine Trendwende erkennbar. Zwar sei die Zahl der Vorfälle nicht erneut stark gestiegen, sie habe sich aber auf einem Niveau verfestigt, das deutlich über jenem der Jahre vor dem 7. Oktober 2023 liegt. Zwischen 2020 und 2022 hatte der Verband im Schnitt 2400 Fälle pro Jahr dokumentiert. Inzwischen ist die Zahl mehr als dreimal so hoch. Fast die Hälfte aller dokumentierten Vorfälle fand im öffentlichen Raum statt.Rias führt die Entwicklung nach wie vor auf die Folgen des Nahostkriegs zurück. Der Krieg, die öffentliche Debatte darüber und politische Mobilisierungen hätten weiterhin als Anlass für antisemitische Vorfälle gedient. So berichtet etwa der Bayerische Rundfunk über interne Beiträge aus der Jugendorganisation der Linkspartei, in denen Funktionäre antisemitische Parolen verbreitet und die Hamas verharmlost haben sollen. In einem Beitrag stand neben einer brennenden Israel-Flagge: «Israel verrecke!».Der Rias-Bericht liefert auch Indizien dafür, dass sich der Antisemitismus in Deutschland inzwischen vom Kriegsgeschehen in Nahost losgelöst haben könnte. Einzelne politische Entwicklungen in Gaza hätten die Zahl der Vorfälle kaum beeinflusst, heisst es im Bericht.Anstieg von rechts- wie linksextremen VorfällenDeutlich zugenommen haben Vorfälle mit rechtsextremem Hintergrund. Rias dokumentierte in dieser Kategorie 807 Fälle, nach 562 im Vorjahr. Das sei ein neuer Höchststand. Ein Gedenkverein in Baden-Württemberg erhielt etwa ein Drohschreiben, in dem stand: «ich bin ein stolzer SOLDAT aus Österreich, morgen um 11 Uhr werde ich euch Besuchen, mein Gewehr will sich mit euch Unterhalten. Scheiss Juden SIEG HEIL». Auch Fälle mit «links-antiimperialistischem Hintergrund» nahmen zu – von 349 auf 501. Ihr Anteil an allen Vorfällen stieg von vier auf sechs Prozent.Am häufigsten kam laut Rias israelbezogener Antisemitismus vor. 68 Prozent aller dokumentierten Vorfälle wurden dieser Erscheinungsform zugeordnet. Gemeint sind damit nicht Kritik an der israelischen Regierung oder an der israelischen Politik, sondern antisemitische Bezugnahmen auf Israel, etwa Dämonisierungen, Gleichsetzungen mit dem Nationalsozialismus oder die Infragestellung des Existenzrechts des jüdischen Staates. Als Beispiel gilt «Intifada Hannover», auf dessen Veranstaltungen Linksextreme wie Islamisten auftreten.Politisch lässt sich ein grosser Teil der Vorfälle nicht eindeutig zuordnen. Bei 57 Prozent blieb der Hintergrund unbekannt.Besonders sichtbar wurde der Antisemitismus bei Demonstrationen. Rias registrierte im vergangenen Jahr insgesamt 1744 Versammlungen mit antisemitischen Vorkommnissen. Bei 89 Prozent dieser Versammlungen spielte israelbezogener Antisemitismus eine Rolle. Erfasst wurden unter anderem antisemitische Inhalte in Redebeiträgen, Parolen, Aufrufen, Transparenten oder Schildern.Der Bericht zeigt zugleich, dass Antisemitismus nicht auf Demonstrationen beschränkt ist. Rias dokumentierte 2025 vier Fälle extremer Gewalt. So griff im bayerischen Coburg ein Asylbewerber einen anderen Bewohner in seiner Unterkunft mit einem Messer an, weil er ihn für einen Juden hielt.Zu diesen schwerwiegenden Fällen extremer Gewalt kamen 178 Angriffe, 257 Bedrohungen, 413 gezielte Sachbeschädigungen und 103 antisemitische Massenzuschriften. Der überwiegende Teil der Fälle fiel mit 7770 Vorfällen in die Kategorie «verletzendes Verhalten». Dazu zählen etwa Beleidigungen, antisemitische Schmierereien, Aufkleber oder Parolen.Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden, sprach anlässlich des Rias-Jahresberichts von einer «Verfestigung des Antisemitismus auf Rekordniveau». Antisemitische Vorfälle zur «bedrückenden Realität» für Juden in Deutschland geworden.Passend zum Artikel
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Die Dokumentationsstelle Rias verzeichnete im vergangenen Jahr 24 antisemitische Vorkommnisse pro Tag. Nach ihrer Auswertung haben sich die Übergriffe weitgehend vom Kriegsgeschehen in Nahost losgelöst.










